Jetzt geht es wieder los: Hobbygärtner räumen ihre Regale leer und legen Kartoffeln rein, damit die Knollen vorkeimen, bevor sie dann (frühestens im April) ausgepflanzt werden.Bild 1 von 81 Schon im Juni können in milden Regionen sehr frühe Sorten geerntet werden. Mittelfrühe Sorten kommen ab August auf den Tisch, späte Sorten erst im September.Bild 2 von 81 Ursprünglich kommt die Kartoffel aus Südamerika. Die vermutlich ältesten Spuren stammen von der chilenischen Insel Chiloé und sollen rund 15.000 Jahre alt sein.Bild 3 von 81 Möglicherweise schon im 7. Jahrtausend vor Christus entdeckten die Bewohner der Anden die Kartoffel als Nahrungsmittel.Bild 4 von 81 Nach Europa kam die Kartoffel um 1560 mit den Spaniern, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in den Anden auf Kartoffeln gestoßen waren.Bild 5 von 81 Ein Spanier berichtete nach einer der ersten Anden-Expeditionen von "Pflanzen mit wenigen blassvioletten Blüten und mehligen Wurzeln", die "von angenehmem Geschmack" seien; kurzum "eine für die Indianer sehr annehmbare Gabe und ein leckeres Gericht sogar für die Spanier".Bild 6 von 81 In Quechua, der Sprache der Inka, hieß die Kartoffel "papa". Diesen Namen trägt die Kartoffel in Südamerika noch heute. Übersetzt heißt "Papa" schlicht Knolle.Bild 7 von 81 Die in Spanien verbreitete Bezeichnung "patata" wurde von vielen europäischen Sprachen übernommen. Auch in Deutschland wurden die Erdäpfel zunächst "Batate" genannt.Bild 8 von 81 Im 17. Jahrhundert setzte sich jedoch die Bezeichnung "Kartoffel" durch. Der Name leitet sich ab von im italienischen Wort für Trüffel, tartufolo - wie Trüffel müssen Kartoffeln aus dem Boden gezogen werden.Bild 9 von 81 Andere im Deutschen gebräuchliche Bezeichnungen waren bzw. sind Erdapfel, Herdapfel, Erdbirne, Grundbirne und Erdtoffel.Bild 10 von 81 Noch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts tauchte die Kartoffel in anderen europäischen Ländern auf: in Portugal, Frankreich und Italien, in England, Irland und Schottland, 1588 in Wien, später auch in den Niederlanden und in Deutschland.Bild 11 von 81 Ihren lateinischen Name erhielt die Kartoffel von einem Schweizer Botaniker. Caspar Bauhin nannte die Pflanze "Solanum tuberosum esculentum", zu Deutsch: essbarer knolliger Nachtschatten.Bild 12 von 81 Die Europäer sahen in der Kartoffel zunächst weniger eine Nutzpflanze als eine botanische Besonderheit. Den Adeligen gefielen vor allem die zarten Blüten der Kartoffelpflanze.Bild 13 von 81 Kartoffeln fanden daher nicht im Gemüsebeet, sondern in botanischen Gärten ihren Platz. Dort ergötzte man sich am Duft der "Patata" - feine Nasen erkennen, dass Kartoffelblüten ein Vanille-Aroma ausströmen.Bild 14 von 81 Königin Marie-Antoinette (1755-1793) trug mit Vorliebe einen Kranz von Kartoffelblüten im Haar. Der preußische Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ die "bezaubernde Pflanze" in seinem Lustgarten anbauen.Bild 15 von 81 Wenn Kartoffelfrüchte gekostet wurden, dann waren es nicht selten die oberirdischen Kartoffeläpfel. Diese jedoch sind giftig - ein Umstand, der bei der Verbreitung der Kartoffel als Nutzpflanze nicht gerade half.Bild 16 von 81 In Deutschland wurden die ersten Kartoffeln einer Legende zufolge in Oberfranken angebaut, genauer: in Pilgramsreuth, einem Dorf nahe der Stadt Rehau. Dort steht heute ein Denkmal für Hans Rogler. 1647 soll er als erster deutscher Bauer Kartoffeln in die Erde gelegt haben.Bild 17 von 81 Dennoch ist die Verbreitung der Kartoffel in Deutschland vor allem mit dem preußischen König Friedrich dem Großen verbunden. Er setzte die Erdäpfel mit Zwang und Propaganda bei seinen Bauern durch, denn er wusste: ?Bild 18 von 81 ? Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich.Bild 19 von 81 Der Legende nach ließ Friedrich von seinen Soldaten Kartoffelfelder anlegen. Um die Neugier der Bauern zu wecken, wurden die Felder rund um die Uhr streng bewacht. Wenn Bauern kamen, um sich die Pflanzen näher anzuschauen oder gar ein paar Kartoffeln zu stehlen, ?Bild 20 von 81 ? schauten die Soldaten weg. Allein mit List konnte Friedrich die brandenburgischen Bauern jedoch nicht überzeugen. Der König schimpfte mit seinen Bauern: "Kerls, ihr sollt mehr Kartoffeln anbauen, Preußen soll Kartoffeln essen, das ist was Gutes!"Bild 21 von 81 1756 erließ er seinen ersten "Kartoffelbefehl". Darin hieß es: "Wo nur ein leerer Platz zu finden ist, soll die Kartoffel angebaut werden, da diese Frucht nicht allein sehr nützlich zu gebrauchen, sondern auch dergestalt ergiebig ist, dass die darauf verwandte Mühe sehr gut belohnt wird."Bild 22 von 81 Schlechte Getreideernten in den Jahren 1770 und 1771 halfen bei der Verbreitung der Kartoffel in Deutschland.Bild 23 von 81 Aus dem 18. Jahrhundert stammt das Image der Kartoffel, das "Brot der Armen" zu sein. Damit waren auch die Blüten der Kartoffel nicht mehr attraktiv; die Kartoffelpflanzen verschwanden aus den botanischen Gärten.Bild 24 von 81 Als Arme-Leute-Essen war die Kartoffel nirgends so erfolgreich wie in Irland. Schon im 17. Jahrhundert löste sie dort Getreide als wichtigstes Grundnahrungsmittel ab.Bild 25 von 81 Die Kartoffel war billiger, ertragreicher und weniger aufwändig in der Zubereitung. Die Produktion von Getreide in Irland hörte zwar nicht auf, doch ging die Ernte vor allem nach England.Bild 26 von 81 Für Irland schien die Kartoffel das ideale Nahrungsmittel zu sein: Kartoffeln sind relativ anspruchslos und gedeihen praktisch überall.Bild 27 von 81 Allerdings sind Kartoffeln auch anfällig für Schädlinge (wie den Kartoffelkäfer) ?Bild 28 von 81 ? und Pilze, die im feuchten, windigen Klima Irlands ideale Bedingungen vorfanden. Die Kraut- und Knollenfäule sorgte Mitte des 19. Jahrhunderts in vielen Ländern Europas für eine Reihe von Missernten.Bild 29 von 81 In Irland waren die Folgen besonders verheerend. Die Untätigkeit der britischen Regierung unter Premierminister Russell war ebenso groß wie die Abhängigkeit der Landbevölkerung von der Kartoffel.Bild 30 von 81 Russell war ein entschiedener Anhänger des "laisser-faire" - heute würde man sagen: ein radikaler Neoliberaler. Er glaubte, dass "Almosen" nur dazu führen würden, den Willen der Armen zur Selbsthilfe zu lähmen.Bild 31 von 81 In der großen Hungersnot zwischen 1846 und 1849 starben etwa eine Million Menschen. Wer konnte, wanderte aus. Rund 1,5 Millionen Iren gingen in die USA, nach Kanada, Australien oder England.Bild 32 von 81 Der bereits erwähnte Kartoffelkäfer kommt ursprünglich übrigens aus den USA.Bild 33 von 81 Anders als von der DDR-Propaganda 1950 behauptet, war der Kartoffelkäfer jedoch keine Waffe der USA im Kalten Krieg. Er wurde bereits im 19. Jahrhundert nach Europa eingeschleppt.Bild 34 von 81 Heute ist die Kartoffel neben dem Brot in allen gemäßigten Klimazonen das Hauptnahrungsmittel. "Morgens rund, mittags gestampft, abends in Scheiben, dabei soll's bleiben", rühmte schon Johann Wolfgang Goethe die Knolle.Bild 35 von 81 Und Henriette Davidis schrieb in ihrem legendären Kochbuch von 1844, eine "schmackhafte Kartoffelspeise" sei "manchem lieber als ein feines Gericht".Bild 36 von 81 Egal ob Kantine, Fast Food, Hausmannskost oder Edelrestaurant: Kartoffeln gehören zu jeder Art Küche dazu. Dennoch geht der Verbrauch von Kartoffeln in Deutschland schon seit Jahren zurück.Bild 37 von 81 2005 kaufte der durchschnittliche Privathaushalt fünf Kilo Kartoffeln pro Monat. Der bundesweite Verbrauch pro Kopf und Jahr liegt bei rund 70 Kilo.Bild 38 von 81 Anfang der 1950er Jahre hatte in Westdeutschland jeder Einwohner pro Jahr noch sage und schreibe 170 Kilo Kartoffeln gegessen, Ende der 1960er waren es immerhin noch 102 Kilo. Das war die große Zeit der "Sättigungsbeilage".Bild 39 von 81 Regional ist die Vorliebe für Kartoffeln in Deutschland unterschiedlich. Im Nordwesten isst man lieber fest kochende Sorten wie "Linda", "Nicola" und "Sieglinde", in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Thüringen und Sachsen ?Bild 40 von 81 ? sind es die vorwiegend fest kochenden Sorten wie "Solara", "Satina" und "Secura". Mehlige Kartoffeln (zum Beispiel "Adretta", "Afra", "Aula" und "Likaria") werden vor allem in Ostdeutschland gern gegessen.Bild 41 von 81 Insgesamt werden in Ostdeutschland mehr Kartoffeln verspeist als im Westen, im Norden mehr als im Süden. Am seltensten kommen Kartoffeln in den Haushalten von Baden-Württemberg und Bayern auf den Tisch.Bild 42 von 81 Weltweit gibt es etwa 5.000 Kartoffelsorten, in Deutschland sind rund 180 Sorten zugelassen. Für Aufregung sorgte das Unternehmen Europlant, als es den Sortenschutz für "Linda" zurückzog.Bild 43 von 81 Ein "Freundeskreis rettet die Linda" kämpft seither juristisch gegen Europlant, um die Kartoffelsorte zu erhalten.Bild 44 von 81 "Linda" wäre nicht die erste Kartoffelsorte, die aus den Geschäften verschwindet. Neben den bekannten Sorten wie "Sieglinde", "Granola", "Secura", "Solara", "Christa" oder "Nicola" gibt es eine Vielzahl weiterer Kartoffelsorten.Bild 45 von 81 Ende des 19. Jahrhunderts wurden bei einer Kartoffelausstellung mehr als 600 Sorten gezählt.Bild 46 von 81 Viele davon sind verschwunden, andere sind noch heute zu bekommen.Bild 47 von 81 Zum Beispiel die Bamberger Hörnchen.Bild 48 von 81 Diese alte festkochende Kartoffel ist vorzüglich als Salz- oder Pellkartoffel geeignet. Ihr einziger Nachteil ist ihre Form: Säubern oder schälen machen ein wenig mehr Arbeit. Aber es lohnt sich!Bild 49 von 81 Für machen etwas gewöhnungsbedürftig sind blaue Kartoffeln wie zum Beispiel die schottische Blue Salad Potato.Bild 50 von 81 Diese festkochende Kartoffel aus Schottland ist auch von innen blau - für manchen vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig, für andere ein besonderer Reiz. Vom Geschmack her sind die Blue Salad Potatos weitaus weniger exotisch: eine leckere Kartoffel, die nicht nur als Salat, sondern auch als Salz- oder Pellkartoffel gegessen werden kann.Bild 51 von 81 Edzell Blue kommen auch aus Schottland. Sie sind jedoch nur außen blau. Die vorwiegend festkochende Knolle gilt als ertragreich und hat einen guten, "speckigen" Geschmack.Bild 52 von 81 Und so sehen die Blüten der Edzell Blue aus.Bild 53 von 81 Blaue Kartoffeln kommen nicht nur aus Schottland. Diese hier heißt Blauer Schwede, wird aber auch Blue Congo genannt.Bild 54 von 81 Natürlich gibt es auch rote Kartoffeln. Diese heißt ...Bild 55 von 81 ... Highland Burgundy, kommt aus Schottland und ist mehligkochend.Bild 56 von 81 Der Blaue Schwede ist vorwiegend festkochend und hat einen cremigen Geschmack.Bild 57 von 81 Sehr lecker sind auch Roseval, eine festkochende französische Sorte von 1950. Ihre Schale ist glatt und elegant, ...Bild 58 von 81 ... ihre Blüte zauberhaft.Bild 59 von 81 Das gilt auch für die Sorte Kerkovske Rohlicky, ...Bild 60 von 81 ... eine würzige tschechische Kartoffel.Bild 61 von 81 Von Linda war bereits die Rede.Bild 62 von 81 Linda sind festkochend, haben tiefgelbes Fleisch und sind sehr lecker.Bild 63 von 81 Noch sind Linda in Supermärkten und Bioläden eine gängige Sorte.Bild 64 von 81 Ein echter Klassiker ist auch diese Kartoffel: Sieglinde.Bild 65 von 81 Festkochend, kräftiger Kartoffelgeschmack, geeignet als Salat-, Salz- oder Pellkartoffel.Bild 66 von 81 Aus Bayern kommt Gusto.Bild 67 von 81 Immer wieder schön. Gusto sind festkochend, frühreifend, und haben wie Sieglinde einen kräftigen Kartoffelgeschmack.Bild 68 von 81 Die Mandelkartoffel - auch Puikula genannt - kommt aus Lappland.Bild 69 von 81 Der Name der vorwiegend festkochenden Sorte kommt von den mandelähnlichen Knollen. Feinschmecker schätzen die Mandelkartoffel als Salz- oder Pellkartoffel.Bild 70 von 81 Mehligkochend ist die englische Sorte "Golden Wonder". Rauhe Schale, weißes Fleisch.Bild 71 von 81 Wie alle mehligen Sorten eignet sich das goldene Wunder für Suppen und Pürrees, aber natürlich auch als Salzkartoffel.Bild 72 von 81 Der Red Duke of York hat seinen Namen nicht von der Farbe seiner Blüten, ...Bild 73 von 81 ... sondern von der Farbe seiner Schale. Im Geschmack ist die festkochende Knolle angenehm cremig, geeignet ist sie als Pürree- oder Salzkartoffel.Bild 74 von 81 Eine nahezu schwarze Schale haben die Shetland Black. Innen haben sie einen violetten Ring.Bild 75 von 81 Geeignet ist die mittelfrühe Sorte als Gratin-, Salz- oder Pellkartoffel.Bild 76 von 81 Aus Irland kommt die Sorte Epicure.Bild 77 von 81 Epicure sind vorwiegend festkochend und haben einen milden, lieblichen Geschmack.Bild 78 von 81 Zum Schluss noch eine bayerische Sorte: Margit.Bild 79 von 81 Als süddeutsche Sorte ist Margit vorwiegend festkochend. Sie dürfte aber auch in anderen Teilen des Landes schmecken. Guten Appetit!Bild 80 von 81 Beim Bioland Bauernhof Karsten Ellenberg bedanken wir uns für die Bilder; dort sind die genannten Kartoffelsorten auch zu beziehen (www.kartoffelvielfalt.de).Bild 81 von 81