Überschwemmungen in Mexiko1,2 Millionen Menschen in Not
Von dem Hochwasser sind über 800 Städte, Siedlungen und Dörfer betroffen. Bald soll zum ersten Mal seit Beginn der Überschwemmungen der Unterricht in zahlreichen Schulen wieder aufgenommen werden.
Auch zweieinhalb Wochen nach der großen Flut in dem südmexikanischen Staat Tabasco können die Menschen nicht zur Normalität zurückkehren. In den Straßen der Hauptstadt Villahermosa, aus denen das Wasser abgeflossen ist, türmen sich Hausrat, Möbel und Lebensmittel zu meterhohen Müllbergen. Viele Menschen suchen darin Nahrung. Weite Teile des Landes stehen jedoch weiterhin unter Wasser. Im Nachbarstaat Chiapas bargen Helfer bislang 15 Leichen von Menschen, die Anfang vergangener Woche in dem Dorf San Juan de Grijalva bei einem Erdrutsch ums Leben gekommen war. Weitere zehn Einwohner des Dorfes werden noch vermisst.
Nach einem ersten ausführlichen Schadensbericht der Regierung von Tabasco sind mindestens 1,2 Millionen Menschen von den Überschwemmungen und den verheerende Folgen betroffen. Viele von ihnen verloren ihr gesamtes Hab und Gut. In den Armengebieten des Staates kommt nach Zeitungsberichten die nationale und internationale Hilfe nicht oder nur ungenügend an. Wegen des Mangels an Lebensmitteln hätten viele Opfer damit begonnen, im Müll nach Essbarem zu suchen, berichtete die Zeitung "Excelsior".
Wie der Gouverneur des Staates im Süden Mexikos, Andrs Granier, mitteilte, sind von dem Hochwasser mehr als 800 Städte, Siedlungen und Dörfer betroffen. Am kommenden Montag solle zum ersten Mal seit Beginn der Überschwemmungen der Unterricht an zahlreichen Schulen wieder aufgenommen werden. Mehr als die Hälfte der Schulgebäude sei allerdings so sehr zerstört, dass sie von Grund auf renoviert werden müssten. Andere dienten weiterhin als Notunterkünfte für die Menschen, die Haus und Hof verloren hätten.
Nach jüngsten offiziellen Angaben wurden durch die Überschwemmungen 7243 Kilometer Straße und 93 Brücken beschädigt. Rund 60 Prozent der Straßen des Staates am Golf von Mexiko seien unterspült worden. Allerdings seien noch nicht alle Schäden im gesamten Staatsgebiet erfasst worden, da große Gebiete noch unter Wasser stünden, hieß es. Mindestens 200.000 Wohnhäuser müssten völlig überholt werden, aber auch dies sei nicht die endgültige Zahl der beschädigten Wohnungen und Häuser.
Tabasco und der Nachbarstaat Chiapas waren Ende Oktober nach tagelangen schweren Regenfällen von Überschwemmungen und Erdrutschen heimgesucht worden. Tabascos Niederungen mit der Hauptstadt Villahermosa standen zu 80 Prozent unter Wasser. Nach Behördenangaben wird es noch lange dauern, bis die Wassermassen vollständig abgeflossen sind.