Trauerfeier für Reinhard Mohn: "Man muss Menschen überzeugen"
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Sein Name steht für eine der ungewöhnlichsten Unternehmerkarrieren in Deutschland: Reinhard Mohn hat aus dem kleinen Druck- und Verlagshaus Bertelsmann in Gütersloh den größten Medienkonzern Europas gemacht. Am 3. Oktober starb der Unternehmer im Alter von 88 Jahren.Bild 1 von 24 Mohn leitete den Konzern von 1947 bis 1981 und repräsentierte zusammen mit seiner Ehefrau Liz die fünfte Generation der Unternehmer- und Stifterfamilien Bertelsmann und Mohn. Mohn hatte sechs Kinder, drei aus erster, drei aus zweiter Ehe.Bild 2 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpaDer protestantisch-disziplinierte Mohn wurde am 29. Juni 1921 in Gütersloh geboren, als Ur-Ur-Enkel des Verlagsgründers Carl Bertelsmann. Bereits mit 16 Jahren hatte Mohn in einem Schulaufsatz versprochen, in seinem Beruf später "so viel zu leisten, wie nur irgend in meinen Kräften steht."Bild 3 von 24 Dass dies beim Familienunternehmen Bertelsmann geschehen würde, war jedoch nicht seine Absicht - der junge Reinhard, der mit 24 Jahren aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Gütersloh zurückkehrte, wollte Ingenieur werden.Bild 4 von 24 Doch im Krieg war der älteste Bruder gefallen, der zweite vermisst und der Vater Heinrich Mohn schwer krank. Die Geschäfte des Verlagshauses waren fast völlig zum Erliegen gekommen, Bertelsmann galt als größter Lieferant von Feldpostliteratur als politisch vorbelastet.Bild 5 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpaTrotz der schlechten Voraussetzung übernahm Reinhard Mohn die Führung des Unternehmens und präsentierte im Winter 1946/47 schon in seiner ersten Rede an die verbliebenen 150 Mitarbeiter sein Motto für die Zukunft: "Man muss Menschen überzeugen."Bild 6 von 24 Mohn expandierte über das Vertriebs- und Verlagsgeschäft hinaus rasch in weitere Geschäftsfelder und Märkte. Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens begann jedoch mit der Idee des "Bertelsmann-Leserings" 1950, mit dessen Hilfe Bertelsmann Bücher per Vertreter und Katalog zu den Menschen brachte.Bild 7 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpaDie Buchclubs sind bis heute der Kern der Direct Group Bertelsmann. Später wuchs der Konzern je nach Bedarf in die verschiedensten Richtungen.Bild 8 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpaAls die deutschen Lexikonverlage dem Buchclub keine Lizenz überlassen wollten, gründete Mohn eine Lexikonredaktion.Bild 9 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpaAls die Plattenfirmen dem Bertelsmann Schallplattenring ebenfalls keine Lizenzen gewährten, gründete er die Ariola.Bild 10 von 24 In kürzester Zeit wurde Ariola mit Künstlern wie Heintje, Udo Jürgens oder Peter Alexander zu einem der erfolgreichsten deutschen Plattenlabel.Bild 11 von 24 | Foto: APStück für Stück entstand so aus dem christlichen Verlag in Gütersloh der Weltkonzern Bertelsmann AG mit mehr als 100.000 Mitarbeitern und Töchtern wie Gruner + Jahr oder die RTL Group, zu der auch n-tv gehört.Bild 12 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpaBekannt wurde Reinhard Mohn jedoch nicht nur für sein sicheres Händchen für Märkte, sondern auch für die mitarbeiterorientierte Unternehmensphilosophie, die ihm den Beinamen "Roter Mohn" einbrachte.Bild 13 von 24 Die Fürsorge des hageren Patriarchen schuf in Gütersloh eine eigene Unternehmenskultur: In guten Jahren gibt es Sonderzuschläge, in schlechten, wie in der aktuellen Werbekrise, verzichten Bertelsmann-Mitarbeiter freiwillig auf ihre Gehaltserhöhung, das Spitzenmanagement auf die Boni.Bild 14 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpaFührung von Menschen war für Mohn immer der entscheidende Wettbewerbsfaktor. Er gab seiner Firma sogar eine eigene Verfassung: die "Bertelsmann Essentials".Bild 15 von 24 Mit 60 Jahren zog er sich aus dem Tagesgeschäft zurück, 1991 gab er auch seinen Sitz im Aufsichtsrat auf und widmete sich ganz der 1977 gegründeten Bertelsmann-Stiftung.Bild 16 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpaDas Gesicht der Bertelsmann-Gruppe wurde mehr und mehr seine zweite Ehefrau Liz Mohn, ihr wuchs eine immer wichtigere Rolle in der Gesellschafterversammlung (BVG) und der Bertelsmann Stiftung zu.Bild 17 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpaWährend Liz Mohn auch einen Platz auf dem gesellschaftlichen Parkett fand, mied Reinhard Mohn Partys und Jetset zeitlebens. Zuletzt nannte man ihn den "stillen Mann aus Gütersloh".Bild 18 von 24 Als Publizist tätig war er allerdings noch bis kurz vor seinem Tod. Wer wollte, konnte sich von Reinhard Mohn die Welt erklären lassen. Bücher wie "Erfolg durch Partnerschaft", "Menschlichkeit gewinnt" und "Von der Welt lernen" sollten sein Vermächtnis in gesellschaftlichen Fragen sein.Bild 19 von 24 | Foto: picture-alliance / dpa/dpawebDie Zukunft des Bertelsmann-Konzerns legte Mohn bereits vor seinem Tode fest: Eigentum und Kapital wurden getrennt. Die Mehrheit des Kapitals - 76,9 Prozent - ging an seine Stiftung. 23,1 Prozent hält die Familie.Bild 20 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpaDie Stimmrechte wurden auf die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft übertragen, in der neben drei Familien- Mitgliedern drei familienfremde Manager die Linie des Hauses bestimmen. Fremde Aktionäre gibt es nicht mehr. Die Mohns kauften vor drei Jahren 25 Prozent der Firmenanteile des belgischen Minderheitsaktionärs Albert Frère für 4,5 Mrd. Euro zurück.Bild 21 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpaAls Unternehmer und Stifter hat Reinhard Mohn zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen erhalten, darunter den Bundesverdienstorden mit Stern der Bundesrepublik Deutschland, die Ehrenmitgliedschaft im Club of Rome, das Spanische Großkreuz und den Prinz-von-Asturien-Preis. Noch im Jahr 2007 erhielt er den deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk.Bild 22 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpaDer Konzern verabschiedet sich voller Trauer von seinem Patriarchen: "Wir alle haben Reinhard Mohn unendlich viel zu verdanken", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG Hartmut Ostrowski. "Sein Handeln als Unternehmer, Stifter und Bürger wird uns Verpflichtung bleiben."Bild 23 von 24 | Foto: picture-alliance/ dpa"Wir verneigen uns vor ihm und seiner Lebensleistung und werden das Unternehmen und seine partnerschaftliche Kultur in seinem Sinne bewahren und weiterentwickeln." (Bilder: Bertelsmann AG, dpa, rts)Bild 24 von 24 | Foto: picture-alliance / dpa
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