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Sonntag, 15. April 2018

Glücklich mit Lachfalten: Claudia Cardinale, Sexsymbol ohne Starallüren

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1963 war das filmische Schicksalsjahr von Claudia Cardinale. (Foto: imago stock&people)

1963 war das filmische Schicksalsjahr von Claudia Cardinale.

1963 war das filmische Schicksalsjahr von Claudia Cardinale.

Die Regisseure mit den großen Namen rissen sich um die junge, bildhübsche Schauspielerin - vor allem die italienischen Meister.

Es war der entscheidende Abschnitt in der Karriere ...

... der in Tunesien geborenen Schönheit mit dem klingenden Namen Claude Joséphine Rose Cardinale.

Die damals 25-Jährige war auf dem Weg ...

... neben Sophia Loren ...

... und Gina Lollobrigida (r.) in die erste Riege der italienischen Film-Diven aufzusteigen.

Am 15. April 2018 feiert "CC", wie sie - ähnlich wie Brigitte Bardot mit BB - auch genannt wird, ihren 80. Geburtstag.

Cardinale wurde 1938 in Tunis geboren, gewann 1957 dort einen Schönheitswettbewerb und damit eine Reise zu den Filmfestspielen nach Venedig. Dort begann ihr geradezu kometenhafter Aufstieg.

Ihre erste Rolle hatte sie wenig später (1958) in Mario Monicellis "Diebe haben's schwer" ("I soliti ignoti") an der Seite von Stars wie Marcello Mastroianni, Vittorio Gassman und Totò.

Cardinales späterer Ehemann, der Filmproduzent Franco Cristaldi, hatte ihre Karriere bereits in die Hand genommen.

1960 spielte die Italienerin dann in Luchino Viscontis Sozialdrama "Rocco und seine Brüder"; ...

... 1962 war sie die Geliebte des Banditen, gespielt von Jean-Paul Belmondo, in "Cartouche".

1963, in ihrem "Schicksalsjahr", kam es dann Schlag auf Schlag, alle wollten sie auf dem Filmset haben: Sie ließ sich von Federico Fellini (l.) holen für den Gesellschaftsklassiker "Achteinhalb" ...

... und erneut von Visconti (hier beide 1963) ...

... für sein Historien-Epos "Der Leopard" (mit Alain Delon).

Blake Edwards engagierte sie für die erfolgreiche Krimikomödie "Der rosarote Panther".

Das Fundament war gelegt, aus Claudia Cardinale konnte "La Cardinale" oder auch CC werden.

In den Jahren und Jahrzehnten danach war sie schlichtweg der Inbegriff mediterraner Schönheit, eine der begehrtesten Frauen der Welt.

Und das, obwohl sie sich nie vor der Kamera (ganz) ausgezogen hat. Eine Frau sei doch viel erotischer, ...

... wenn nicht alles von ihr gezeigt werde, ...

... damit bleibe mehr Raum für die Fantasie, meinte sie einmal.

Überhaupt gilt die Cardinale bis heute als eine zurückhaltende Frau ohne Skandale - und ohne Starallüren.

Mit der Rolle der jungen Witwe Jill McBain ...

... in Sergio Leones Meisterwerk "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968) schrieb sie Filmgeschichte, ...

... ebenso mit ihrem Auftritt neben Klaus Kinski ...

... in Werner Herzogs "Fitzcarraldo" (1982).

Cardinale steckte voll im internationalen Geschäft, ...

... spielte in italienischen, französischen, US-amerikanischen und britischen Produktionen mit. (1965 mit Rock Hudson)

Meist sah sie dabei hinreißend aus, ...

... auch mit Feuerlöscherschaum bedeckt wie hier in "New York Express" (Blindfold; 1965).

Zusammen mit Sophia Loren (Mitte) ...

... und Gina Lollobrigida (l.) bildete sie das italienische Trio weiblicher Stars - ...

... als Gegenpol zu den französischen Filmschönheiten Brigitte Bardot (r.) und Jeanne Moreau (l.).

Für die Westernkomödie "Petroleum-Miezen" (Les Petroleuses) stand sie 1971 ...

... gemeinsam mit Brigitte Bardot vor der Kamera - BB und CC in einem Film.

Cardinale spielte mit Leinwandpartnern, die sich wie das ABC der Filmgeschichte lesen: Alain Delon war für sie der Schönste, ...

... Sean Connery der Faszinierendste, ...

... Burt Lancaster (Mitte) der Perfekteste ...

... und Cary Grant der Sympathischste.

"Ich habe mich immer gut mit den Männern verstanden", erklärte sie einmal. "Aber ich habe Privatleben und Arbeit stets auseinandergehalten." (mit Alain Delon und dessen Tochter Anouchka, 2010)

Auch dass sie einen Sohn, Patrick, hat, hielt sie lange geheim - er entstammt einer Beziehung der damals 18-Jährigen in Tunis. In ihren Memoiren schrieb Cardinale, die Schwangerschaft sei Folge einer Vergewaltigung gewesen. Die Filmgesellschaft hatte sie jahrelang gezwungen, den Sohn zu verleugnen.

Mit acht Jahren dachte Patrick immer noch, sie sei seine Schwester - erst dann sagte Cardinale ihm die Wahrheit.

1979 wurde ihre Tochter (r.) geboren, die wie sie Claudia heißt; sie ging aus Cardinales Beziehung ...

... zu dem Regisseur Pasquale Squitieri hervor. Sie waren von 1975 bis 2001 ein Paar. Er starb im Februar 2017. Ab August 2018 steht Cardinale im Augusteo-Theater in Neapel in einem Stück von Squitieri auf der Bühne: "Es ist ein Projekt, das Pasquale sehr gemocht hat, ich mache es zum Gedenken an ihn."

In den 1990er-Jahren veredelte Cardinale eine deutsche TV-Produktion: Mit Tobias Moretti spielte sie 1995 in dem ARD-Vierteiler "Mia, Liebe meines Lebens".

Auf der großen Leinwand war Cardinale zuletzt unter anderem 2012 zu sehen in "O Gebo e a Sombra" an der Seite von Michael Lonsdale (hier beide bei den Filmfestspielen in Venedig) ...

... und ebenfalls 2012 an der Seite von Jean Rochefort in "Das Mädchen und der Künstler".

2014 folgte das österreichisch-italienisch-US-amerikanische Drama "Der stille Berg" ...

... und 2016 schließlich "All Roads Lead to Rome" mit Sarah Jessica Parker. Cardinale spielt darin die 80-jährige Mutter des Junggesellen Luca (Raoul Bova, r.).

2017 war Cardinale auf dem Festivalplakat ...

... der 70. Internationalen Filmfestspiele von Cannes zu sehen.

An Preisen hat sie ihrer Ansicht nach genug bekommen: "Der Oscar fehlt mir nicht, das wäre nur eine Statue mehr, mein Haus ist vollgestellt mit Preisen", sagte sie einmal. 1993 bekam sie in Venedig den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk, ...

... 2002 in Berlin einen Goldenen Ehrenbären.

Sie scheint eine zufriedene, entspannte Seniorin zu sein. Teil ihres Geheimnisses ...

... ist vielleicht: Sie blickt nicht zurück.

Ihre alten Filme schaue sie sich zwar gerne bei Festivals und Galas an, erklärte Cardinale im Frühjahr 2016 der römischen Zeitung "Il Messaggero" - privat jedoch nie.

"Ich habe keine Nostalgie nach der Vergangenheit. Ich schaue nach vorne."

Und sie habe kein Problem mit dem Älterwerden. "Ich habe mich nie liften lassen und bin glücklich mit meinen Falten", meinte sie.

Zudem handele es sich größtenteils um Lachfalten. Die Wahrheit sei "die wirksamste Waffe" in der Welt des Kinos. (abe/dpa)

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