Ungewollte SchwangerschaftenAbtreibungen nehmen leicht zu
Die Zahl der Abtreibungen und der Teenagerschwangerschaften gehen in Deutschland seit Jahren zurück. In diesem Jahr steigen sie, allerdings so geringfügig, dass es auch ein statistischer Effekt sein könnte.
Die Zahl der Abtreibungen in Deutschland ist gegen den Trend gestiegen - allerdings nur sehr gering. Etwa 29.100 Schwangerschaftsabbrüche wurden im ersten Quartal 2012 gemeldet, das waren 100 (0,4 Prozent) mehr als im Vorjahresquartal, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden berichtete.
"Wir sprechen da eher von einer Stagnation", so die Statistiker. Und die Beratungsorganisation Pro Familia betont: "Tendenzen sind nur im Vergleich von mehreren Jahren feststellbar." Die Geschäftsführerin von Pro Familie Mainz, Gisela Hilgefort, betonte, es werde in Deutschland viel getan, um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden. Das Rezept dafür seien: Ein aufgeklärtes sexuelles Klima, gute Informationen und Aufklärung zu Sexualität und Verhütung sowie Zugang zu Verhütungsmitteln.
Weniger gebärfähige Frauen
2011 war die Zahl der Abtreibungen auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gesunken, auch weil es weniger Frauen im gebärfähigen Alter gibt. Seit 2004 treiben den Statistikern zufolge Jahr für Jahr immer weniger Frauen ab. Allerdings gab es in dieser Zeit auch einige Quartale mit einem leichten Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Knapp drei Viertel der Frauen, die im ersten Quartal 2012 eine Schwangerschaft abbrechen ließen, waren zwischen 18 und 34 Jahre alt. Der Anteil der minderjährigen Schwangeren lag wie schon in den letzten Jahren erneut bei rund vier Prozent. Acht Prozent der Frauen waren 40 Jahre und älter. 40 Prozent hatten noch kein Kind.
97 Prozent der Abbrüche wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen. Medizinische und kriminologische Indikatoren waren in drei Prozent der Fälle die Begründung für den Abbruch. Bei den meisten Schwangerschaftsabbrüchen (70 Prozent) kam die Absaugmethode zum Einsatz, bei 16 Prozent wurde das Mittel Mifegyne verwendet. 80 Prozent der Eingriffe wurden ambulant in gynäkologischen Praxen vorgenommen und 17 Prozent ambulant im Krankenhaus.