Michail Gorbatschow war von 1985 bis August 1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und von 1990 bis Ende 1991 Präsident der Sowjetunion. Unter ihm wurde das Riesenreich friedlich beerdigt.Bild 1 von 49 Dafür ist die Welt dem am 2. März 1931 im südrussischen Dorf Priwolnoje bei Stawropol geborenen Staatsmann dankbar. Ein Großteil seiner russischen Landsleute nimmt Gorbatschow dagegen den Zerfall der UdSSR übel.Bild 2 von 49 Im Ausland genießt der Bauernsohn - wie hier in Augsburg - großes Ansehen. Vor allem die Deutschen verbinden mit dem studierten Juristen die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands.Bild 3 von 49 Dabei hatte Gorbatschow - und das ist sein eigentliches Verdienst - die politischen Realitäten in Europa am Ende der achtziger Jahre anerkannt. Unter ihm entließ die Sowjetunion ihre europäischen Satellitenstaaten in die Freiheit.Bild 4 von 49 Dabei trat Gorbatschow mit einer ganz anderen Zielstellung das Amt des KPdSU-Generalsekretärs an. Die UdSSR war ein hochgerüstetes Land mit maroder Wirtschaft. Die von ihm proklamierte Perestroika (Umgestaltung) sollte mehr Eigeninitiative und Markt in die völlig erstarrte Planwirtschaft bringen.Bild 5 von 49 Dies setzte - innen- sowie außenpolitisch - ein völliges Umdenken voraus. Gorbatschow umgab sich mit Gefolgsleuten. Der Georgier Eduard Schewardnadse löste den mürrischen Andrej Gromyko als Außenminister ab.Bild 6 von 49 Alexander Jakowlew avancierte zum KPdSU-Vordenker. Er war der geistige Vater der Politik der Glasnost (Offenheit, Transparenz).Bild 7 von 49 Moskauer Parteichef wurde Boris Jelzin. Dieser war später Gorbatschows größter Kritiker und als Präsident der Russischen Föderation maßgeblich an der Zerschlagung der allein regierenden KPdSU sowie der Sowjetunion beteiligt.Bild 8 von 49 Was Gorbatschow zu Beginn seiner Amtszeit nicht wahrhaben wollte, trat ein. Seine Absage an den Stalinismus und die Proklamierung von mehr Demokratie führte zwangsläufig zu einer massiven Machtverminderung der Kommunistischen Partei.Bild 9 von 49 Gorbatschows Politik der Öffnung brachte den Sowjetbürgern eine bis dahin unerhörte Freiheit und einen kritischen Blick in die dunkle Vergangenheit des kommunistischen Staates. Auch das Wirken von Staatsgründer Wladimir Iljitsch Lenin blieb dabei nicht ausgespart.Bild 10 von 49 Beim ersten Test versagte allerdings die Glasnost noch. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 wurde über Tage auch von Gorbatschow totgeschwiegen.Bild 11 von 49 Erst nach massivem internationalen Druck rückte die Sowjetunion nach und nach mit Fakten heraus. Tschernobyl war das Symbol für den Niedergang der kommunistischen Weltmacht.Bild 12 von 49 In der Außenpolitik verfolgte Gorbatschow die Politik des "neuen Denkens". Der Westen reagierte zurückhaltend. Dagegen erkannte die britische Premierministerin Margaret Thatcher die Chance, sich mit der UdSSR zu arrangieren. "Mit ihm kann man ins Geschäft kommen", sagte sie bereits 1984.Bild 13 von 49 Die "eiserne Lady" empfahl Gorbatschow insbesondere beim misstrauischen US-Präsidenten Ronald Reagan. Gorbatschow und Reagan fassten Vertrauen zueinander ...Bild 14 von 49 ... und schafften einen Durchbruch bei den festgefahrenen Abrüstungsverhandlungen zwischen der UdSSR und den USA.Bild 15 von 49 Am 8. Dezember 1987 unterzeichneten sie in Washington den INF-Vertrag zur Vernichtung der atomaren Mittelstreckenraketen. Das seit Jahrzehnten andauernde Wettrüsten zwischen den ökonomisch starken USA und der ökonomisch schwächeren Sowjetunion konnte gestoppt werden.Bild 16 von 49 Gorbatschow musste Reagan - hier bei einem Spaziergang über den Roten Platz in Moskau am 30. Mai 1988 - entgegen kommen. Die Hochrüstung stand Gorbatschows Plänen der Perestroika entgegen. Zur Verbesserung der Beziehungen zu den USA trug auch der sowjetische Abzug aus Afghanistan bei.Bild 17 von 49 Auch die Beziehungen der Sowjetunion zum kommunistischen Erzfeind China verbesserten sich unter Gorbatschow. Am 16. Mai 1989 wurde er in der Großen Halle des Volkes in Peking von Chinas starkem Mann Deng Xiaoping empfangen.Bild 18 von 49 Gorbatschow ist im Westen hoffähig geworden. Auch bundesdeutsche Politiker - wie Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt - erkannten die Chance, die Gorbatschows Politik auch für das geteilte Deutschland bot.Bild 19 von 49 Die Deutschen in der DDR erkannten die Gunst der Stunde, sich von der SED-Herrschaft zu befreien. Die 1988 von Gorbatschow aufgegebene Breschnew-Doktrin erlaubte die Einführung der Demokratie in den sowjetischen Satellitenstaaten. Ungarn und Polen waren dabei die Vorreiter.Bild 20 von 49 Die SED mit Generalsekretär Erich Honecker an der Spitze erwies sich als reformunwillig. Sie erkannte nach der Flucht tausender DDR-Bürger in den Westen nicht die Zeichen der Zeit. "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", hatte Gorbatschow die SED-Führung im Oktober 1989 gewarnt.Bild 21 von 49 Doch die SED-Führung ignorierte diese Warnung. Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer; dies war der Anfang vom Ende der DDR. Anders als am 17. Juni 1953 blieben die sowjetischen Soldaten in den Kasernen.Bild 22 von 49 Gorbatschow hatte die überstürzte Öffnung der Mauer zunächst scharf kritisiert. Er beugte sich aber der politischen Realität, dabei wohl wissend, dass das von ihm zuvor proklamierte "Gemeinsame Haus Europa" nur ohne eisernen Vorhang Wirklichkeit werden kann.Bild 23 von 49 Er erfüllte damit indirekt Ronald Reagans Berliner Forderung vom 12. Juni 1987, das Brandenburger Tor zu öffnen.Bild 24 von 49 Deutschland war auf dem Weg zur Einheit. Gorbatschow gab seinen anfänglichen Widerstand dagegen auf. Bei einem Treffen ...Bild 25 von 49 ... am 16. Juli 1990 in Gorbatschows Heimat bekamen Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher die sowjetische Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung.Bild 26 von 49 Möglich wurde dies auch durch das Tauwetter in den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen. Hier ein Treffen Gorbatschows mit Ronald Reagans Nachfolger George Bush am 2. Dezember 1989 auf dem sowjetischen Kreuzer "Maxim Gorki" vor der Mittelmeerinsel Malta.Bild 27 von 49 Die USA und die UdSSR arrangierten sich. Bush und Gorbatschow konnten sich aufeinander verlassen.Bild 28 von 49 Nutznießer waren ...Bild 29 von 49 ... Deutschland und Bundeskanzler Helmut Kohl. Aus Kohl und Gorbatschow wurden trotz Kohls Goebbels-Vergleichs kurz nach Gorbatschows Amtsantritt Freunde. Kohl hatte sich für diese Äußerung bei Gorbatschow entschuldigt.Bild 30 von 49 Nach dem Zerfall des Warschauer Paktes geriet Gorbatschow innenpolitisch massiv unter Druck. Die Kräfte des alten Denkens versuchten im August 1991, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Während Gorbatschows Urlaubsaufenthalt auf der Halbinsel Krim wagten sie einen Putsch.Bild 31 von 49 Nun rächte sich Gorbatschows Lavieren zwischen den Lagern der KPdSU. Auf dem Foto sind die Verantwortlichen des Putsches, Innenminister Boris Pugo, Vizepräsident Gennadi Janajew und der Vizepräsident des Verteidigungsausschusses, Oleg Baklanow (von links), zu sehen.Bild 32 von 49 Dem russischen Präsidenten Boris Jelzin gelang es jedoch, die Putschisten auszuschalten und die Staatsgewalt zu übernehmen.Bild 33 von 49 Damit war die Sowjetmacht in die Hände der Russischen Föderation übergegangen.Bild 34 von 49 Gorbatschow kehrte als geschlagener Mann nach Moskau zurück. Nach dem Verbot der KPdSU durch Jelzin war er Generalsekretär einer illegalen Partei.Bild 35 von 49 Vorbei waren die Zeiten, als die Präsidenten der Sowjetrepubliken von Gorbatschow in ihr Amt eingeführt wurden. Die Sowjetunion befand sich in der Auflösung. Gorbatschows Reformen waren gescheitert: Die Wirtschaft brach ein; die Republiken begehrten auf.Bild 36 von 49 Und Jelzin nahm Rache an Gorbatschow. Er führte den sowjetischen Präsidenten im russischen Parlament regelrecht vor. Gorbatschows Versuch, die UdSSR als eine lose Konföderation zu retten, scheiterte.Bild 37 von 49 Am 31. Dezember 1991 hörte die Sowjetunion auf zu existieren. Über dem Kreml weht nun die russische Fahne. Die Sowjetunion zerfiel in 15 Nachfolgestaaten, wobei Russland die rechtliche Nachfolge der UdSSR antrat.Bild 38 von 49 In der russischen Politik war kein Platz mehr für Gorbatschow. 1996 scheiterte seine Kandidatur für das das Präsidentenamt in Moskau kläglich (0,5 Prozent). Die Russen lehnten Gorbatschow als Totengräber der Sowjetunion ab.Bild 39 von 49 Michail Gorbatschow - er erhielt 1990 den Friedensnobelpreis - gründete 1992 eine nach ihm benannte Stiftung und 1993 die Umweltschutzorganisation Internationales Grünes Kreuz. Er wurde Mitglied im Club of Rome.Bild 40 von 49 Ein persönlicher Schicksalsschlag ereilte Gorbatschow 1999. Seine Frau Raissa verlor den Kampf gegen die Leukämie.Bild 41 von 49 Sie hatte ihm jahrzehntelang mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Raissa Gorbatschowa starb 67-jährig in einer Klinik in Münster.Bild 42 von 49 Bewegender Abschied von der geliebten Frau.Bild 43 von 49 Michail Gorbatschow mit seiner Tochter Irina.Bild 44 von 49 In Deutschland ist Gorbatschow bis heute ein gern gesehener Gast. Sogar beim "großen Blonden" trat er auf.Bild 45 von 49 Auch Kohls Amtsnachfolger Gerhard Schröder ließ sich gerne mit Gorbatschow ablichten.Bild 46 von 49 Mit der ehemaligen Kosmonautin Walentina Tereschkowa.Bild 47 von 49 Zuletzt kritisierte Gorbatschow den autoritären Führungsstil des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Diese Äußerungen verhallen in Russland allerdings ungehört.Bild 48 von 49 Michail Gorbatschow hat viel zur europäischen Einigung beigetragen. Sein Versuch, in der Sowjetunion das kommunistische System zu reformieren, musste fehlschlagen. Dieses System war einfach nicht reformfähig.Bild 49 von 49