Panorama

Reisender in USA infiziert11. H1N1-Fall in Deutschland

08.05.2009, 22:20 Uhr

Erstmals ist ein USA-Reisender mit Schweinegrippe nach Deutschland zurückgekehrt. Die Symptome des Patienten aus Oberbayern sind aber schon am Abklingen.

Erstmals ist ein USA-Reisender mit Schweinegrippe nach Deutschland zurückgekehrt. Die Symptome des Patienten aus Oberbayern seien aber schon am Abklingen, teilte das Bayerische Gesundheitsamt in Erlangen mit. Es ist der elfte bestätigte Schweinegrippe-Fall in Deutschland. Zuvor waren acht Erkrankte aus Mexiko zurückgekommen, zwei hatten sich bei einem der Patienten in Bayern angesteckt. Die Zahl der nachgewiesenen Schweinegrippefälle weltweit ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO unterdessen auf rund 3200 gestiegen, die der Toten auf 44.

Mehr als 90 Prozent der Infizierten leben in den nordamerikanischen Ländern Mexiko, USA und Kanada, wie aus der Bilanz des europäischen Seuchenkontrollzentrum ECDC in Stockholm hervorgeht. Argentinien und Brasilien meldeten erste Infektionen. Damit ist das Virus in 26 Ländern nachgewiesen. Russland, das noch keinen Grippefall registriert hat, warnte seine Bevölkerung nun auch vor Reisen in die USA. Bisher galt die Warnung nur für Mexiko.

Sieben Tage in Hotel-Quarantäne

Nach einer Woche Zwangsquarantäne wegen der Schweinegrippe entließ Hongkong 240 Gäste und rund 100 Angestellte eines Hotels in die Freiheit. Sie hatten sieben Tage in dem Gebäude ausharren müssen, nachdem ein mexikanischer Gast des Hotels am 1. Mai als erster Schweinegrippepatient Südostasiens bestätigt worden war. Unter den übrigen Gästen traten während der Quarantäne keine weiteren Fälle auf. Sie verließen das Hotel nach Augenzeugenberichten am Freitagabend unter Jubel und jeder mit einem ärztlichen Gesundheitszertifikat.

Als Wiedergutmachung bekamen alle Hotelgäste verschiedene Geschenke der Hongkonger Stadtverwaltung - darunter auch einen Gutschein für zwei Freiübernachtungen in einem anderen Hotel der Stadt. Manche Gäste wollten davon sogar Gebrauch machen, weil sie am Abend keinen Flug in die Heimat mehr bekamen.

Russische Reisewarnung für USA

Unterdessen sprach die oberste russische Gesundheitsbehörde wegen der Ausbreitung der Schweinegrippe in Nordamerika erstmals eine Reisewarnung für die USA aus. "Wir empfehlen eindringlich, von Reisen in die USA Abstand zu nehmen, wenn diese nicht dringend erforderlich sind", sagte Behördenchef Gennadi Onischtschenko nach einem Bericht der Agentur Interfax.

Die Warnung der russischen Behörden kam überraschend, da sich Moskaus Außenminister Sergej Lawrow derzeit zu Abrüstungsgesprächen in den USA aufhält und dort unter anderem mit Präsident Barack Obama zusammengetroffen war. Moskau hatte in dieser Woche allerdings bereits mit einem Importverbot für Schweinefleisch aus Spanien eine diplomatische Verstimmung ausgelöst. Russland betrachtet Spanien aufgrund des Auftretens der Schweinegrippe als "Risikogebiet". Spanien ist das am stärksten von der Schweinegrippe betroffene Land in Europa. Von Schweinefleisch geht jedoch nach Experten-Aussagen gar keine Grippegefahr aus.

Partys zur gezielten Ansteckung

Die Gesundheitsbehörden in den USA haben vor gezielten Ansteckungen mit der Schweinegrippe im Stil von sogenannten "Masernpartys" gewarnt. Eine Immunisierung zum Schutz vor einer zweiten, möglicherweise heftigeren Welle der Schweinegrippe durch eine systematische Ansteckung mit dem Influenza-Virus A (H1N1) sei ein "großer Fehler", erklärte der Leiter des US-Zentrums für Krankheitsüberwachung und Prävention (CDC), Richard Besser. Es handele sich um eine neue Krankheit, über die es jeden Tag neue Erkenntnisse gebe. Wie sich die Krankheit auf einen einzelnen Menschen auswirke, sei aber noch nicht einzuschätzen. Es sei daher ein Fehler, Kinder und Erwachsene bewusst dem Risiko einer Ansteckung auszusetzen.

Von Eltern organisierte "Masernpartys", bei der kranke Kinder Gesunde anstecken sollen, haben in Deutschland schon mehrfach für heftige Diskussionen gesorgt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte in dieser Woche vor einer zweiten, heftigeren Welle der Schweinegrippe gewarnt. Trotz des anscheinenden Rückgangs der Todesrate sei ein zweiter, viel schwererer Ausbruch möglich.

Erste Tote in Kanada

Derweil hat Kanada möglicherweise eine erste Schweinegrippe-Tote: In der Provinz Alberta sei eine ältere Frau gestorben, die vermutlich mit dem Virus infiziert war, meldete der Fernsehsender CBC. Eine Bestätigung durch die Behörden stand zunächst noch aus.

Quelle: AFP / dpa