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Sonntag, 22. April 2018

Die Bundesliga in Wort und Witz: "So, die Lusche ist da, auf geht's"

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Borussia Mönchengladbach – VfL Wolfsburg 3:0 (3:0) (Foto: imago/Jan Huebner)

Borussia Mönchengladbach – VfL Wolfsburg 3:0 (3:0)

Borussia Mönchengladbach – VfL Wolfsburg 3:0 (3:0)

"Das war ein bodenloser Auftritt. Es muss sich jeder hinterfragen, was wir für einen Mist hier gespielt haben." Wolfsburgs Maximilian Arnold war nach dem 0:3 in Gladbach richtig sauer auf sich und seine Teamkollegen.

Auf Gegenspieler Raffael und den Schiedsrichter allerdings auch, weil Letzterer eine Tätlichkeit von Ersterem gegen Arnold übersehen hatte. Der schäumte: "Wir haben gefühlt 50 Millionen Zuschauer, wir haben einen Video-Schiedsrichter. Wo sind die alle? Wenn man das nicht sieht, weiß ich nicht, wo die Tomaten liegen."

Trotz akuter Abstiegsgefahr ganz entspannt: Wolfsburgs Sportdirektor Olaf Rebbe. Der ließ wissen: "Ich sehe das Gerüchte-Bingo mit einem Lächeln. Ich habe angeblich schon drei- oder viermal meinen Rücktritt angeboten und bin schon drei- oder viermal entlassen worden. Aber ich stehe immer noch hier." Korrekt: noch. Zuletzt wurde Horst Heldt als sein Nachfolger in Wolfsburg gehandelt.

Für ein Kuriosum sorgte Gladbachs Christoph Kramer mit einem schlitzohrigen Freistoßtor. "Ich habe den Schiri gefragt, ob er anpfeifen will. Da hat er gesagt: Nö, der Ball ist frei. Da habe ich zu den Jungs gesagt: Weg, weg, weg."

Also schoss Kramer, während Wolfsburgs Keeper Koen Casteels noch seine Mauer stellte, es war das 3:0. "Bei Freistößen herrscht das typisch deutsche Beamtentum: Der Ball steht still, alle orientieren sich erstmal. Dabei kann man doch einfach mal schnell spielen", freute sich Kramer hinterher über den Treffer.

Erfreut und überrascht war auch Gladbach-Coach Dieter Hecking, der das Tor gar nicht live mitbekam. "Ich habe gesehen, dass Kramer sich den Ball hinlegt. Da habe ich nicht mehr hingeschaut. Weil ich dachte: Die anderen werden schon dafür sorgen, dass er weggeht. Ich hoffe nur, dass Chris jetzt nicht meint, er dürfe alle Freistöße schießen."

RB Leipzig – 1899 Hoffenheim 2:5 (0:3)

"Das war ein lauer Sommerkick von uns, das hat mir nicht gefallen." Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann war nach dem berauschenden Schützenfest seines Teams in Leipzig zu Ironie und Scherzen aufgelegt.

Ganz ironiefrei fiel die Wutrede von RB-Coach Ralph Hasenhüttl an sein Team aus: "Wir haben vielleicht ganz nette individuelle Qualität, aber insgesamt als Mannschaft nicht die Qualität, um dort oben zu bestehen." Er stellte nach der zweiten Heimklatsche in Folge die Grundsatzfrage: "Ich möchte den Charakter der Mannschaft sehen. Den Charakter der Zuschauer habe ich heute gesehen."

Ebenfalls komplett spaßbefreit: das Fazit von RB-Sportdirektor Ralf Rangnick aus. Der vertagte nicht nur die Vertragsgespräche mit Hasenhüttl, sondern bilanzierte nach den jüngsten Pleiten (1:4, 2:5, 2:5) schonungslos: "14 Gegentore, zwei von den drei Spielen waren Heimspiele, da brauchst du noch nichtmal Fußball-Fachmann zu sein, um zu sagen und zu sehen, wo der Hebel anzusetzen ist."

Hamburger SV - SC Freiburg 1:0 (0:0)

"So, die Lusche ist da, auf geht's." HSV-Siegtorschütze Lewis Holtby war bester Dinge, als er sich den wartenden Journalisten stellte. Unter diesen befand sich auch jener "Bild"-Reporter, der Holtby einst als "Lusche" tituliert hatte.

Was Holtby davon hält, stellte er auch gleich klar: "Wenn ich trainieren und spielen würde wie eine Wurst, dann würde ich auch auf der Tribüne sitzen." Stattdessen spielte er und erzielte sein drittes Tor in den letzten vier Spielen, das dem HSV wieder Hoffnung auf ein Wunder schenkt.

Möglich war das, weil hinten HSV-Keeper Julian Pollersbeck die Freiburger verzweifeln ließ. "Manchmal bekommt man im Fußball etwas mehr aufs Tor. Dann ist es meine Aufgabe, die Bälle zu halten", erklärte HSV-Held Nr. 2 aber ganz bescheiden.

Völlig uneuphorisch waren die Freiburger. "Ich sage nichts mehr nach Schalke. Das ist besser so. Es ist alles okay, das müssen die Leute verantworten, die es tun. Sollen die Leute machen, was sie tun", resignierte SC-Trainer Christian Streich, der sein Team erneut benachteiligt sah - und damit falsch lag.

Borussia Dortmund - Bayer Leverkusen 4:0 (1:0)

"Auch ich erkenne manchmal ein paar Sachen." BVB-Trainer Peter Stöger nach der Gala gegen Leverkusen auf die Frage, ...

... ob er die kritischen Fan-Plakate vor Spielbeginn gesehen habe. Tatsächlich war Stöger das 35-Meter-Banner nicht entgangen.

Auf einem anderen Plakat war zu lesen: "Den Stellenwert des Derby nicht verstanden. VERSAGER!" Kommentar von BVB-Profi Julian Weigl: "Das ist das Recht der Fans." Der Mittelfeldspieler berichtete, dass auch die Gala die Risse zwischen Fans und Team nicht vollends kitten konnte: "Als wir hingegangen sind, hat man uns bedeutet, dass wir wieder gehen können. Da war der Zorn wohl noch da."

Nicht einmal im Kader gegen Leverkusen stand BVB-Kapitän Marcel Schmelzer. Grund für das laut Stöger "sportliche Statement" war die schwache Leistung gegen Schalke. "Wir brauchen jeden, auch den Kapitän", betonte Stöger zwar nach der Gala gegen Leverkusen. Er sagte aber auch: "Wenn die Mannschaft so spielt, wird es für ihn nächste Woche nicht leicht."

Gefeiert wurde vom BVB-Anhang hingegen ein Leverkusener: Sven Bender, der vor seinem Wechsel zu Bayer acht Jahre lang für Dortmund gespielt hatte - und der staunte: "Ich bin noch nie nach einer solchen Packung in die Kurve gegangen und habe mich feiern lassen. Das war sehr schön."

Eintracht Frankfurt - Hertha BSC 0:3 (0:0)

Mit klar vernehmbaren Pfiffen wurde Frankfurts Noch-Coach Niko Kovac bei seinem ersten Heimspiel seit Bekanntgabe seines Wechsels zum FC Bayern empfangen - und offenbarte anschließend selektive Taubheit, denn: "Ich habe nichts gehört."

Eine selektive Wahrnehmung hatte Kovac auch vor dem Elfmeter für Hertha, der die Frankfurter Heimklatsche einleitete. Denn Kovac fand: "Der Videobeweis ist wichtig und richtig. Aber heute hat der Schiedsrichter danebengelegen."

Kovacs Noch-Chef Fredi Bobic assistierte und behauptete: "Da mussten selbst ein paar Herthaner um mich herum schmunzeln, dass der Elfmeter gegeben wurde." Fürs Protokoll sei deshalb vermerkt: Der Elfmeter war völlig berechtigt.

Weil die Berliner nach dem verwandelten Strafstoß noch zwei Tore nachlegten, versöhnten sie auch ihren Coach Pal Dardai mit der Partie. Dem war das bescheidene Spielniveau vor der Pause nämlich nicht entgangen: "Die erste Halbzeit war für die Augen nicht die schönste."

VfB Stuttgart - Werder Bremen 2:0 (1:0)

"Gentner ist der Unverzichtbarste. Ein Kapitän des Teams und des ganzen Clubs." Anders als in Dortmund hält man den Kapitän in Stuttgart für essentiell im Mannschafts- und Vereinsgefüge. Die Lobrede stammt von Mario Gomez.

Zuvor hatte Christian Gentner den Sieg mit dem wichtigen 1:0 eingeleitet, nach dem Spiel fand er selbst: "Schöner Zufall, dass ich mit dem Kopf getroffen habe." Nach einer schweren Gesichtsverletzung in der Hinrunde mit mehreren Brüchen trägt Gentner immer noch eine Schutzmaske, die ihn aber nicht am erfolgreichen Köpfeln hindert.

Durch den Erfolg hat Stuttgart den Klassenerhalt sicher - was Retter-Trainer Tayfun Korkut aber nicht mit dem obligatorischen Stiefel Bier feiern mochte: "Bei mir hat sich der Stiefel ein Stück weit geändert zu einem Glas Rotwein."

Hannover 96 - FC Bayern 0:3 (0:0)

"Die Bayern sind mit Real Madrid das beste Team in Europa. Welches Team das beste ist, wird man am Mittwoch sehen." Hannovers Kapitän Pirmin Schwegler freut sich durchaus auf das Champions-League-Halbfinale zwischen Münchnern und Madrilenen.

Neben Punkten sammelten die Münchner in Hannover durch Präsident Uli Hoeneß auch weitere Antipathiepunkte. Hoeneß antwortete nämlich auf die Frage, ob es für Real ein Vorteil sei, dass die Mannschaft am Wochenende kein Spiel hatte, recht respektlos: "Wir gehen ja auch mit einer Pause ins Spiel. Heute war Pause."

Bei den Hannoveranern verkniff man sich eine Bobic'sche Replik, sondern erstarrte in ehrfürchtiger Demut. H96-Coach Andre Breitenreiter etwa sagte über den Münchner Kader: "Das ist von der Nummer 1 bis zur Nummer 30 einfach überragend."

Beim Pausenkick in Hannover durfte der 18-jährige Lukas Mai für den FC Bayern debütieren - und zeigte eine makellose Leistung, lobte Bayern-Coach Jupp Heynckes: "Ich habe ihm gesagt, er darf Fehler machen. Aber er hat keine gemacht."

1. FC Köln - FC Schalke 2:2 (1:2)

Mit einem Flatterfreistoßtraumtor rettete Marcel Risse dem 1. FC Köln noch einen Punkt gegen Schalke - und sagte hinterher: "Es war das traurigste Tor meiner Karriere." Denn der Zähler war nur ein Trostpunkt, im Kampf um den Klassenerhalt scheint er zu wenig. Drei Spieltage vor Schluss liegt Köln acht Punkte hinter dem Relegationsplatz - und braucht damit ein Fußballwunder zur Rettung.

Trotzdem war Noch-Coach Stefan Ruthenbeck stolz auf sein Team: "Die Mannschaft identifiziert sich mit dem Verein zu 100 Prozent. Wir haben bis zur letzten Sekunde alles gegeben, das haben die Fans honoriert. Wir haben keine Söldner-Truppe. Wir müssen zwar noch dreimal gewinnen, aber wir sind immer noch nicht abgestiegen."

"Die ganze Seite ist komplett dick. Aber ich glaube, der Pfosten hat mehr abbekommen als ich." Kölns Abwehrspieler Dominique Heintz auf die Frage nach den Folgen seines Zusammenpralls mit dem Pfosten, dem er beim Schalker 1:0 nicht mehr ausweichen konnte.

"Unsere Spielweise im ersten Durchgang war zwar gut, aber arroganter kann man nicht spielen. Fahrlässiger kann man mit den Torchancen nicht umgehen." Schalke-Coach Domenico Tedesco tobte nach dem Schlusspfiff, nachdem sein Team wie in der Hinrunde ein 2:0 gegen den Tabellenletzten verspielt hatte.

FC Augsburg - FSV Mainz 2:0 (1:0)

Den Klassenerhalt hat der FC Augsburg sicher, damit geht er in der kommenden Saison in seine achte Bundesliga-Spielzeit.

"Ich freue mich sehr, dass wir das Ziel erreicht haben. Wir hätten uns das Leben heute ein bisschen einfacher machen können, wenn wir schon früher das 2:0 gemacht hätten. Aber es ist ein Tag, an dem wir feiern können", sagte FCA-Coach Manuel Baum, nachdem er nochmal kurz die Erstliga-Saisons nachgezählt hatte: "Drei Spieltage vor Schluss die Klasse zu erhalten, ist nicht selbstverständlich."

Gedrückte Stimmung herrschte bei den Mainzern und Coach Sandro Schwarz, denn: "Es war eine verdiente Niederlage. Wir haben vor der Pause viele Dinge unsauber gespielt. In der zweiten Halbzeit hatten wir viel Ballbesitz, ohne zwingend zu werden. Das war das Manko." Und das könnte angesichts des schweren Restprogramms mit Spielen gegen Leipzig, Bremen und Dortmund noch teuer werden.

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