Am 20. November 1945 begannen im Schwurgerichtssaal 600 des Nürnberger Justizpalastes die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher der Nazi-Zeit. Die Anklage des Militärtribunals lautete auf Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.Bild 1 von 18 Insgesamt 21 Mitglieder des Obersten Kommandos der Wehrmacht mussten sich für ihre Taten vor dem internationalen Militärtribunal verantworten. Vorletzte Reihe (v.l.): Göring, Hess, von Ribbentrop, Keitel, Kaltenbrunner, Rosenberg, Franck, Frick, Streicher und Funk. Hintere Reihe: Dönitz, Raeder, von Schirach, Sauckel, Jodl, von Papen, Seyss-Inquart, Speer und von Neurath.Bild 2 von 18 Die Angeklagten saßen rechts, vor ihnen die Verteidiger; im Hintergund sind die Staatsanwälte zu sehen, ganz links die Richter. Oben auf der Galerie nahmen die Zuschauer Platz. Stellvertretend für die Weltgemeinschaft saßen in Nürnberg die vier alliierten Siegermächte USA, Sowjetunion, England und Frankreich zu Gericht.Bild 3 von 18 US-Chefankläger Robert H. Jackson hatte eigens für die Prozesse eine Behörde mit 1000 Mitarbeitern aufgebaut. Nach elf Monaten verlas er die Urteile: zwölf Mal Tod durch den Strang, drei Mal lebenslänglich, vier Freiheitsstrafen von zehn bis 20 Jahren und drei Freisprüche.Bild 4 von 18 Die Angeklagten saßen während des Verfahrens im benachbarten Gefängnis, das durch unterirdische Gänge mit dem Gerichtssaal verbunden war. Obwohl Wachposten rund um die Uhr die Zellen überwachten, konnten die Selbstmorde von Hermann Göring und Robert Ley nicht verhindert werden.Bild 5 von 18 Hermann Göring, "Reichsmarschall" und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, - hier im Gespräch mit seinem Verteidiger - beging am Vorabend seiner Hinrichtung Selbstmord mit einer Blausäure-Kapsel.Bild 6 von 18 Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess (vorne rechts) wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Vor Gericht sagte er zu seinen Taten nur lakonisch: "Ich kann mich nicht erinnern." Von 1966 bis zu seinem Tod 1987 war er der einzige Insasse des britischen Militärgefängnisses in Berlin-Spandau.Bild 7 von 18 Albert Speer, Architekt und Rüstungsminister, zeigte hingegen Reue: "Es gibt eine gemeinsame Verantwortung für so schreckliche Verbrechen." Speer musste 20 Jahre hinter Gitter. Er saß bis 1966 in der Festung Spandau und starb 1981 an den Folgen eines Schlaganfalls.Bild 8 von 18 Martin Bormann (r.), der engste Mitarbeiter Hitlers im Führerhauptquartier, war seit Kriegsende verschwunden. In Abwesenheit wurde über ihn das Todesurteil verhängt. Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel (l.), Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, erhielt ebenfalls das Todesurteil. Vor Gericht rechtfertigte er sich: "Für einen Soldaten sind Befehle Befehle."Bild 9 von 18 Im Anschluss an den Hauptprozess fanden die zwölf Nürnberger Nachfolgeprozesse statt. Zu den 42 beschuldigten Industriellen und Bankiers gehörten auch Friedrich Flick, Otto Steinbrinck, Konrad Kaletsch, Bernhard Weiß und Hermann Terberger (v.l.).Bild 10 von 18 Auf "nicht schuldig" plädierte der ehemalige Verkaufsleiter des Chemieunternehmens IG-Farben, Georg von Schnitzler. Weil er im Zweiten Weltkrieg französische und polnische Chemiebetriebe ausgebeutet hatte, um die Vormachtstellung der IG-Farben in Europa zu sichern, wurde er zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.Bild 11 von 18 Das Verfahren gegen Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (l.), der als Repräsentant der Rüstungsindustrie angeklagt war, wurde wegen Verhandlungsunfähigkeit eingestellt. In den Kriegsjahren waren bei Krupp 100.000 Zwangsarbeiter eingesetzt worden.Bild 12 von 18 Der berüchtigte Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz, Rudolf Höß - hier bei seiner Auslieferung an Polen - wurde als Zeuge zu den Nürnberger Prozessen geladen. Am 2. April 1947 wurde Höß in Warschau zum Tode verurteilt, am 16. April 1947 vor seiner ehemaligen Residenz in Auschwitz erhängt.Bild 13 von 18 Der ehemalige Generalfeldmarschall Erhard Milch nahm stehend sein Urteil entgegen - lebenslange Gefängnisstrafe. Schon 1954 wurde er aber entlassen.Bild 14 von 18 Die Nürnberger Prozesse waren Teil der Entnazifizierung Deutschlands, die ansonsten je nach Zone in der Verantwortung der jeweiligen Besatzungsmacht durchgeführt wurde.Bild 15 von 18 Die Aufklärung von Nazi-Verbrechen ist bis heute nicht abgeschlossen. Auch Eli Rosenbaum, Direktor der Abteilung für Sonderermittlungen im US-Justizministerium, ist weiter auf der Spur ehemaliger Nazi-Schergen. Seit Gründung der Behörde 1979 wurden etwa 100 Amerikanern mit NS-Vergangenheit die Staatsbürgerschaft entzogen, der größte Teil ausgewiesen.Bild 16 von 18 Jedes Jahr wollen tausende Menschen den Ort des Geschehens in Nürnberg besichtigen. Auf Grund des großen Interesses entsteht mit dem "Memorium Nürnberger Prozesse" am historischen Ort eine neue Informations- und Erinnerungsstätte mit Dauerausstellung.Bild 17 von 18 Der Schauplatz der Nürnberger Prozesse soll eine nationale Gedenkstätte mit Museum werden. Im Dachgeschoss des Justizgebäudes wird die Dauerausstellung eingerichtet. Zugleich sollen Fenster einen Blick in den Saal erlauben, in dem noch heute Prozesse stattfinden. Die Ausstellung wird am 21. November 2010 mit einem Festakt eröffnet.Bild 18 von 18