Älteste Bibel-Handschrift800 Seiten im Internet einsehbar
Die älteste erhaltene Bibel-Handschrift der Welt ist nun auch online zu lesen. Teile des sogenannten Codex Sinaiticus wurden nun ins Internet gestellt.
Die älteste erhaltene Bibel-Handschrift der Welt ist nun auch online zu lesen. Teile des sogenannten Codex Sinaiticus wurden am 6. Juli ins Internet gestellt, wie die British Library in London und die Universitätsbibliothek Leipzig am Montag mitteilten. Forschungsteams aus Deutschland, Großbritannien, Russland und Ägypten hatten das mehr als 1600 Jahre alte griechische Manuskript aufgearbeitet. Nun sind rund 800 der 1460 Seiten auf www.codex-sinaiticus.net einsehbar.
Die Originalblätter befinden sich zu Teilen in der Universitätsbibliothek Leipzig, der British Library, dem St. Katharinenkloster auf dem ägyptischen Sinai und in der russischen Nationalbibliothek in St. Petersburg. Das Projekt hatte sich über Jahre hingestreckt, vergangenen Sommer wurde der erste Online-Teil vorgestellt.
Wertvoller Schatz
Das Manuskript gebe einen Einblick in die frühe Entwicklung des Christentums und zeige, wie der Bibeltext von Generation zu Generation weitergegeben wurde, erklärte Scot McKendrick von der British Library. Der Codex Sinaiticus sei einer der "wertvollsten Schätze der Welt". "Bibel-Forscher können nun online weltweit zusammenarbeiten. Das war vor einigen Jahren noch gar nicht möglich."
Die digitale Fassung geht über die reine Abbildung des Textes, der ausschließlich in Großbuchstaben, ohne Leerzeichen und Bilder gesetzt ist, hinaus. Internetnutzer und Forscher können die Seiten wie einen digitalen Film verschieben, Textstellen vergrößern und sich die griechische Transkription anzeigen lassen. Von Teilen gibt es auch eine deutsche und englische Übersetzung.
Die vierspaltige Bibelabschrift in altgriechischer Sprache gilt als eines der größten Pergamentbücher der Antike. Sie war jahrhundertelang im Katharinenkloster aufbewahrt worden. 1844 hatte der Leipziger Theologe Konstantin von Tischendorf die 33,5 Zentimeter breiten und 37,5 Zentimeter hohen Pergamentblätter in einem Papierkorb des Klosters entdeckt. Die Mönche erlaubten ihm, 43 von insgesamt 129 gefundenen Blättern mit nach Leipzig zu nehmen.