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Freitag, 19. Januar 2018

"Hässlich ist das neue Schön": Fashion im Botanischen Garten und im E-Werk

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Gleicht geht's los. (Foto: dpa)

Gleicht geht's los.

Gleicht geht's los.

Momentchen noch, alles muss perfekt sein.

Wie hier bei Lena Hoschek, wo die Designerin selbst Hand anlegt.

Überhaupt war bei der 36-jährigen jungen Mutter alles anders: ...

... Sie zeigte ihre floralen Entwürfe passenderweise im Botanischen Garten.

Mehr ab vom Schuss als in Berlin-Lichterfelde hätte man nicht sein können, ...

... denn der Rest der Fashion Week findet zum größten Teil ja, wie immer, in Berlins fescher, fresher Mitte statt.

Aber der Ausflug lohnt sich - auch sonst, wenn keine Mode gezeigt wird.

Samt ist ein großes Thema bei der Österreicherin ...

... und opulent darf es bei ihr, die ihr Baby dabei hatte, sein.

So schöne Hochzeitskleider macht sie, dass Frauen im Publikum murmeln: "Allein wegen der Kleider würde ich nochmal heiraten."

Das beste Gefühl für Lena Hoschek war aber sicher, dass - neben Mann und Baby mit Schallschutzkopfhörern - nur eine handverlesene Schar von Gästen zwischen Adiantum acrophyllum und Costus cuspidatus (Feuerroter Costwurz) saßen.

Ganz anders sah es da bei Dawid Tomaszewski aus.

Auch hier regieren Samt und Seide, ....

... es flattert und die Farben sind ...

... kräftig.

Dass der Mann mit den polnischen Wurzeln schneidern kann, sieht ein Blinder.

Deswegen zog es auch modewusste Damen wie Ursula Karven (mit bordeauroten Samtboots) ...

... und "Tatort"-Kommissarin Franziska Weisz (r.) in die Eröffnungsshow der Mercedes Benz Fashion Week.

Was sie sahen: die reine Experimentierfreude in tragbarem Gewand.

Der 37-Jährige gehört also vollkommen zu Recht zu Berlins heißesten Modeschöpfern.

Davon überzeugte sich auch Marcel Ostertag (hier beim Kollegen Tomaszewski), der es dieses Jahr etwas kleiner angehen ließ.

Er lud in seinen Laden in die Schlüterstraße. Huch? Auch - wie Lena Hoschek - im Westen? Anscheinend geht da wieder was an der alten Prachtmeile Kurfürstendamm. "Ja, ich bin irgendwie Charlottenburg", lacht der 38-Jährige, der aus München nach Berlin gezogen ist und bei dem sich auch sonst vieles verändert hat.

Was sich nicht verändert hat, ist Ostertags Liebe zum Detail und seine Zusammenarbeit zum Beispiel mit dem Schuh-Giganten Tamaris.

Doch genau vor einem Jahr hatte er angekündigt, es etwas langsamer angehen zu lassen: "Alle hetzen ständig. Ich mache Schluss mit Fast Fashion, ihr könnt meine Klamotten kaufen, wenn ihr sie auch braucht. Also Sommerstyles im Frühling und Winterstyles Anfang Herbst." Wie wohltuend er sich damit absetzt von einigen Kollegen und auch Modeketten, ...

... davon kann man sich in seinem kleinen, aber feinen Laden überzeugen. Die Chancen, den Meister selbst anzutreffen, sind groß - er wohnt in der Nähe.

Bei Riani hieß es einmal mehr: Wer drin ist, der "in" ist. Naja, aber vor allem im Warmen und Trockenen. Denn draußen goss es in Strömen.

Schade für viele Promis und andere, sie verpassten die - überbuchte - Show und den Sänger Bausa, der ...

... seinen Hit "Was du Liebe nennst" sang.

Auf der Aftershowparty waren alle - wie hier Nova Meierhenrich - aber wieder versöhnlich drauf ...

... und überlegten bereits, welches der extrem tragbaren Stücke aus der ...

... Kollektion man denn am schönsten fand.

Und natürlich, Berlin wäre nicht Berlin, wenn es nicht auch ein paar Geschichten abseits des roten Teppichs zu berichten gäbe.

Die nackten Tierschützer beispielsweise, die zu großen Teilen sicher recht haben mit ihren Forderungen und Ansichten.

Oder Harald Glööckler ...

... and friends. Was wären wir nur ohne sie?

Das Zelt am Brandenburger Tor gibt es längst nicht mehr, alles wirkt eine Nummer kleiner.

Mehr Mode, weniger Show. Und dennoch: ...

... Sponsor Mercedes-Benz, der seit 2007 zweimal im Jahr einen Teil der Modewoche ausrichtet, hat seinen Schauenplan eingedampft und einen neuen Ort gefunden. Das E-Werk hat noch genug Industriecharme, um als berlintypisch durchzugehen. (Foto: Nik Xhelilaj)

Die Fashion Week soll zugänglicher werden: Für alle, die nicht auf der Gästeliste stehen, gibt es ein paar Karten zu gewinnen.

Bei einer Show raunt eine Zuschauerin: "Es gab Zeiten, da war Boris Becker da." Das ist eine beliebte Klage bei der Fashion Week: zu wenige Promis.

Ja ja, früher war mehr Lametta.

Ist aber auch eine Definitionssache, dieses Promi-Ding.

In der ersten Reihe sitzt oft und gern Rolf Scheider, der früher Juror bei "Germany's Next Topmodel" war. Er schätzt, dass er in seinem Leben schon 2400 Modenschauen gesehen hat. "Berlin hat sehr gute Designer", sagt er. Für ihn muss Mode nicht teuer sein. Sein eigenes Outfit habe nicht mehr als 150 Euro gekostet. Gucci und anderes "Tralala", das brauche er nicht. "Du musst dich öffnen für die Mode."

Blogger sind passé. Heute sitzen "Influencer" im Publikum, ...

... die durch ihre Internet-Posts mit vielen Bildern oder Videos Einfluss haben, was für Werbung und Modefirmen interessant ist.

Riccardo Simonetti ist einer davon. Als Blogger wurde er in den Shows hinten platziert, als Influencer sitzt er heute vorne.

Seine Trendprognose für den nächsten Winter: unifarbene Ski-Anzüge und voluminöse Kunstfelljacken.

Letztere sollte man "mit möglichst wenig Stoff drunter tragen", empfiehlt Simonetti.

Das E-Werk ist nicht der einzige Schauplatz. Im "Berliner Salon" im Kronprinzenpalais stellen Trendsetter wie Perret Schaad, ...

... Marina Hoermanseder ...

... und William Fan ihre Kollektionen vor.

Bei den Messen gibt es einen großen Ansturm, wie Anita Tillmann sagt. Die Geschäftsführerin der Premium-Gruppe ist für vier Messen verantwortlich und kennt die Trends. Überall werden Logos zu sehen sein. Auch die Mischung aus Sportlichem und Fashion bleibt beliebt ("Athleisure").

Und: "Hässlich ist das neue Schön." Das gilt laut Tillmann für "Statement-Items". Das sind Stücke, die bewusst als Hingucker gewählt werden, so wie klobige Schuhe.

Müssen aber nicht klobig sein, die Schuhe.

Selbst in Berlin nicht. (soe)

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