Technik

Alternative zum eigenen AutoMitfahrportale im Internet

27.08.2008, 11:07 Uhr

Mitfahrportale im Internet erfreuen sich wegen der steigenden Spritpreise hoher Beliebtheit. Bei einigen Angeboten wird eine Vermittlungsgebühr fällig.

Demnächst muss Felix Herzog wegen eines Jobs von Hamburg nach Köln fahren. Ein eigenes Auto hat er nicht: "Ich nutze eine Mitfahrgelegenheit, die buche ich online." Immer mehr vor allem junge Menschen nutzen die Portale, über die man meist recht spontan an Plätze in Privatautos kommen oder selbst nach Mitfahrern suchen kann - kein Wunder, angesichts der hohen Spritpreise.

"Mitfahrzentralen sind eine gute Alternative zum eigenen Auto", sagt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Für Bahncard-Inhaber, so Herzog, könne der Zug zwar genauso günstig sein. Aber oft lohnt es sich, bei einem der Portale zu suchen. Zudem schonen Fahrgemeinschaften die Umwelt. "Wenn man statt mit dem eigenen Auto zu fahren eine Mitfahrgelegenheit nutzt, wird der CO2-Ausstoß reduziert", sagt Daniel Kluge vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Zahlreiche Angebote

Mitfahrzentrale.de und mitfahrgelegenheit.de sind zwei wichtige Anbieter. Ersterer hatte zuletzt rund 1,2 Millionen registrierte Nutzer, sagt Sprecher Javor Milev. Bei Letzterem waren es 780.000 - Tendenz jeweils den Betreibern zufolge steigend. Weitere Portale sind citynetz-mitfahrzentrale.de, drive2day.de oder mifaz.de.

Auch für Pendler vom Lande gibt es Portale: Hinter pendlernetz.de stehen dieselben Betreiber wie hinter mitfahrzentrale.de. Daneben gibt es etwa frauenfahrgemeinschaft.de. Und Vierbeiner-Halter können unter tier-mitfahrzentrale.de oder mitfahrzentrale-fuer-tiere.de den Transport ihrer Schützlinge in andere Städte verabreden.

Die Anzahl der angebotenen Plätze kann von Portal zu Portal stark variieren. Wer zuletzt bei mitfahrgelegenheit.de für einen Freitag eine Fahrt von Hamburg nach Münster suchte und das drei Tage vorher eingab, erhielt 29 Angebote. Bei mitfahrzentrale.de waren es vier. Manch anderes Portal förderte dagegen keinen einzigen Treffer zutage.

Nutzer können immer Gesuche aufgeben oder nach Angeboten suchen. Felix Herzog durchstöbert lieber Angebote: "Da wird man meistens fündig". Das Suchen ist ebenso wie das Einstellen von Gesuchen meist kostenlos. Wer nur stöbern will, muss sich in der Regel nicht anmelden. "Erst für den, der selbst ein Angebot oder ein Gesuch aufgeben will, ist das Registrieren Voraussetzung", sagt Javor Milev von mitfahrzentrale.de. So halten es die meisten Anbieter.

Teilweise kostenpflichtig

Doch nicht alle Portale vermitteln kostenlos: Bei citynetz-mitfahrzentrale.de etwa wird eine Gebühr fällig, die sich nach der Länge der Strecke richtet. Mitfahrzentrale.de bietet eine "Premium-Mitgliedschaft" an, die 2,99 Euro im Monat kostet. Dann sieht der Nutzer unter anderem die Telefonnummern der Inserenten - in der kostenlosen Variante gibt es nur die E-Mail-Adresse.

Wie so oft existieren auch hier schwarze Schafe. Fragwürdig erscheint etwa die Praxis eines Anbieters, pro Monat 9,90 Euro Gebühren zu verlangen - für ein Jahr im Voraus. Auch ein Blick ins Impressum kann laut Verbraucherschützer Sieverding vor unseriösen Anbietern schützen: "Ist der Firmensitz in Honolulu, sollte man sich einen anderen Anbieter suchen."

Felix Herzog kümmert sich immer erst recht kurz vor dem geplanten Termin um eine Mitfahrgelegenheit - und ist damit bisher im wahrsten Wortsinn immer gut gefahren: "Ein paar Tage vorher sind sogar mehr Angebote da als Wochen vorher. Die meisten wissen gar nicht früher, wann sie fahren wollen." Ist ein Fahrer gefunden, rät der Student, mit ihm grundsätzlich einen genauen Treffpunkt zu vereinbaren.

Kein fester Preis

Über den Preis müssen sich Fahrer und Mitfahrer selbst einigen. Manchmal geben die Fahrer bereits in ihrem Inserat an, wie viel Geld sie für die Strecke haben wollen. Zur besseren Orientierung haben manche Seiten Tarifrechner, die ungefähre Preise ermitteln.

Weder der Fahrer noch der Mitfahrer müssen sich Gedanken über den Versicherungsschutz machen: "Eine Haftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben. Bei einem Unfall gilt die Versicherung des Fahrers auch für alle Mitreisenden", erklärt Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin.