Panorama

Nach Zugentgleisung in Missouri 15-Jähriger steht sterbendem LKW-Fahrer bei

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Bei dem Zugunglück in Missouri kommen drei Menschen ums Leben.

(Foto: AP)

Als in Missouri ein Zug mit einem Lastwagen kollidiert, befindet sich eine Gruppe von Pfadfindern an Bord. Zu ihnen gehört der 15-jährige Eli. Er versucht vergeblich, das Leben des Lastwagenfahrers zu retten - und leistet bis zum Schluss "Trost und Hilfe".

Der 15-jährige Pfadfinder Eli Skrypczak sitzt mit seinen 15 Kameraden und acht Betreuern in einem Zug auf dem Heimweg von einer zehntägigen Exkursion in New Mexico. Gerade ist der Zug mit 200 Personen an Bord durch die Großstadt Kansas gefahren. Vor dem Fenster ziehen die weitläufigen Felder des US-Bundesstaates Missouri vorüber. Es hätte das Ende eines schönen Campingausflugs mit seiner Pfadfindergruppe sein sollen. Doch dann kollidiert der Zug mit einem Lastwagen. Acht Waggons und zwei Lokomotiven entgleisen. In der Nähe der kleinen Stadt Mendon beginnt ein Erlebnis, das Eli Skrypczak nie vergessen wird.

Wie in "Zeitlupe" habe sich der Unfall abgespielt, erzählt ein Passagier dem Nachrichtensender CNN: Es habe eine Erschütterung gegeben, kurze Zeit später sei "Staub durch das Fenster" in das Innere des Waggons gelangt.

Eli Skrypczak gelingt es zunächst, sich selbst aus dem Zugwrack zu retten. Aber auch in dieser Notsituation besinnt sich der 15-Jährige auf das Motto der Pfadfinder: "Jeden Tag eine gute Tat". Er und seine Kollegen helfen Verletzten, wenden ihre Kenntnisse in Erster Hilfe an und schlagen Fenster ein, damit Unverletzte aus dem Zug klettern können, wie der US-Nachrichtensender "Action 2 News" berichtet.

"Diese Pfadfinder sind sehr gut ausgebildet. Sie haben vor der Reise eine fortgeschrittene Erste-Hilfe-Ausbildung erhalten", sagt Scott Armstrong, ein Pressesprecher der Pfadfinder, nach dem Zugunglück, bei dem mehr als 50 Menschen verletzt werden. "Zum Glück hatten sie diese Ausbildung, denn ich bin mir sicher, dass sie das Wissen heute anwenden konnten."

Er hält sich für "Superman"

Genau dieses Wissen versucht der 15-jährige Eli anzuwenden, als er den LKW-Fahrer im Graben findet, berichtet sein Vater, Dan Skrypczak, der US-Zeitung "NY Post". Er versucht, den Mann zu stabilisieren, bis die Polizei und Rettungskräfte am Unfallort eintreffen - vergeblich. Der Lastwagenfahrer, dessen Alter nicht bekannt ist, ist einer von drei Menschen, die bei dem tragischen Zugunglück am Montag ums Leben kommen.

Doch Eli hätte gerne mehr getan, erklärt sein Vater. "Er ist ein typischer 15-Jähriger, der sich für Superman hält und den Typen hätte retten müssen", sagt Dan Skrypczak der "NY Post". Er habe seinem Sohn gesagt, dass er alles getan habe, was er tun konnte: "Ich habe nur versucht, ihm zu erklären, dass man von einem Hochgeschwindigkeitszug angefahren wird und niemand viel für den LKW-Fahrer hätte tun können. Er hat das Richtige getan: Er hat Trost und Hilfe geleistet."

Wie genau es zu dem Zugunglück gekommen ist, ist noch unklar. Den Behörden zufolge gab es an dem Bahnübergang keine Lichtzeichen, wie es in ländlichen Gebieten in den USA häufig der Fall ist. Die Verkehrssicherheitsbehörde NTSB leitete unmittelbar nach dem Unfall eine Untersuchung ein.

Laut Dan Skrypczak, der selbst Pfadfinderleiter ist, geht es Eli den Umständen entsprechend gut. Er sei unheimlich stolz auf seinen Sohn: "Jeder Pfadfinderleiter ist stolz darauf, wenn er sieht, dass die Kinder ruhig bleiben und Teil der Lösung sind und nicht die Notlage selbst", erklärt er der "NY Post". "Ich bin sehr, sehr froh darüber, wie sie sich verhalten haben."

Quelle: ntv.de, cls

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