Bilderserie
Montag, 02. April 2018

Von Einhornknochen und Plagiaten: Irrtümer der Archäologie

Bild 1 von 20
Knochen, Waffen, Amphoren oder Schmuck: ... (Foto: picture alliance / Urs Flueeler/)

Knochen, Waffen, Amphoren oder Schmuck: ...

Knochen, Waffen, Amphoren oder Schmuck: ...

Im Boden findet man viele verschiedene Dinge aus längst vergangenen Zeiten.

Dennoch gleichen Ausgrabungen oftmals der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Für Ärchäologen gehören sie zum festen Bestandteil ihrer Arbeit.

Sind die Dinge erst einmal aufwändig freigelegt, müssen sie geborgen, untersucht und historisch eingeordnet werden.

Bei allen Arbeitsschritten können den Archäologen allerdings Fehler unterlaufen.

Besonders prominente oder skurrile Fehler sind nun in einer Ausstellung im Museum für Archäologie in Herne zu bestaunen.

Unter dem Titel "Irrtümer & Fälschungen der Archäologie" sind mehr als 200 Beweise für Fehlurteile oder auch Betrügereien zu sehen. Bei einigen Exponaten, wie dieser Leihgabe des Römer-Palizaeus-Museums in Hildesheim, steht das abschließende Urteil noch aus.

Im Klaren ist man sich dagegen seit Langem über die Einordnung der knöchernen Reste, die einige Zeit als Beweis für die Existenz des Einhorns galten.

Die Knochenfunde im Harz aus dem Jahr 1663 wurden damals zu einem Ganzen zusammengefügt, so dass das "Einhorn von Quedlinburg" (nicht im Bild) entstand.

Der Vorstellung von der Existenz des Einhorns schien sogar den Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz zu beflügeln. Er bildete eine Zeichnung des Fundes 1749 in seinem Standardwerk zur Fossilienkunde ab.

Dabei stammten die gefundenen Knochen gar nicht nur von einem Tier, sondern von mehreren. Der Teil, der lange Zeit als Horn interpretiert worden war, hat vermutlich einem Mammut gehört. Es könnte dessen Stoßzahn gewesen sein.

Zu den spektakulärsten Irrtümern gehört ohne Zweifel der goldene Gegenstand, der als vermeintliche "Tiara des Saitaphernes" 1896 vom damaligen Direktor des Louvre für 200.000 Goldfranken erworben wurde.

Er ging damals davon aus, dass es sich um einen Goldhelm griechisch-skythischen Stils aus dem dritten Jahrhundert vor Christus handelt. In Wahrheit ist es aber das Werk eines Juweliers mit dem Namen Israel Ruchomowskij.

Dieser hatte das Stück 1895 in Odessa gefertigt. Als Ruchomowskij von dem Stück erfuhr, meldete er sich persönlich beim Louvre in Paris, um den Schwindel schließlich aufzudecken. Weil er das Stück als Auftrag gefertigt und nicht selbst verkauft hatte, entging er jeglicher Strafe. Im Gegenteil: ...

... Er wurde später sogar mit der Goldmedaille des Pariser Salons für Gebrauchskunst ausgezeichnet. Seine "Tiara des Saitaphernes" ist in der Kunstgeschichte ein beliebtes Beispiel für die perfekte Fälschung.

Zu den Ausstellungsstücken gehört auch ein vollständig erhaltener Holzeimer mit Beschlag aus einem Knabengrab aus der Zeit der Merowinger, der unter dem Kölner Dom entdeckt worden war.

Der obere Rand, der bei Ausgrabungen entdeckt worden war, wurde fälschlicherweise als Krone, der Henkel als Kinnhalter interpretiert.

Auch eine Seite aus den 1983 vom "Stern" veröffentlichten angeblichen Hitler-Tagebüchern, die der Kunstfälscher Konrad Kujau angefertigt hatte, ist neben vielen anderen Exponaten zu bestaunen.

Die Sonderausstellung in Herne ist der Startschuss des "Themenjahres Fakt oder Fake", die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe ins Leben gerufen hat.

weitere Bilderserien