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Donnerstag, 06. Oktober 2016

Black Muslims, Gangs, Mode, Rassentrennung: Gordon Parks, der schwarze Ausnahmefotograf

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Gordon Parks war einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Er dokumentierte ab 1940 ... (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Gordon Parks war einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Er dokumentierte ab 1940 ...

Gordon Parks war einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Er dokumentierte ab 1940 ...

... die US-Kultur, den Alltag, die Rassendiskriminierung, die Bürgerrechtsbewegung, ... (Rassentrennung an einem Trinkbrunnen, Mobile, Alabama, 1956)

... aber auch Modeaufträge nahm er an. (Mütze mit Schmuckstein, Malibu, Kalifornien, 1958)

Parks erhielt für seine Arbeit unzählige Auszeichnungen, wie die National Medal of Arts 1988 (hier überreicht von US-Präsident Ronald Reagan). Parks war auch ...

... als Autor, Komponist und Filmemacher tätig - vielen Menschen ist er am ehesten bekannt durch seinen "Blaxploitation"-Film "Shaft". Damit schuf er 1971 den ersten afroamerikanischen Kinohelden.

Parks war der erste schwarze Regisseur, der in Hollywood Erfolg hatte.

Eine der weltweit bekanntesten Aufnahmen des 2006 verstorbenen Multitalents ist "American Gothic" von 1942 - sie ist derzeit ...

... im C/O Berlin in der Ausstellung "Gordon Parks - I Am You; Selected Works 1942-1978" zu sehen. Sein Porträt der Putzfrau Ella Watson in einem Gebäude der Farm Security Administration (FSA) in Washington D.C. erschien auf der ersten Seite der "Washington Post". Watson brachte das Foto neben dem Ruhm die Entlassung - es war der Behörde zu viel der Anklage.

Parks machte sich nach der Arbeit für die FSA selbstständig, ... (Drugstore Cowboys, Turner Valley, Kanada, 1945)

... arbeitete für Modezeitschriften, ... (Models mit Jungshaarschnitt, New York 1949)

... aber auch an gesellschaftskritischen Themen ... (Kinder mit Puppe, Washington D.C. 1942)

... wie etwa an einer Fotoreportage über einen Bandenführer in Harlem. (Bandenmitglied mit Ziegelstein, Harlem, New York, 1948)

Das positive Echo auf diese Reportage brachte "Life", die damals weltgrößte Illustrierte, dazu, Parks als ersten Afroamerikaner als Fotografen und Textautoren ab 1948 fest einzustellen. (Harlem, New York, 1948)

Vorher (1944-48) hatte er schon für "Vogue" gearbeitet, wie auch später wieder. (Veruschka für "Vogue", 1965)

Im Frühjahr 1949, nach einer Modereportage für "Life", bekam Parks einen ganz besonderen Auftrag. Beeindruckt von seiner Arbeit über die Bandenkriege in Harlem ... (Allein unterwegs, Harlem, New York, 1948)

... baten Roberto Rossellini und Ingrid Bergman ihn um einen Besuch auf Stromboli. Der italienische Regisseur und der schwedische Filmstar steckten gerade in einem internationalen Presseskandal - er betrog mit Bergman seine Frau und seine Freundin, die Schauspielerin Anna Magnani; Bergman hatte für ihn Mann und Kind verlassen. (Ingrid Bergman auf Stromboli, 1949)

Reporter umzingelten beide auf Stromboli auf der Jagd nach Fotos, aber nur Parks durfte sie begleiten und Aufnahmen machen - seine Fotos waren dann auch diskret und respektvoll. (Kontaktabzüge, Ingrid Bergman auf Stromboli, 1949)

Auch Marilyn Monroe hielt er für "Life" fest ... (White Plains, New York, 1956)

... und Stars wie Barbra Streisand (1959), ...

... Gloria Vanderbilt (hier in einem Kostüm für Molnars Theaterstück "Der Schwan", 1954) ...

... und Duke Ellington (beim Anhören einer Aufzeichnung, Los Angeles, 1960) wurden von ihm meisterhaft porträtiert.

Gordon Parks war enorm vielseitig - nicht nur in seinem Stil, auch in seinem Werk. Er war in allen Bevölkerungsschichten unterwegs - er fotografierte weiße Farmer, ... (Jacob Rorher und seine Töchter, Coateville, Pennsylvania, 1946)

... weiße Models in den USA und anderen Ländern, ... (New York, 1956)

... in Armenvierteln ... (Harlem, New York, 1967)

... und in der schwarzen Mittelschicht. (Ehepaar am Sonntagvormittag, Detroit, Michigan 1959)

Die Tatsache, dass er selbst schwarz war, verschaffte ihm leichter Zutritt zu diesem Teil der Bevölkerung. (Mr. und Mrs. Albert Thornton, Mobile, Alabama)

Daher wurde er von den Redaktionen der Zeitschriften auch oft mit diesen Themen beauftragt, sei es mit der Arbeit über die Gangs von Harlem, zur Rassentrennung in den Südstaaten ... (Shady Grove, Alabama, 1956)

... oder über die Bewegung der "Black Muslims". (Kundgebung Black Muslims, Harlem, New York, 1963)

Nach dem Busboykott von Montgomery im Jahr 1955 wurde Parks von "Life" nach Alabama geschickt. (Shady Grove, Alabama, 1956)

Er sollte dort die angespannte Situation zwischen weißen und schwarzen US-Amerikanern dokumentieren. (Eingang für Farbige, Kaufhaus, Mobile, Alabama, 1956)

Parks fotografierte dort unter anderem die schwarze Familie Causey zu Hause und bei der Arbeit. (Mobile, Alabama, 1956)

Nachdem der Bericht über die Causeys am 24. September 1956 in "Life" erschienen war, war die Familie großen Repressalien ausgesetzt. (Shady Grove, Alabama, 1956)

Sie flog aus dem Haus, verlor Hab und Gut. Gordon Parks sorgte dann dafür, dass die Causeys von "Life" Mittel für einen Neubeginn erhielten. (Ondria Tanner und ihre Großmutter beim Schaufensterbummel, Mobile, Alabama, 1956)

Parks' Portfolio umfasste auch eindrucksvolle Dokumentarfotos, wie etwa die Aufnahmen in Haftanstalten ... (San Quentin, Kalifornien, 1957)

... oder wie die eines Opfers einer Schießerei im Leichenhaus von Cook County (1957).

Im Jahr 1961 schickte "Life" Parks nach Rio de Janeiro, um die Armut in Lateinamerika zu dokumentieren. Besonders in den Armenvierteln von Rio waren Krankheit, Unterernährung und Tod allgegenwärtig. (Die Familie beginnt den Tag, Rio de Janeiro, 1961)

Parks, doch bereits mit Armut und Elend vertraut, war schockiert: "Elendsviertel in Harlem, New York, an der South Side von Chicago … scheinen harmlos im Vergleich. Keines davon hat mich auf … die Favela Catacumba vorbereitet", so Parks 1990 in "Voices in the Mirror". (Isabel da Silva, Rio, 1961)

In der Favela hatte er Flavio da Silva getroffen, einen abgemagerten Jungen, der für ihn die unmenschliche Härte der Armut verkörperte - er beschloss, ihn und seine Familie zu porträtieren. Den täglichen Kampf ums Überleben, ihre armselige Hütte, in der sie mit acht Kindern hausten, die Mutter bereits mit dem neunten schwanger. (Flavio da Silva, Rio, 1961)

Flavio da Silva (hier 1996 mit einer Ausgabe von "Life" von 1961, er auf dem Cover) litt an Bronchialasthma und hatte nur noch ein Jahr zu leben. Parks wollte das als Titelgeschichte bringen, "Life" jedoch nur ein Foto abdrucken. Daraufhin drohte Parks mit Kündigung - "Life" brachte es schließlich auf 12 Seiten mit dem Titel "Armut: Der schreckliche Feind der Freiheit". Innerhalb eines Monats spendeten Leser 30.000 US-Dollar für eine neue Wohnung für die Familie und die Arztkosten von Flavio.

Ganz im Sinne von Parks, der sich geschworen hatte, seine Kamera als "Waffe gegen Armut und Rassismus" einzusetzen. Im August 1963 dokumentierte er so auch den "Marsch auf Washington", ...

... eine politische Demonstration der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Mehr als 200.000 Menschen versammelten sich vor dem Lincoln Memorial in Washington ...

... und Martin Luther King hielt seine legendäre Rede "I have a dream".

Da die Bürgerrechtsbewegung Anfang der 60er in den USA an Einfluss gewann, versuchte "Life" auch an die "Black Muslim"-Organisation heranzukommen - und schickte Parks, denn weiße Journalisten waren mit Interview-Anfragen gescheitert. (Malcolm X zeigt eine Zeitung der Black Muslims, Chicago 1963)

Es gelang Parks, sich mit Malcolm X zu treffen, dem bekanntesten (und militantesten) Mitglied der Organisation. Dabei entstand ... (Malcolm X bei einer Kundgebung, Chicago 1963)

... eine der einflussreichsten Reportagen von Parks - und ein beeindruckendes Porträt der muslimischen Schwester Ethel Sharieff. (Chicago, 1963)

Das Porträt von Muhammad Ali nach einer Trainingseinheit gehört zu seinen bekanntesten Arbeiten. (Miami, Florida, 1966)

Parks hielt auch fest, wie das Box-Idol jungen Fans Autogramme gab. (Miami, Florida, 1970)

Obwohl sich Parks in erster Linie als Bildjournalist einen Namen machte, war er auch ein gefragter Modefotograf. "Seine Bereitschaft, Modeaufträge anzunehmen, öffnete ihm wiederholt die Tür zu neuen Möglichkeiten", heißt es dazu in der Ausstellung.

Schon bei seinen Aufnahmen für die Ausgabe "Paris Fashions" vom April 1949 bewies Parks ...

... sein Gespür für Stil und Eleganz. Er experimentierte auch ...

... mit abstrakter und halbabstrakter Farbfotografie und mit ausgefallenen Perspektiven. (Hautenger Anzug, Malibu, Kalifornien, 1958)

Das alles ohne jede künstlerische Ausbildung - Parks brachte sich fast alles selbst bei. Er wurde 1912 als jüngstes von 15 Kindern ... (Ohne Titel, 1967)

... in Fort Scott, Kansas, geboren. Seine Mutter starb, als er 15 war, sein Vater hielt sich und die Familie mehr schlecht als recht als armer Kleinbauer und Gelegenheitsarbeiter über Wasser. (Junge mit Junikäfer, Fort Scott, Kansas, 1963)

Gordon Parks musste sich schon in jungen Jahren selbst durchschlagen. Seine erste Kamera kaufte er mit hart erspartem Geld mit 25 in einem Leihhaus. (Junge beim Karneval, Fort Scott, Kansas, 1963)

Neben der Fotografie drehte Parks später zudem Filme - neben den bekannten Werken "Shaft" und "The Learning Tree" auch sozialkritische Dokumentationen. Wie auch bei seinen Bildreportagen war Parks hier ein guter Geschichtenerzähler.

Im C/O Berlin sind von ihm nun etwa 180 Fotografien mit Vintageprints, Kontaktbögen, Magazinen und Filmen zu sehen.

Die Ausstellung "Gordon Parks - I Am You" läuft noch bis zum 4. Dezember 2016 im C/O Berlin, im Amerikahaus direkt am Bahnhof Zoo. Danach ...

... wandert sie nach Amsterdam ins FOAM, nach München ins Kunstfoyer und nach Frankfurt/Main in die Ausstellungsräume der Deutsche Börse Group. (Text: Andrea Beu, mit Informationen von C/O Berlin)

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