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Montag, 23. Mai 2011

Unsicher, ein bisschen sicher, etwas sicherer: Deutschlands Atommeiler im Test

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Seit dem Super-Gau im japanischen Kernkraftwerk Fukushima müssen die Restrisiken in Atommeilern anders bewertet werden, lautete die politische Botschaft nach den Ereignissen in Japan. (Foto: dpa)

Seit dem Super-Gau im japanischen Kernkraftwerk Fukushima müssen die Restrisiken in Atommeilern anders bewertet werden, lautete die politische Botschaft nach den Ereignissen in Japan.

Seit dem Super-Gau im japanischen Kernkraftwerk Fukushima müssen die Restrisiken in Atommeilern anders bewertet werden, lautete die politische Botschaft nach den Ereignissen in Japan.

In Deutschland tritt die Reaktorsicherheitskommission zusammen und legt schließlich einen 116-seitigen Bericht vor.

Demnach könnten die sieben ältesten Anlagen wegen mangelhaftem Schutz gegen Flugzeugabstürze vor dem Aus stehen. Das alles sind AKW, die vor 1980 in Betrieb genommen wurden.

Doch die Umweltschutzorganisation Greenpeace hält die staatliche Überprüfung allenfalls für fragmentarisch und legt deshalb eine eigene Rangliste vor.

Atomkraftgegner bemängeln bei Isar 1 schon seit längerem vor allem mangelnden Schutz gegen Flugzeugabstürze. Schwarz-Gelb hatte ihm dennoch im Herbst 2010 eine Fristverlängerung bis 2018 gewährt.

Den besten Schutz hat Isar 1 noch gegen Hochwasser, heikel sind jedoch der Erdbeben- und der Explosionsschutz. Insgesamt bekommt der Meiler gerade mal 7,5 von 24 Punkten.

Isar 1 und 2 gehören zu Eon. Block 1 ist nahezu baugleich mit dem Siedewasserreaktor Philippsburg 1 und ging 1977 in Betrieb. Der Druckwasserreaktor Block 2 ging erst 1988 ans Netz.

Isar 2 sollte demnach bis 2034 laufen und damit als einer der letzten Meiler in Deutschland seinen Dienst tun. Isar 2 ist einer der produktivsten Atommeiler der Welt. Greenpeace schätzt ihn mit Platz 15 auch als einen der sichereren ein.

Mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat Philippsburg 1. Das Kraftwerk gehört EnBW und ist laut Greenpeace-Ranking Deutschlands zweitunsicherstes AKW.

Philippsburg 1 ist vor allem gegen einen totalen Stromausfall und bei den Notkühlsystemen ganz gut gewappnet, bei Erdbeben, Hochwasser und Flugzeugabstürzen sieht es allerdings schlecht aus.

Philippsburg verfügt noch über einen zweiten Meiler, der 1984 den Betrieb aufnahm und zunächst auch weiter am Netz bleiben kann.

Philippsburg 2 erreicht immerhin Platz 13 von 17, ist also deutlich sicherer als sein Nachbar, nicht zuletzt wegen des besseren Schutzes gegen Flugzeugabstürze und der besseren Absicherung des Brennelementelagerbeckens.

Gemäß Atomkonsens ist die endgültige Abschaltung von Philippsburg 1 für 2011 und für den Block 2 für 2017 vorgesehen. Union und FDP wollten nach dem Ausstieg vom Ausstieg die Meiler bis 2026 beziehungsweise 2032 laufen lassen.

Im hessischen Biblis sind zwei Kraftwerksblöcke in Betrieb.

Biblis A ging 1974 ans Netz, Biblis B 1976. Biblis ist damit der älteste noch aktive Meiler in Deutschland.

Die beiden Druckwasserreaktoren liefern zusammen rund 2500 Megawatt, Betreiber ist RWE. Biblis A hätte nach dem Atomkonsens von Rot-Grün bereits vom Netz gemusst. Union und FDP verlängerten die Frist bis 2018.

Kritiker bemängeln seit langem, dass die Technik der beiden Reaktoren veraltet sei, sie teilweise nicht über alle modernen Notstandssysteme verfügten.

Vor allem Biblis A ist extrem unsicher, gute Noten bekommt der Meiler lediglich für den Hochwasserschutz. Biblis B steht auf Platz 6 allerdings nicht viel besser da.

Neckarwestheim 1 wurde bereits abgeschaltet - und geht so oder so nicht mehr ans Netz. Der Reaktor ist einer der ältesten noch in Betrieb befindlichen in Deutschland. Er nahm die Strom-Produktion 1976 auf und ist gegen kaum eine der berücksichtigten Risiken geschützt.

Neckarwestheim 1 ist ein Druckwasserreaktor der 2. Generation, zu der auch Biblis A und B sowie Unterweser gehören. Alle Druckwasserreaktoren der 1. Generation sind bereits abgeschaltet. Neckarwestheim 1 sollte längst vom Netz sein. Erst im Oktober 2010 wurde dem Block eine Laufzeitverlängerung bis 2019 eingeräumt.

Das Atomkraftwerk verfügt auch noch über den Block Neckarwestheim 2. Er nahm 1989 den Betrieb auf und verfügt über eine Leistung von 1.400 Megawatt. Beide Meiler werden von EnBW betrieben.

Neckarwestheim 2 ist auf Platz 16 das zweitbeste deutsche AKW. Es schneidet wegen seines neuen Baujahres bei der Notstromversorgung, dem Schutz gegen Flugzeugabstürze und der Sicherheit der Brennelementelagerung erheblich besser ab als sein Namensvetter.

70er-Jahre-Charme: Brunsbüttel in Schleswig-Holstein ging 1976 ans Netz. Das Kraftwerk verzeichnete zuletzt 2007 eine Pannenserie und steht seitdem still.

Auch unabhängig vom dreimonatigen Moratorium der Bundesregierung ist unklar, ob das Atomkraftwerk noch einmal seinen Betrieb aufnehmen wird. Greenpeace schätzt es als sehr unsicher ein, weil es kaum auf Flugzeugabstürze vorbereitet ist - Platz 5.

Ebenfalls vom Netz ist derzeit das AKW Unterweser in Niedersachsen. Unterweser läuft seit 33 Jahren. Im AKW kommen auch plutoniumhaltige MOX-Brennelemente zum Einsatz, die erhöhte Sicherheitsvorkehrungen verlangen.

Wie in allen AKW, gab es auch in Unterweser im Laufe der Jahre kleinere Pannen. 2007 wurde bei einer Überprüfung des Meilers festgestellt, dass aufgrund einer Fehljustierung das Notkühlsystem nicht richtig funktioniert hätte.

Auch Greenpeace sieht Defizite bei der Notkühlung, dem Schutz gegen Flugzeugabstürze und der Lagerung der Brennelemente.

Das AKW Krümmel, ebenfalls in Schleswig-Holstein gelegen, gehört für Greenpeace als einziges nach 1980 gebautes AKW in die Liste der Schwachen.

Eine Pannenserie von 2007 bis 2009 hatte das Vertrauen in den Meiler gänzlich erschüttert. Im Juli 2009 kam es dann zu einer Schnellabschaltung. Der Betreiber Vattenfall wollte das Kraftwerk eigentlich längst wieder in Betrieb genommen haben.

Davon rät Greenpeace wegen der schlechten Absicherung gegen Erdbeben und Stromausfall sowie der langen Pannengeschichte eindringlich ab.

Grundremmingen, ebenfalls in Bayern gelegen, verfügt über zwei Blöcke, B und C. Der alte Block A, ein Siedewasserreaktor mit einer vergleichsweise geringen Leistung von 237 Megawatt, der von 1966 bis zu einem Störfall am 13. Januar 1977 betrieben wurde, wird seit 1983 zurückgebaut.

Grundremmingen B liegt auf Platz neun, C auf Platz zehn. Beide haben gute Vorsichtsmaßnahmen gegen Stromausfall und Flugzeugabsturz, aber kaum welche gegen Erdbeben und Hochwasser.

Grafenrheinfeld wird von Eon betrieben und liegt in Bayern. Größere Zwischenfälle sind von diesem Reaktor nicht bekannt. Das AKW liefert seit 30 Jahren Strom.

In Grafenrheinfeld wurde 2006 ein Zwischenlager für abgebrannte Kernbrennelemente in Betrieb genommen. Das AKW soll bis 2028 laufen. Greenpeace sieht Schwächen bei der Notkühlung und beim Erdbeben- und Hochwasserschutz.

Das Kernkraftwerk Grohnde in Niedersachsen liefert Strom seit 1984. Das AKW verfügt über zwei 1982 errichtete baugleiche Naturzugkühltürme mit einer Schalenhöhe von 137,14 Metern. Grohnde arbeitete bisher weitgehend pannenfrei und ist zudem das produktivste AKW in Deutschland.

Auch im weltweiten Vergleich erzeugte die Anlage in mehreren Jahren die höchste Bruttostrommenge aller in Betrieb befindlichen AKW. Es ist schlecht gegen Erdbeben- und Hochwassergefahren aufgestellt, schafft aber immerhin Platz 12.

Brokdorf in Schleswig-Holstein. Das AKW wurde Ende der 70er-Jahre zu einem Zielpunkt der Anti-Atom-Bewegung. Die endgültige Abschaltung des Kernkraftwerks Brokdorf war laut Atomkonsens für 2018 vorgesehen.

Schwarz-Gelb sieht eine Verlängerung der Laufzeit bis 2033 vor. Greenpeace bemängelt den Hochwasserschutz und Defizite bei der Notkühlung.

1988 ging das AKW Emsland in Niedersachsen ans Netz. Ein Meiler vom Typ der modernen Druckwasserreaktoren. Er gilt als einer der sichersten in Deutschland und gewinnt auch das Greenpeace-Ranking.

Das Kernkraftwerk Emsland verfügt über eine Leistung von 1400 Megawatt. Es sollte nach dem Willen von Schwarz-Gelb als eines der letzten bis 2034 Strom produzieren.

In seine Rangliste hat Greenpeace nicht nur die Ergebnisse der Reaktorsicherheitskommission einfließen lassen, sondern auch eigene Kriterien wie die Lagerung der Brennelemente berücksichtigt.

Vergeben wurden nach den RSK-Vorgaben Noten von 0 bis 3. Keines der deutschen AKW erreicht die Höchstnote von 24 Punkten.

Selbst wenn es 24 Punkte für ein AKW gegeben hätte, ist das Zusammenwirken multifaktorieller Risiken, wie es in Fukushima geschehen ist, laut Greenpeace auch in dieser Liste nicht erfasst. Und jedes kleine Risiko könnte sich im Ernstfall potenzieren.

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