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Sonntag, 28. Oktober 2018

Erdogans Megaprojekt: Der Flughafen der Superlative geht in Betrieb

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Der neue Flughafen "Istanbul Yeni Havalimani" ist das Lieblingsprojekt von Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Er soll die "neue Türkei" symbolisieren. Am 29. Oktober, dem türkischen Nationalfeiertag, geht er nach nur vier Jahren Bauzeit ans Netz. (Foto: igairport)

Der neue Flughafen "Istanbul Yeni Havalimani" ist das Lieblingsprojekt von Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Er soll die "neue Türkei" symbolisieren. Am 29. Oktober, dem türkischen Nationalfeiertag, geht er nach nur vier Jahren Bauzeit ans Netz.

Der neue Flughafen "Istanbul Yeni Havalimani" ist das Lieblingsprojekt von Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Er soll die "neue Türkei" symbolisieren. Am 29. Oktober, dem türkischen Nationalfeiertag, geht er nach nur vier Jahren Bauzeit ans Netz.

Am neuen Drehkreuz am Bosporus sollen künftig auf einer Fläche von 76 Quadratkilometern bis zu 200 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden.

Der neue Flughafen soll damit nach Passagierzahlen der größte der Welt werden. Zum Vergleich: Den Frankfurter Flughafen nutzten 2017 "nur" rund 65 Millionen Fluggäste, das ist ein Drittel des geplanten Passagieraufkommens in Istanbul.

Von Anfang an war das Megaprojekt Chefsache. Erdogan saß Ende Juni im allerersten Passagierflugzeug, das auf dem Rollfeld landete. Zu dem Zeitpunkt drohten die Bauarbeiten im Chaos zu versinken.

Der kolossale Flughafen am Schwarzen Meer ist fast dreimal so groß wie der Berliner Flughafen BER, wurde aber in einem Drittel der bisherigen Bauzeit des BER fertiggestellt. Einen verlässlichen Eröffnungstermin gibt es für den Berliner Airport immer noch nicht.

Das bedeutet aber nicht, dass es auf der Baustelle in Istanbul weniger gerumpelt hätte. Der Druck auf die Bauherren und die Arbeiter war immens.

Umweltschützer kritisierten, dass Istanbuls grüne Lunge vernichtet wurde. Wegen des Standorts - im Norden der Stadt - musste ein Waldgebiet zerstört werden, in dem sich auch wichtige Trinkwasser-Reservoirs befinden.

Menschenrechtler und Gewerkschafter kämpften dagegen, dass Bauern enteignet wurden und dass die Arbeitsbedingungen - nach ihren Worten - einem "Sklaven- oder Todeslager" ähnelten.

Trotz aller Proteste waren die Verzögerungen am Ende minimal. Am Eröffnungstermin am 29. Oktober hielt die Regierung fest. Der steigende Druck auf der Baustelle hatte allerdings einen hohen Preis.

Nach Gewerkschaftsangaben starben 400 Menschen während der Bauarbeiten. Auch Amnesty International schätzt die Zahl der Toten auf Hunderte. Die Regierung räumte lediglich 30 Todesfälle ein.

Ungeachtet aller Rückschläge werden am neuen Istanbuler Flughafen ab November Passagierflieger starten und landen.

Die ersten Maschinen fliegen türkische Städte sowie Aserbaidschan und Nordzypern an.

Auch wenn Erdogan sich für sein kolossales Projekt am Eröffnungstag feiern lassen wird, auf 100 Prozent wird der Flughafen so schnell dann doch nicht hochfahren können. Der komplette Umzug vom bisherigen Flughafen Atatürk verzögert sich um zwei Monate. Er soll jetzt erst bis Ende 2018 etappenweise passieren. Alle Fluggesellschaften werden also vorerst auch von den beiden bisherigen Flughäfen Atatürk und Sabiha Göcen aus starten und landen.

Erdogans Vision ist, dass die türkische 16-Millionen-Einwohner-Metropole am Bosporus künftig zu einem der wichtigsten Luftdrehkreuze zwischen Europa, Asien und den arabischen Ländern wird. Insgesamt sechs Landebahnen stehen zur Verfügung.

Die Turkish Airlines soll damit einen Wettbewerbsvorteil bekommen. Sie hat in der vergangenen Zeit bereits ihr Streckennetz massiv ausgeweitet. In Zukunft könnte sie auch deutschen Fluggesellschaften wie der Deutschen Lufthansa Konkurrenz machen.

Verlässliche Angaben zu den Kosten des Riesenprojekts gibt es interessanterweise nicht. Offiziell heißt es, der Airport habe bislang 10,5 Milliarden Euro gekostet. Laut airliners.de soll Erdogan in der Planungsphase des Flughafens 2015 allerdings eine Gesamtsumme von bis zu 32 Milliarden Euro genannt haben.

Im September, kurz vor der offiziellen Eröffnung des Großflughafens, konnten sich bereits erste Schaulustige auf der Landebahn tummeln.

Eine Gruppe der Luftwaffe Turkish Air Force flog an diesem Tag für das Publikum Pirouetten und zeichnete die türkischen Nationalfarben in den Himmel. Je mehr Spektakel, desto besser für Erdogan: Es lenkt perfekt von seinen politischen Problemen ab. Und es demonstriert den internationalen Investoren, die der Türkei den Rücken gekehrt haben, was sie hier eventuell verpassen. (nen)

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