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Donnerstag, 30. Juli 2015

Das Flüchtlingselend von Calais: Durch den Eurotunnel in ein besseres Leben

Von Solveig Bach

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50,4 Kilometer lang ist der Eurotunnel, auf dem die Frachtzüge unter dem Ärmelkanal zwischen Großbritannien und Frankreich pendeln. (Foto: REUTERS)

50,4 Kilometer lang ist der Eurotunnel, auf dem die Frachtzüge unter dem Ärmelkanal zwischen Großbritannien und Frankreich pendeln.

50,4 Kilometer lang ist der Eurotunnel, auf dem die Frachtzüge unter dem Ärmelkanal zwischen Großbritannien und Frankreich pendeln.

Auf der französischen Seite, in Calais, sind inzwischen Tausende Flüchtlinge gestrandet.

Sie versuchen, durch den Tunnel nach Großbritannien zu gelangen, wo sie auf ein besseres Leben hoffen.

Inzwischen ist auf dem Gelände einer ehemaligen Mülldeponie ein Lager entstanden, in denen die Flüchtlinge auf ihre Chance warten.

Meist kommen sie aus Eritrea oder Äthiopien, aus Afghanistan, Pakistan oder dem Sudan.

In dem "Dschungel" genannten Camp leben sie zu Tausenden unter erbärmlichen Umständen.

Freiwillige kümmern sich wenigstens um eine medizinische Grundversorgung. Viele der Flüchtlinge haben Durchfall und Krätze oder Schnittwunden von den vergeblichen Fluchtversuchen.

Es gibt nicht genug zu essen, erst vor Kurzem wurden ein paar Chemietoiletten aufgestellt.

Immer wieder versuchen die französischen Behörden die illegalen Unterkünfte abzureißen.

Aber während an einer Stelle Matratzen oder Zelte in den Müll fliegen, bauen die Flüchtlinge an anderer Stelle die nächste Behelfsunterkunft.

Inmitten von Müll und Exkrementen ist ein winziger Verschlag aus etwas Pappe und Plastikplane schon ein Heim.

Ein paar Lebensmittel in einem Regal sind ein Laden.

Lange bleiben will hier keiner.

Jede Nacht hoffen sie auf ihre Chance.

Sie überwinden die Absperrungen, mit denen die Gleise gesichert sind, die zum Eurotunnel führen.

Überall gibt es Möglichkeiten, hindurchzuschlüpfen. Man muss nur wissen, wo.

Manchmal bleibt einer hängen, reißt sich am Stacheldraht die Haut blutig.

Suchscheinwerfer tasten das Gelände ab, Sicherheitspersonal mit Hunden patrouilliert, Wärmebildkameras sollen die Flüchtlinge erfassen.

Aber der Traum von einem besseren Leben ist stärker.

Ziel ist es, auf einen Lkw oder direkt auf einen der Züge zu gelangen, die durch den Tunnel nach Großbritannien rollen.

Kaum ein Truckerfahrer lässt sich freiwillig auf die blinden Passagiere ein.

Werden die Flüchtlinge entdeckt, drohen den Lkw-Fahrern hohe Strafen wegen Menschenschmuggels.

Doch die Flüchtlinge tun alles für eine Mitfahrt, sie zerschneiden Plomben oder Planen, werfen Ladung herunter oder harren auf engstem Raum stundenlang aus.

Jeden Tag entdeckt die Polizei welche.

Längst haben die Betreiber des Eurotunnels technisch aufgerüstet.

Alles, was in den Tunnel rollt, wird geröntgt, von Spürhunden untersucht, durchläuft Herzschlag- und Kohlendioxiddetektoren.

Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und der Polizei.

Trotzdem versuchen sie es immer wieder.

Das Gelände vor dem Tunneleingang, auf dem sich auch der Frachtterminal für die Güterzüge befindet, ist 650 Hektar groß, es gibt Zäune auf einer Länge von 28 Kilometern. Ein solches Areal zu sichern ist schwierig.

Also klettern sie auf die Züge, lassen sich in Kesselwagen gleiten, hängen sich in die Metallstreben der Waggons.

Nichts davon ist ungefährlich. Allein in diesem Jahr starben schon mindestens neun Flüchtlinge im Eurotunnel.

Sie werden beim Versuch aufzuspringen überfahren oder kommen ums Leben, weil sie mit Stromleitungen in Berührung kommen.

Großbritannien will angesichts der chaotischen Lage in Calais härter gegen illegal eingewanderte Migranten vorgehen.

Frankreich investiert weiter in die Grenzsicherung am Eurotunnel.

Und im "Dschungel" warten weiter Tausende auf ihre Chance.

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