Panorama

Selbstjustiz-Aufruf auf Facebook 19-Jähriger zu Jugendarrest verurteilt

3c6b0958.jpg1341894660989750843.jpg

Kurz nach Beginn des Prozesses wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

(Foto: dpa)

Der gewaltsame Tod der elfjährigen Lena schockierte die Menschen. Nicht nur das Verbrechen an dem Mädchen, sondern auch Aufrufe zur Selbstjustiz beschäftigten die Fahnder. Nun wird ein 19-Jähriger wegen eines Internetaufrufs verurteilt.

Nach dem Mord an der elfjährigen Lena aus Emden ist ein 19-Jähriger zu zwei Wochen Jugendarrest wegen eines Internetaufrufs zur Selbstjustiz verurteilt worden. Das Amtsgericht Aurich sprach den Auszubildenden unter Ausschluss der Öffentlichkeit schuldig.

Er hatte Ende März 2012 in einem sozialen Netzwerk zu einer Straftat gegen einen jungen Mann aufgerufen, der nach dem Mord an der Grundschülerin irrtümlich unter Verdacht geraten und verhaftet worden war. "Ab zur Polizeiwache, lasst uns das Schwein mit Steinen beschmeißen", hatte der Angeklagte nach Angaben der Staatsanwaltschaft wenige Tage nach Lenas Tod auf Facebook geschrieben. Anschließend versammelten sich bis zu 50 Menschen vor dem Emder Polizeikommissariat, in dem der Verdächtige saß, und riefen Sätze wie: "Schickt das Schwein raus. Dann werden wir uns um ihn kümmern." Zu gewaltsamen Übergriffen kam es aber nicht. Kurz darauf erwies sich die Unschuld des Verhafteten.

Während des Prozesses habe der 19-Jährige aus Emden aber "die Tat eingeräumt" und sich "betroffen" über die Konsequenzen seines Handelns gezeigt, sagte Gerichtssprecher Ulrich Kötting nach der Urteilsverkündung. Das Gericht entsprach mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte sich in ihrem Plädoyer für eine Geldstrafe ausgesprochen. Angeklagter und Verteidigung wollten sich zunächst nicht dazu äußern, ob sie Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen werden.

Die Öffentlichkeit wurde zum Prozessauftakt ausgeschlossen

Zum Prozessauftakt war die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden. Es überwiege der Schutzgedanke für den Angeklagten, begründete Jugendrichterin Maren Hohensee ihren Beschluss. Mögliche Nachteile für seine weitere persönliche und berufliche Entwicklung sollten damit vermieden werden, hieß es. Der 19-Jährige lebe in einem geregelten familiären Umfeld und sei auch in seiner Ausbildung nicht negativ aufgefallen, fügte Kötting hinzu.

In einem ähnlichen Fall hatte das Emder Amtsgericht einen Jugendlichen bereits vor einem Jahr ebenfalls zu zwei Wochen Arrest verurteilt. Er trat am Dienstag in Aurich als Zeuge auf und bestätigte nach Gerichtsangaben den Facebook-Eintrag des Angeklagten. "Die beiden kennen sich", sagte Kötting und stellte heraus: "Auch diese Verurteilung soll jedermann klar machen: Wir dulden keine Selbstjustiz." Ist das Urteil rechtskräftig, wird der 19-Jährige seine Strafe in der Jugendarrestanstalt Emden absitzen. "Ohne Facebook, Handy und Fernseher. Erlaubt sind nur Bücher", so Kötting.

Nach Meinung von Experten sind solche Extremfälle nicht alltäglich. Drohungen gibt es im Internet jedoch immer wieder, ebenso wie Mobbing.

Für den Mord an der elfjährigen Lena wurde bereits im November ein 19 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Aurich verurteilt. Der Täter kam auf unbestimmte Zeit in eine Psychiatrie.

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema