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Mittwoch, 23. Dezember 2009

Wie wir mit ihnen leben: Nazibauten

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Wenn auf einer der berühmtesten Freilichtbühnen Deutschlands, hoch über dem Rhein, auf dem Loreley-Felsen, Festivals stattfinden, ... (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Wenn auf einer der berühmtesten Freilichtbühnen Deutschlands, hoch über dem Rhein, auf dem Loreley-Felsen, Festivals stattfinden, ...

Wenn auf einer der berühmtesten Freilichtbühnen Deutschlands, hoch über dem Rhein, auf dem Loreley-Felsen, Festivals stattfinden, ...

... wissen viele Besucher wahrscheinlich gar nicht, dass die Bühne von den Nationalsozialisten errichtet wurde.

Sie gehörte zu den "Thingstätten", die für Aufmärsche, politische Kundgebungen und propagandistische "Kulturveranstaltungen" genutzt wurden.

Ähnlich verhält es sich mit der Kulisse, vor der Winnetou und Old Shatterhand alljährlich Gefechte austragen. In eine durch Gipsabbau entstandene Grube in Bad Segeberg hatte der Reichsarbeitsdienst 1934-37 das Kalkbergstadion eingebaut. Nach dem Krieg wusste die Stadt nicht so recht, wie sie mit dem NS-Relikt umgehen sollte.

1952 entschied man sich dafür, das Kalkbergstadion als Spielstätte für die Karl-May-Festspiele zu nutzen. Mittlerweile finden dort auch Open-Air-Konzerte statt.

Wenden wir unseren Blick nach Süden. An der Münchner Hochschule für Musik und Theater soll es sich noch nicht unter allen Studierenden herumgesprochen haben, ...

... dass sich ihre Lehrräume im ehemaligen NSDAP-Führerbau, dem Repräsentationsgebäude Hitlers, befinden.

Wir sind umgeben von nationalsozialistischer Architektur - so zum Beispiel auch am Berliner Flughafen Tempelhof. Dort konnten bis zum Jahr 1934 jährlich ...

... rund 200.000 Passagiere abgefertigt werden. Unter dem NS-Regime sollte Tempelhof zu einem "Weltflughafen" mit einer Kapazität von sechs Millionen Fluggästen pro Jahr ausgebaut werden.

Es entstand ein 1.230 Meter langes Gebäude. Mit einer Geschossfläche von 284.000 Quadratmetern war es derzeit das flächengrößte Gebäude der Welt.

2007 wurden dort mehr als 350.000 Fluggäste abgefertigt. Der Flughafenbetrieb endete Ende im Oktober 2008.

Wir leben mit NS-Architektur. Die Klosterabtei Münsterschwarzach bei Würzburg ist nicht nur eines der wichtigsten Benediktiner-Klöster in Deutschland, sondern auch der größte Sakralbau der Nationalsozialisten.

Die viertürmige Abteikirche wurde 1935-38 erbaut. Im Mai 1941 enteigneten die Nationalsozialisten das Kloster. Nach dem Krieg, 1945, erhielt der Benediktiner-Orden den beschlagnahmten Besitz zurück.

Wir beleben nationalsozialistische Architektur. Die Zeppelintribüne in Nürnberg etwa, Teil des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes, ...

... ist heute ein beliebtes Terrain für Skater. In den dreißiger Jahren hatte Hitler von hier, ...

... der Zeppelintribüne aus, zu den Massen gesprochen und Paraden abgenommen.

Neben dem Nürnberger Parteitagsgelände wurde der Bau des "Reichssportfeldes" in Berlin zum zentralen Großprojekt der Nationalsozialisten.

Am 1. August 1936 eröffnete Hitler von seiner Loge im Stadion aus ...

... die XI. Olympischen Spiele.

Es dauerte siebzig Jahre, bis das Berliner Olympiastadion eine zweite historische Chance erhielt.

Wir arbeiten in nationalsozialistischer Architektur - beispielsweise im Altbau des Auswärtigen Amts. Dieser wurde 1940 als Reichsbank errichtet. Mit 60.000 Quadratmetern Nutzfläche entstand eines der größten Verwaltungsgebäude Berlins. In den Tresoren der Bank lagerten die beschlagnahmten Güter jüdischer Bürger.

Die frühere Kassenhalle der Reichsbank diente zu DDR-Zeiten der SED als Kongresszentrum. Nach der Wende beschloss die Volkskammer hier den Einigungsvertrag. Im Untergeschoss des Gebäudes befinden sich noch immer die einstigen Bank-Tresore. Mittlerweile dienen sie dem Auswärtigen Amt als Archiv.

Auch das Bundesministerium der Finanzen zog in ein NS-Gebäude ein. Dieses hatte Hermann Göring 1935/36 als Reichsluftfahrtministerium errichten lassen. Mit seinerzeit 2.000 Zimmern war es das größte Regierungsgebäude in Berlin.

Die DDR-Regierung brachte in dem Gebäude verschiedene Ministerien und eine Poliklinik unter. 1990/91 wurde es Zentralsitz der Treuhand. Seit 1992 heißt der Bau Detlev-Rohwedder-Haus, benannt nach dem von der RAF ermordeten ersten Chef der Treuhandanstalt.

Wir verbringen unsere Freizeit in nationalsozialistischer Architektur. Im Seebad Prora auf Rügen etwa wollten die Nazis die weltweit erste Anlage für den Massentourismus schaffen.

Das "Seebad der 20.000", Teil der "Kraft durch Freude"-Bewegung, wurde nie ganz fertiggestellt.

1950 baute die Nationale Volksarmee die Gebäude zur Kaserne aus.

Heute stehen dort Jugendevents mit Workshops, Konzerten und Lesungen auf dem Programm. Bis 2011 entsteht in Block 5 eine Jugendherberge

Mancherorts wird es uns bewusst, wie sehr die NS-Geschichte in unseren Alltag hineinreicht - etwa beim Anblick des U-Boot-Bunkers "Valentin" in Bremen. 1943-45 wurde er von mehr als 10.000 Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Insassen errichtet. Mehr als 6.000 von ihnen sind dabei ums Leben gekommen.

In dem Bunker, der nicht fertiggestellt wurde, sollten U-Boote gebaut werden und vom Stapel laufen. Heute benutzt ihn die Bundeswehr als Depot. Zwischen 1999 und 2005 fanden hier außerdem Theateraufführungen statt.

Vielerorts weisen Dokumentationszentren auf die grausame Geschichte der Gebäude hin. Die Jugendherberge Ravensbrück entstand auf dem Areal des einstigen Frauen-Konzentrationslagers. 133.000 Frauen und Kinder waren dort zwischen 1939 und 1945 gefangen, Zehntausende kamen ums Leben.

Für die Jugendherberge, die in eine Mahn- und Gedenkstätte integriert ist, wurden ehemalige Wohnhäuser von SS-Aufseherinnen rekonstruiert und umgebaut.

Auch in der ehemaligen Kongresshalle in Nürnberg wurde ein Dokumentationszentrum eingerichtet.

Auf 1.300 Quadratmetern befasst sich die Ausstellung "Faszination und Gewalt" mit den Ursachen, Zusammenhängen und Folgen der NS-Gewaltherrschaft.

Die Grundsteinlegung für die Kongresshalle erfolgte 1935. 50.000 Menschen sollten in dem NSDAP-Kongresszentrum Platz finden. Geplant war für das Gebäude eine Höhe von 70 Metern, erreicht wurden 39. Vorbild war das antike Kolosseum in Rom.

Die Kongresshalle, vor der heutzutage das Musikfestival "Rock im Park" stattfindet, ist der größte erhaltene Bau der NS-Herrschaftsarchitektur in Deutschland. Sie steht unter Denkmalschutz.

Manche NS-Bauten haben ihre ursprüngliche Funktion zum Teil behalten. Das gilt zum Beispiel für das Haus der Kunst in München. Erbaut wurde es 1933-37. Es war als Tempel nationalsozialistischer "Kunst" gedacht. Die Ausstellungen dienten dem Verkauf, wobei Hitler als Hauptkäufer und Mäzen auftrat.

Während der amerikanischen Besatzung verwandelte sich das "Haus der deutschen Kunst" für die US-Armee in ein Casino und eine Basketballhalle. Heute dient es wieder als Museum.

Die meisten NS-Gebäude scheinen sich ihrer Vergangenheit entledigt zu haben. Das Kehlsteinhaus in Obersalzberg zum Beispiel, einst Privathaus Hitlers, ist heute ein Gasthaus des Deutschen Alpenvereins. Das Haus, damals "Adlernest" genannt, war ein Geburtstagsgeschenk der NSDAP zu Hitlers 50. Geburtstag.

Die Generaloberst-Beck-Kaserne in Sonthofen ist zurzeit eine Aus- und Fortbildungsstätte der Bundeswehr.

1934 war der Komplex als NSDAP-Ordensburg Sonthofen von der Deutschen Arbeitsfront errichtet worden. Er diente der Schulung von Parteikadern, im letzten Kriegsjahr auch als Lazarett. Mittlerweile wird über eine zivile Nutzung der "Burg" nachgedacht.

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