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Donnerstag, 09. Oktober 2008

"Hitlers Papst"?: Pius XII. vor Rehabilitierung

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Er gilt als eine der zwiespältigsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts ...

Er gilt als eine der zwiespältigsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts ...

Er gilt als eine der zwiespältigsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts ...

... und ist umstritten wie nur wenige andere Päpste in der an Wirren und Irrungen reichen Geschichte des Vatikans.

Viele sahen und sehen in Pius XII. schlicht "Hitlers Papst", ...

... der während des Zweiten Weltkriegs zum Holocaust geschwiegen und sich dadurch mitschuldig gemacht habe.

Doch immer schon gab es auch jene, die den Römer mit dem markant-hageren Gesicht einen Wohltäter des jüdischen Volkes nannten.

Judenretter oder Schuldiger - der jüngeren Forschung gelingt ein facettenreicheres Bild des Pontifex, der am 9. Oktober 1958 in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo am Albaner See starb.

Auf Initiative der religiösen US-Organisation Pave the way (Bereite den Weg) waren kurz vor seinem 50. Todestag Juden und Christen zusammengekommen, um Pius XII. zu rehabilitieren.

Es ist ein kleines Stück Rehabilitierung, auch wenn sein diplomatisches Kalkül nur noch klarer zutage tritt.

Auch Benedikt XVI. stellte sich kurz vor dem 50. Todestag hinter seinen umstrittenen Vorgänger: ...

... Pius habe "alle Kraft eingesetzt", um Juden zu verteidigen und zu schützen, sagte der Deutsche auf dem Stuhl Petri.

Er kündigte eine Pius-Gedenkmesse im Petersdom an.

An die 100.000 Aktenbündel aus dem sogenannten Vatikanischen Geheimarchiv machte der Heilige Stuhl 2003 und 2006 den Forschern erstmals zugänglich.

Sie decken die Zeit von 1922 bis zum Tod des Vorgängers Pius XI. (Foto) im Februar 1939 ab und enthüllen bereits viel über den Mann, der dann auf den Stuhl Petri rücken sollte.

Der am 2. März 1876 geborene Eugenio Pacelli war zwölf Jahre lang als Nuntius in Deutschland und als Kardinalstaatssekretär die rechte Hand des Kirchenoberhaupts, ...

... bis er selbst als Pius XII. zum Pontifex wurde. Mit seiner Intimkenntnis Deutschlands, das in der Diktatur und im Weltkrieg versank, wusste er, was in Hitlers Reich vorging.

Es geht in den Vorwürfen gegen diesen Papst nicht nur um sein Schweigen zur Judenvernichtung, dessen Hintergründe wohl erst in ein paar Jahrzehnten richtig klarwerden dürften, wenn der Vatikan auch für die Zeit des Krieges seine Archive öffnet.

Viele sehen den späteren Papst schon als Drahtzieher hinter dem Reichskonkordat, das der Vatikan im Jahr 1933 mit Deutschland unterzeichnete (Pius nach der Unterzeichnung) ...

... - ein Verrat an der ersten deutschen Demokratie? Die katholischen Parteien hatten zuvor für das Ermächtigungsgesetz votiert, die Bischöfe ihre Warnung vor den Nazis zurückgenommen.

Für den Kirchenhistoriker Hubert Wolf ist nach dem eingehenden Archivstudium durch eine Vielzahl von Indizien belegt: Der "Diplomat" Pacelli musste Niederlagen hinnehmen, und er hatte keine Kontrolle über die Akteure: ...

... "Die Bischöfe und die katholischen Parteien haben selbstständig entschieden" - ohne Weisung aus Rom.

Klarere Zusagen der Nazis an die Bischöfe, das wäre Pacelli lieber gewesen. Von einem "verhängnisvollen Kuhhandel" Roms mit Hitler könne aber keine Rede sein, so das Fazit Wolfs.

Warum aber schwieg der fromme und introvertierte Papst mit der Intellektuellenbrille zu der Judenvernichtung?

Er hatte doch vor Antisemitismus gewarnt sowie mehrfach per Fernexorzismus versucht, Hitler vom Satan zu befreien. Andererseits hatte er dessen Reden gegen den Kommunismus gelobt.

Von einem schwankenden Pius berichtet nach dem Archivstudium der Freiburger Theologe und Kirchenhistoriker Klaus Kühlwein in seinem ebenfalls vor kurzem erschienenen Werk "Warum der Papst schwieg".

Als Chef einer neutralen Macht und geprägt von Misserfolgen setzte Pius XII. auf Zurückhaltung in internationalen Konflikten: "Rückzug in die Sakristei und Verzicht auf politisches Engagement lautete die Devise", erläutert Wolf.

Mit Sympathien für die Nazis hatte diese Haltung nichts zu tun. Viel eher ist es die innere Zerrissenheit eines Kirchenoberhauptes, das alles mit sich selbst ausmachte und noch versuchte, die alte jüdische Gemeinde in Rom vor den Todeskommandos zu retten.

Noch im Oktober 1958 - kurz bevor er starb - verlangte er als erstes nach seinen Akten.

Die Diskussion um die Rolle Pius XII. wird auch mehr als 50 Jahre nach seinem Tod weitergehen. (Bilder AP/dpa/rts)

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