Panorama

Exekution in Pakistan verschoben Abdul Basit vorerst vor dem Galgen gerettet

Die Henkersmahlzeit war schon bestellt. Kaum eine Stunde vor der geplanten Hinrichtung keimt für Abdul Basit neue Hoffnung auf. Der querschnittsgelähmte Mann sitzt im Rollstuhl - und sorgt mit seiner Behinderung für Probleme.

Nach pakistanischem Recht können 28 Arten von Verbrechen mit dem Tod bestraft werden, nicht nur Mord und Vergewaltigung, sondern auch Verrat und Gotteslästerung. Fast täglich vollstreckt das Land ein Todesurteil. Auch Abdul Basit sollte gehängt werden.

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Todeskandidat Abdul Basit ist von der Hüfte an gelähmt.

(Foto: HIman Right Watch)

Doch der querschnittsgelähmte Mann darf wieder hoffen. Kaum eine Stunde vor der geplanten Hinrichtung verschob der Oberste Gerichtshof die Exekution, wie BBC berichtete. Das Problem: Die Richtlinien des Landes verlangen, dass der Todeskandidat am Galgen stehen muss. Da es dem Henker nicht möglich sei, eine Schlinge mit der richtigen Länge zu binden, könne die sogenannte "long drop"-Methode nicht angewendet werden, heißt es weiter. "Es gibt eine reale Gefahr, dass Basit lange und schreckliche Qualen während der Exekution am Galgen erleiden muss", zitierte TIME eine pakistanische Sozialarbeiterin, die für eine Londoner Menschenrechtsorganisation tätig ist.

Verlust der Würde

Menschenrechtler hatten bereits zuvor darauf hingewiesen, dass die Exekution durch Erhängen für einen Rollstuhlfahrer "barbarisch" sein würde. Basits Anwälte argumentierten, dass es gegen die Vorgaben verstoßen würde, jemanden im Rollstuhl zu hängen. Die Inkontinenz ihres Mandaten würde während der Hinrichtung zu einem Verlust der Würde führen. Da er sein eigenes Gewicht nicht tragen könne, sei die Bestimmung eines geeigneten Seils schwierig. Der Tod wäre "entsetzlich", zitierte der britische "Independent" einen der Anwälte.

Wie lange die Hinrichtung ausgesetzt wird, ist unklar. Basits Mutter Nusrat Perveen besuchte ihren Sohn am Montag im Gefängnis in Faisalabad und setzt ihre letzte Hoffnung jetzt auf eine Begnadigung durch Präsident Mamnoon Hussain. "Ich bitte den Präsidenten, meinem Sohn zu verzeihen", wird sie von cbsnews zitiert.

Der heute 43-Jährige wurde 2009 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Basit bestreitet den Mord. Im Gefängnis erkrankte er an tuberkulöser Meningitis und ist seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt.

Fragwürdige Geständnisse unter Folter

Nicht nur wegen der hohen Zahl an Hinrichtungen steht Islamabad zunehmend in der Kritik. Menschenrechtsaktivisten erklären, dass viele Geständnisse, die zum Todesurteil führen, unter Folter abgepresst werden. Oft sind es fragwürdige Einzelschicksale, die Pakistans Exekutionspolitik immer wieder in den Fokus rücken.

Erst Anfang August machte Pakistan mit einem umstrittenen Todesurteil Schlagzeilen. Trotz internationaler Proteste musste ein junger Mann am Galgen sterben. Schafqat Hussain war im Jahr 2004 unter fragwürdigen Umständen schuldig gesprochen worden. Er war zum Zeitpunkt der Verurteilung erst 14 Jahre alt. Auch der Fall der wegen Blasphemie verurteilten Christin Asia Bibi hatte einige internationale Aufmerksamkeit erregt. Ende Juli hatte das höchste Gericht des Landes die Vollstreckung des Urteils erneut ausgesetzt.

Fast sieben Jahre hatte Pakistan die Todesstrafe ausgesetzt. Seit Dezember vergangenen Jahres lässt das Land wieder Verurteilte hängen - und das fast im Akkord. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden seitdem 236 Menschen hingerichtet. 8000 Menschen, so schätzen die Menschenrechtler, sitzen in Pakistan im Todestrakt.

Quelle: n-tv.de, dsi