Technik

Eine kurze GeschichteKlammeraffe und verrücktes A

13.01.2007, 13:27 Uhr

Der südamerikanische Affe mit Klammerschwanz der Gattung Ateles hat sich so sehr im deutschen Sprachgebrauch eingebürgert, dass wir gar nicht mehr an das Tier denken: den Klammeraffen.

Von n-tv-Korrespondent Ulrich W. Sahm, Jerusalem

Der südamerikanische Affe mit Klammerschwanz der Gattung Ateles hat sich so sehr im deutschen Sprachgebrauch eingebürgert, dass wir gar nicht mehr an das Tier denken: den Klammeraffen. Der kleine Kringel zwischen Name und Domain bei den Emails hat eine lange Geschichte und weltweit sehr ulkige Namen hervorgebracht. Im Eingeweide der Computer wird das Zeichen übrigens hexadezimal als „&#x0040“ abgespeichert. Dieses „At-Zeichen“ könnte aus dem lateinischen „ad“ (hinzufügen) stammen, wurde angeblich von Kaufleuten als Abkürzung für Amphoren verwendet.

1555 stand der „Klammeraffe“ auf der iberischen Halbinsel für das arabische Maß „Aroba“, etwa 15 Liter und wurde mit dem Zeichen „@“ dargestellt. Ar-Roub bedeutet „ein Viertel“ und bei Viehhändlern auch als Gewichtsbezeichnung (etwa 10 Kilo) verwendet. In der spanischen Welt wird deshalb auch bei der Email auf Arabisch von „Aroba“ geredet. Die Araber jedoch verwenden das lateinische „at“, ausgesprochen „ät“. Deutsche Reichskammergerichte im 18. Jahrhundert verwendeten das Symbol so wie wir heute vs (also versus) schreiben, etwa beim Prozess von Meier contra Müller, oder eben auch „Meier @ Müller“.

Auf alten Schreibmaschinen gab es noch das Sonderzeichen „@“ für Contra. Doch verschwand es, bis es wieder auf den Computer-Tastaturen auftauchte, allerdings an unterschiedlicher Stelle. Wer eine englische Tastatur besitzt, benutzt die Taste für Großbuchstaben (Shift) und drückt dann die „2“, da wo im Deutschen das Anführungszeichen sitzt. Bei der deutschen Tastatur muss man für das so notwendige Zeichen bei Email-Adressen die Finger ziemlich verrenken und gleichzeitig rechts unten „Alt-Gr“ drücken und links oben das „Q“.

In England gab es das Zeichen schon ab 1880 auf Schreibmaschinen, allerdings um einen Geldwert darzustellen: „five apples at 10 pence“

Die Email wurde erst 1971 im Arpanet erfunden. Da musste im amerikanischen Buchstabensatz für Telexmaschinen (ASCII) ein vorhandenes, aber kaum benutztes Zeichen ausgewählt werden, um den Benutzernamen vom Rechnernamen zu trennen. Der 1941 geborene Raymond S. Tomlinson entwickelte die Email übrigens im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums. Auf seiner Homepage http://openmap.bbn.com/~tomlinso/ray/home.html beschreibt er, wie er dazu gekommen ist.

Köstlich sind die Umschreibungen dieses bislang fast unbekannten Zeichens in den verschiedenen Sprachen. Im Deutschen reden wir von „ät“ oder vom Klammeraffen. Die Bulgaren verwenden das „Affen-A“, die Holländer hingegen vom „apenstaartje“ (Affenschwänzchen). Je nach Sprache werden auch andere Tiere herangezogen: Hund (Russisch), Katze oder Katzenschwanz (Finnisch), Wurm (Ungarisch), Schnecke („chiocciola“ auf Italienisch). Aber auch Tierglieder wie Rüssel-A oder Snabel-A (Dänisch) und Rollmops (Tschechisch) sind belegt. Während die Norweger vom Kringel-Alpha reden, denken die Israelis an den Wiener „Strudel“. Weil aber die Akademie für die Hebräische Sprache keine Fremdwörter mag, bestimmte sie als offiziellen Namen „Kruchit“, wie die mit Schokolade oder Zimt gefüllten Hefeteig-Kringel genannt werden. Die treffendste Bezeichnung hat man wohl in Bosnien-Herzegowina gefunden: Verrücktes-A.

Ein kleiner Tipp für jene, die sich vor Spam-Mail schützen wollen. Sie sollten auf ihrer homepage ihre Adresse nicht mit dem Sonderzeichen angeben, sondern lieber als (at) oder ähnlich, denn das „@“ wird leicht identifiziert und dann missbraucht.