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Dienstag, 20. September 2016

KSK feiert 20-jähriges Bestehen : Wie ein Völkermord die Bundeswehr veränderte

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Die Geschichte des Kommandos Spezialkräfte beginnt in Afrika. Ruanda 1994: Szenen eines Völkermordes. In annähernd 100 Tagen schlachten Anhänger der Hutu-Mehrheit rund 75 Prozent der Tutsi-Minderheit im Land ab.

Die Geschichte des Kommandos Spezialkräfte beginnt in Afrika. Ruanda 1994: Szenen eines Völkermordes. In annähernd 100 Tagen schlachten Anhänger der Hutu-Mehrheit rund 75 Prozent der Tutsi-Minderheit im Land ab.

Die Geschichte des Kommandos Spezialkräfte beginnt in Afrika. Ruanda 1994: Szenen eines Völkermordes. In annähernd 100 Tagen schlachten Anhänger der Hutu-Mehrheit rund 75 Prozent der Tutsi-Minderheit im Land ab.

Während dieser Zeit werden 800.000 bis eine Million Menschen in einem beispiellosen Gewaltexzess getötet. Die Lage im Land eskaliert völlig. Während dieser Zeit sind auch deutsche Staatsbürger in Ruanda.

Mitarbeiter der Deutschen Welle mussten damals von der belgischen Spezialeinheit Para-Commando aus dem Land gebracht werden. Die deutsche Bundeswehr hatte keine eigene Truppe, die für einen solchen Einsatz ausgebildet und ausgerüstet war.

Die Ereignisse führten zu einer Neuausrichtung der deutschen Sicherheitspolitik. Der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe (auf dem Bild mit zwei KSK-Kämpfern im Jahr 1999) sagte: "Die Fähigkeit, im Notfall eigene Staatsbürger im Ausland aus Gefahr für Leib und Leben retten zu können, gehört zur grundlegenden Verantwortung eines jeden Staates".

Im Juni des folgenden Jahres beschloss das Kabinett Kohl die Aufstellung des Kommandos Spezialkräfte. Am 20. September 1996 nahm der Spezialverband dann offiziell seinen Dienst in der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw nahe Stuttgart auf.

Eine reine Truppe zur Rettung deutscher Staatsbürger sollte das KSK jedoch nie werden. Neben Anforderungen, die aus dem Bürgerkrieg in Ruanda resultierten, kamen die Aufgaben "Gewinnung von Schlüsselinformationen in Krisen- und Konfliktgebieten", der "Schutz von Personen in besonderer Lage" und "Kampfeinsätze im gegnerischen Gebiet" dazu.

Die Ausbildung beinhaltet Stationen bei renommierten ausländischen Spezialeinheiten. So lernen die deutschen Elitesoldaten den Kommandokampf bei der legendären britischen Einheit Special Air Services, der ältesten noch bestehenden Spezialeinheit.

Bei der israelischen Spezialeinheit Sajeret Matkal werden die KSK-Kämpfer in Terrorismusbekämpfung geschult.

Und bei den Special Forces der US-Armee erhalten die Besucher aus Calw einen Intensivkurs am Scharfschützengewehr.

1998 darf die Truppe ihr Können erstmals unter Beweis stellen. Auf dem Balkan sollen KSK-Soldaten mutmaßliche Kriegsverbrecher festnehmen.

Neben dem Serben Milorad Krnojelac, nehmen KSK-Soldaten vier weitere Kriegsverbrecher fest. Krnojelac wird Mitschuld an den Massakern in Foča vorgeworfen, bei denen über 2000 Menschen getötet worden sein sollen. Letztendlich verurteilt ihn der UN-Strafgerichtshof zu zwölf Jahren Gefängnis.

Bei den Einsätzen auf dem Balkan kommt es auch zum ersten Zwischenfall. Der "Spiegel" berichtet, bei der Verhaftung von Janko Janjic habe dieser versucht, sich mit einer Handgranate selbst zu töten. Drei KSK-Soldaten seien verletzt worden.

Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York, bei dem rund 3000 Menschen sterben, beschließt der deutsche Bundestag, sich am Afghanistan-Einsatz zu beteiligen. Auch das KSK ist davon betroffen.

Viele KSK-Soldaten werden nach Afghanistan verlegt. Anfänglich gibt es gute Nachrichten von der Truppe. In US-amerikanischen Medien lobt die US Army die Zusammenarbeit mit dem KSK und berichtet von dessen Professionalität. Der damalige US-Präsident George W. Bush verleiht dem KSK sogar eine Auszeichnung für "außergewöhnlichen Mut".

Kritik von den US-Amerikanern gibt es erst bei der Operation "Anaconda". Dabei wird ein KSK-Späher von einem Ziegenhirten entdeckt. Der Soldat gibt seinen Posten daraufhin auf. Das Vorgehen wird von den Amerikanern heftig kritisiert, da ein solcher Vorfall bei der US Army angeblich üblicherweise durch "Neutralisierung" solcher Zivilisten gelöst würde.

In die Kritik gerät das KSK durch den Fall Murat Kurnaz. Der damals terrorverdächtige Deutsche wird von US-Soldaten in Afghanistan festgenommen und verbringt vier Jahre in Guantanamo. Er behauptet, noch in Afghanistan von KSK-Soldaten misshandelt worden zu sein. Die Bundesregierung bestreitet Misshandlungen und setzt 2006 einen Untersuchungsausschuss ein. Das Verfahren gegen die beiden Soldaten wird eingestellt, es steht jedoch weiterhin Aussage gegen Aussage.

Das KSK führt in Afghanistan noch mehrere Missionen erfolgreich durch: Dabei heben die Soldaten Waffenlager der Taliban aus und nehmen Terroristen fest.

Nicht alle Einsätze der Elitesoldaten sind jedoch mit Ruhm behaftet. Unklar bleibt bis heute etwa die Rolle des KSK beim Luftangriff auf einen Tankwagen in Kundus, bei dem über 100 Zivilisten ums Leben kamen. Es heißt, KSK-Soldaten hätten sich für den Luftschlag stark gemacht.

Was die Elitesoldaten alles in Afghanistan gemacht haben und noch tun, ist nur in kleinen Bruchstücken an die Öffentlichkeit gelangt. Auch der Bundestag erfährt nur von abgeschlossenen Operationen.

Einzelne Parlamentarier der Ausschüsse für Verteidigung und Auswärtiges werden regelmäßig darüber unterrichtet, dürfen die Informationen aber nur an ihre Fraktionsvorsitzenden weitergeben.

Die Geheimhaltung ist den Spezialkräften heilig. Und sie kann lebenswichtig sein - auch für die Familien der Soldaten, die vor Racheakten geschützt werden sollen.

Doch es gibt auch Kritik an der damit einhergehenden Intransparenz. Die Opposition würde die Geheimhaltungspraxis gerne lockern.

"Mehr Offenheit wäre auch im Sinne der Soldaten, denn um das KSK ranken sich immer wieder zahlreiche Gerüchte und Spekulationen", sagt die Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger.

Kommandeur Dag Baehr hält dagegen wenig davon, die derzeitige Praxis aufzugeben. Allerdings räumt er ein, dass zu viel Geheimhaltung für die Truppe auch nicht gut sei. Früher sei alles so geheim gewesen, dass das KSK seine eigenen Einsatzerfahrungen nicht mehr nutzen konnte, erzählt er. "Geheimhaltung wurde zum Evangelium." (bdk)

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