Fabelrekord in Zweifelhaft: Die Bolt-Show in Berlin
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Es ist der kürzeste Wettkampf jeder Leichtathletik-WM, und gleichzeitig der prestigeträchtigste.Bild 1 von 48 | Foto: picture-alliance/ dpaIn Berlin lautete die Frage vor dem großen 100-Meter-Duell primär, wie kurz genau „schnellste Show der Welt“ („Times“) am 16. August 2009 geraten würde.Bild 2 von 48 | Foto: dpaSeit den Olympischen Spielen in Peking stand die Bestmarke bei 9,69 Sekunden.Bild 3 von 48 | Foto: REUTERSDamals, am 16. August 2008, war der Jamaikaner Usain Bolt - zumindest gefühlt - rückwärts und im Handstand über die Ziellinie gelaufen, hatte seine zu Mitläufern degradierten Kontrahenten lächerlich gemacht.Bild 4 von 48 | Foto: REUTERSWie schnell genau der Jamaikaner hätte sein können, hätte er vor dem Finale seine Schuhe zugebunden ...Bild 5 von 48 | Foto: REUTERS... und während des Finales auf die umstrittenen Späßchen verzichtet, darüber war sich die Fachwelt uneinig.Bild 6 von 48 | Foto: REUTERS9,60 Sekunden berechneten US-amerikanische Wissenschaftler später als mögliche Endzeit.Bild 7 von 48 | Foto: REUTERSBolts Trainer Glenn Mills meinte hingegen, sein Schützling hätte auch 9,54 Sekunden laufen können.Bild 8 von 48 | Foto: REUTERSDamals, im August 2008, war man durchaus geneigt, Mills zu glauben.Bild 9 von 48 | Foto: REUTERSDass vor dem großen 100-Meter-Sprint in Berlin angesichts der zu befürchtenden Dominanz von Bolt im August 2009 dennoch keine allzu große Langeweile aufkam, war einem Mann zu verdanken, der sich selbst gern als großer Langeweiler vom Land geriert: Tyson Gay, ...Bild 10 von 48 | Foto: dpa... US-Amerikaner und in Berlin Titelverteidiger über 100 Meter, 200 Meter und in der 4x100 Meter Staffel.Bild 11 von 48 | Foto: REUTERSMit 9,77 Sekunden hatte Gay Ende Juni seine persönliche Bestzeit um 7/100 gesteigert und sich in der Weltjahresbestenliste vor Bolt gesetzt.Bild 12 von 48 | Foto: REUTERSDem waren in Paris „nur“ 9,79 Sekunden gelungen, allerdings bei Regen und Gegenwind.Bild 13 von 48 | Foto: REUTERSSeit den Rennen zwischen Carl Lewis und Ben Johnson Ende der 1980er Jahre hat kein 100-Meter-Rennen solch eine Faszination ausgelöst wie das zum WM-Showdown hochstilisierte Laufduell zwischen Usain Bolt und Tyson Gay …Bild 14 von 48 … sowie den sechs Komparsen, die das Teilnehmerfeld im Finale komplettieren - und um Bronze streiten würden.Bild 15 von 48 | Foto: dpaVon einem Duell auf Augenhöhe schwärmte die „Times“ vorab, einem der seltenen Vergleiche zwischen zwei Athleten, die sich auf der Höhe ihrer Schaffenskraft befinden.Bild 16 von 48 | Foto: dpaDass Gay vor der WM über Leistenprobleme geklagt hatte, unterschlug die Zeitung galant.Bild 17 von 48 | Foto: dpaDoch wer sich in Berlin die Vorläufe angeschaut hatte, der mochte nicht so recht daran glauben, dass es im Finale tatsächlich mehr als einen Hauptdarsteller geben würde.Bild 18 von 48 | Foto: dpaZunehmend lockerer spazierte der großgewachsene Bolt mit seinen raumgreifenden Schritten durch seine Vorläufe, ...Bild 19 von 48 | Foto: dpa... im Halbfinale joggte er nach einem Fehlstart in 9,89 Sekunden ins Ziel.Bild 20 von 48 | Foto: dpaGays Rennen sahen zunehmend nach Arbeit aus.Bild 21 von 48 | Foto: dpaZwar hatte der Amerikaner angekündigt, er werde wenn nötig eine 9,6er Zeit und Weltrekord laufen. Doch selbst eine Zeit zwischen 9,6 und 9,68 Sekunden und damit eine Pulverisierung seiner eigenen Bestmarke hätte Gay in Berlin nicht gereicht, ...Bild 22 von 48 | Foto: dpa... um Bolt zu gefährden.Bild 23 von 48 | Foto: REUTERSDenn der Jamaikaner machte am 16. August 2009 bei der WM wahr, was er ein Jahr zuvor im Olympiafinale von Peking und in den Vorläufen von Berlin angedeutet hatte.Bild 24 von 48 | Foto: REUTERSEr lief diesmal durch, fast jedenfalls. Erst nach rund 80 Metern blickte er nach rechts, dorthin wo er Tyson Gay vermutete.Bild 25 von 48 | Foto: APDoch der Amerikaner war nicht zu sehen, obwohl er das schnellste Rennen seiner Laufbahn lief.Bild 26 von 48 | Foto: REUTERSBei 9,71 Sekunden stoppte die Uhr, als Gay die Ziellinie überquerte.Bild 27 von 48 | Foto: APDer Jubel, den der Amerikaner zu diesem Zeitpunkt vernahm, galt jedoch ausschließlich seinem Kontrahenten …Bild 28 von 48 | Foto: AP… und der Zeit, die nach dessen Zieleinlauf in den Zeitmessgeräten aufblinkte: 9,58 Sekunden. Wie ein Gorilla klopfte sich Bolt beim Austrudeln auf die Brust, sichtlich berauscht von seinem Fabellauf, ...Bild 29 von 48 | Foto: AP... ehe er frenetisch bejubelt zu seiner Ehrenrunde aufbrach.Bild 30 von 48 | Foto: REUTERSAuch im nur zu drei Vierteln gefüllten Olympiastadion war die Begeisterung der nach zweimal Silber für deutsche Athletinnen - Kugelstoßerin Nadine Kleinert (r.) und Siebenkämpferin Jennifer Oeser (M.) ohnehin euphorisierten Zuschauer inzwischen ohrenbetäubend.Bild 31 von 48 | Foto: dpaDer Lärm schien eine Mischung aus ungläubigem Staunen darüber zu sein, dass sich die Prophezeiungen und markigen Sprüche zumindest in Bezug auf den Weltrekord tatsächlich erfüllt hatten, …Bild 32 von 48 | Foto: dpa… und der Tatsache, dass man einer Freakshow beiwohnen durfte. Die geriet aufgrund ihrer Erwartbarkeit längst nicht so surreal wie im August 2008, stellte jene von Peking aber dennoch in den Schatten.Bild 33 von 48 | Foto: dpaDer große Unterschied zum damaligen Rennen war nicht, dass Bolt seine Schuhe gebunden hatte.Bild 34 von 48 | Foto: dpaDer Unterschied war auch nicht, dass man mit einer Zeit unter 9,69 Sekunden rechnen durfte.Bild 35 von 48 | Foto: dpaDer Unterschied war schlichtweg, dass Bolt diesmal nicht wesentlich schlechter aus den Startblöcken kam als seine Konkurrenten. Eigentlich bekannt als bestenfalls mäßiger Starter lag der 22-Jährige diesmal praktisch von Beginn an in Führung ...Bild 36 von 48 | Foto: dpa... und lief ein Rennen, ...Bild 37 von 48 | Foto: REUTERS... das er anschließend als „definitiv sein bestes“, als „großartig“ und „einfach unglaublich“, als nahezu „perfekt“ bezeichnete.Bild 38 von 48 | Foto: APWas bleibt nach dieser erneuten Demonstration, ist das seltsame Gefühl, dass Bolt noch schneller hätte sein können.Bild 39 von 48 | Foto: APWenn wir unseren Urenkeln von diesem Abend im Berliner Olympiastadion erzählen, wird der Weltrekordinhaber ganz sicher noch immer Usain Bolt heißen - nur mit welcher Zeit, das muss die Zeit zeigen.Bild 40 von 48 | Foto: dpaUnabhängig davon bleibt aktuell die ewige Frage, wie die erneute Fabelleistung des Jamaikaners zu erklären ist, der es als sein Hauptziel bezeichnet, sich selbst zu einer "Legende" zu machen.Bild 41 von 48 | Foto: APDie Antwort von DOSB-Präsident und IOC-Vize Thomas Bach (nicht im Bild), es habe schon“ immer Jahrhundert-Talente gegeben“, ist die typische Phrasendrescherei von Sportfunktionären und der plumpe Versuch, die Illusion der heilen Sportwelt aufrecht zu erhalten.Bild 42 von 48 | Foto: dpa11/100 lag Bolt unter seinem Fabelweltrekord von Peking, 13/100 vor Tyson Gay, ...Bild 43 von 48 | Foto: AP... der wiederum 13/100 vor dem Drittplatzierten Asafa Powell, mit einer Bestzeit von 9,72 Sekunden der drittschnellste Mann der Welt, ins Ziel kam.Bild 44 von 48 | Foto: picture-alliance/ dpaDas sind gigantische Lücken im Sprint. Es sind Welten.Bild 45 von 48 | Foto: APSie verzücken die Massen.Bild 46 von 48 | Foto: APSie wecken Erinnerungen.Bild 47 von 48 | Foto: ReutersUnd sie lassen viel Platz für Zweifel. (Text: Christoph Wolf)Bild 48 von 48 | Foto: AP