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Mittwoch, 15. November 2017

Der greise Autokrat von Simbabwe: Die eiserne Faust des Robert Mugabe

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Robert Mugabe hat einst erklärt, er werde Simbabwe bis zu seinem 100. Geburtstag regieren. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Robert Mugabe hat einst erklärt, er werde Simbabwe bis zu seinem 100. Geburtstag regieren.

Robert Mugabe hat einst erklärt, er werde Simbabwe bis zu seinem 100. Geburtstag regieren.

Doch dazu dürfte es nicht kommen - das Militär hat ihn, seine Frau Grace und enge Vertraute festgesetzt.

Im Staatsfernsehen spricht man zwar nicht von einem Putsch, aber man will Verbrecher im Umfeld des Präsidenten festsetzen, wie es ein General formuliert. Mugabe selbst soll unter Hausarrest stehen.

Seit 37 Jahren führt Mugabe das Land, 2013 wurde er zuletzt unter zweifelhaften Umständen wiedergewählt ...

... und er änderte die Verfassung, um bis ins Alter von 99 Jahren an der Macht bleiben zu können.

Von seiner Mission gab er sich bis zuletzt überzeugt.

Es sei "Gottes Wille", dass er so lange lebe, sagte er noch vor Kurzem.

2014 hatte er groß seinen 90. Geburtstag gefeiert.

Für den Westen ist Mugabe aber längst zum Paria geworden.

In Simbabwes Nachbarländern gilt er dagegen als Stabilitätsgarant.

Und für die meisten seiner Landsleute ist Mugabe immer noch der Freiheitskämpfer, der das einstige Südrhodesien vor mehr als drei Jahrzehnten von der britischen Kolonialherrschaft befreite.

Lange wurde Mugabe mit Nelson Mandela verglichen.

Wie der im Dezember 2013 verstorbene südafrikanische Anti-Apartheidsheld kämpfte er gegen die Rassentrennung.

Wie Mandela verbrachte Mugabe Jahre im Gefängnis, wo er mehrere Diplome erwarb.

Und wie der Friedensnobelpreisträger wusste der strenggläubige Katholik, Lehrer und Marxist wichtige Unterstützer für sich zu gewinnen.

1980 gewann seine Partei ZANU überraschend die Parlamentswahl und Mugabe wurde Regierungschef der neuen Republik Simbabwe. In seinen ersten Jahren als mächtiger Mann in Harare gab es Grund zur Hoffnung.

Der einstige Musterschüler, der ab dem zehnten Lebensjahr ohne seinen Vater aufgewachsen war, verwandelte Rhodesien in ein wirtschaftlich und gesellschaftlich vorwärtsgewandtes Simbabwe.

Er setzte sich für ein friedliches Zusammenleben von Schwarz und Weiß ein.

Gleichzeitig verbesserte er die Lage der schwarzen Bevölkerung.

Die Lebenserwartung stieg dank eines verbesserten Gesundheitswesens von 56 auf 64 Jahre, die Kindersterblichkeit sank.

Auch Simbabwes Bildungssystem wurde im Ausland hochgelobt.

Für ausländische Investoren war das südafrikanische Land attraktiv.

Dabei übersahen viele, dass Mugabe schon damals brutal gegen seine Opponenten vorging.

1982 ließ er die Anhänger seines Widersachers und einstigen Mitstreiters Joshua Nkomo unbarmherzig verfolgen, bei Massakern in der Provinz Matabeleland wurden zwischen 10.000 und 20.000 Angehörige der Ndebele getötet, die Nkomo unterstützt hatten.

Fünf Jahre später wurde Mugabe Präsident.

Zunehmend trieb er sein Land in den Ruin. Einen Tiefpunkt markierte die forcierte Landreform ab 2000, die zur oft gewaltsamen Enteignung Tausender weißer Farmer führte.

Mugabe ließ sie vertreiben und ihr Land an schwarze Landsleute - vor allem seine Anhänger - verteilen, die damit auf Anhieb oft nicht zu wirtschaften wussten.

Eine gigantische Inflationsrate und eine Massenabwanderung ausgebildeter Fachkräfte nach Südafrika waren die Folge.

Aus dem einstigen Brotkorb der Region wurde ein Bittsteller, ausländische Sanktionen verschlimmerten die Lage.

Mugabe stilisierte sich allerdings zum Symbol des Nationalstolzes. Bei seinen Auftritten mangelte es nie an Tiraden gegen die westlichen Gegner, allen voran die Briten.

Damit sammelte er Punkte bei Staaten, die dem Westen ebenfalls feindlich gegenüberstehen.

Stimmung für sich machte Mugabe auch mit Verunglimpfungen gegen Schwule, die seien "schlimmer als Schweine und Hunde".

Gerüchte, er leide an Prostatakrebs, wies Mugabe zurück.

Dass er sich häufig zu Behandlungen in Singapur aufhielt, erklärte sein Sprecher mit Grauem Star.

Es gab keine Anzeichen, dass Mugabe doch irgendwann die Lust am Herrschen verlieren würde.

Sein Alter bedeute nichts, sagte er vor wenigen Jahren der "New York Times".

Schon seit Längerem reagiert der Greis auf alle Nachfragen zu diesem Thema mit sehr eigenwilligem Humor.

"Ich bin schon oft gestorben, deshalb bin ich Christus überlegen. Er ist nur einmal gestorben und wieder auferstanden", witzelte er einmal.

Zumindest in den gleichgeschalteten Staatsmedien brauchte er keine Kritik zu fürchten.

Nach seinem Wahlsieg 2013 begegnete ihm der oft von ihm wüst beschimpfte Westen mit etwas mehr Nachsicht - das gilt zumindest für Europa. Die USA blieben unvermindert hart.

Die Opposition in Simbabwe sprach jedoch von einem "gigantischen Wahlbetrug".

Die internationalen Beobachter von SADC und EU sahen dagegen eine weitgehend freie und friedliche Abstimmung.

"Präsident Mugabe wird weiter gegen die Achse des menschlich Bösen, für das manche westlichen Regierungen stehen, kämpfen", hieß es blumig-vage auf der Internetseite seiner Partei.

Allerdings hängen viele der zwölf Millionen Simbabwer von internationaler Lebensmittelhilfe ab.

Die wenigen Exporterlöse für Diamanten oder Tabak kommen vor allem der kleinen Schicht um den Clan Mugabes zugute.

Trotz schlechter Erfahrungen trieb der Autokrat die Verstaatlichung der Wirtschaft voran.

Und während das Volk hungerte, gönnte sich der Diktator rauschende Geburtstagsfeiern.

Doch damit dürfte es nun vorbei sein.

Der schon lange schwelende Machtkampf um seine Nachfolge ist eskaliert.

Nach der Entlassung des langjährigen Kampfgefährten und Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa greift das Militär ein und stellt den Staatschef samt Familie unter Hausarrest.

Sie wollen wohl eine Machtergreifung durch Mugabes Frau Grace verhindern, die sich anschickte, Präsidentin zu werden.

Dabei wird sie wegen ihrer Prunksucht als "Gucci Grace" verspottet.

Wie es weitergeht, ist unklar. Südafrikas Präsident Jacob Zuma ruft jedoch alle Seiten zur Zurückhaltung auf.

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