Panorama

Erst Arzt, dann RichterÄrger für "Prozesse-Dieter"

23.09.2008, 18:39 Uhr

Dem als "Prozesse-Dieter" bundesweit bekanntgewordenen Sozialhilfe-Empfänger Rolf-Dieter K. droht neuer Ärger mit der Justiz. Vorher muss er aber erst zum Arzt. Schwierig wird es außerdem, noch unbefangene Richter zu finden.

Obwohl er seine Haftstrafe abgesessen hat, droht dem als "Prozesse-Dieter" bundesweit bekanntgewordenen Sozialhilfe-Empfänger aus Ratingen neuer Ärger mit der Justiz. Das Ratinger Amtsgericht prüft derzeit einen weiteren Prozess gegen den 72-Jährigen, der den zweifelhaften Ruf hat, Deutschlands "Prozesshansel Nr. 1" zu sein. Immerhin hat der streitbare Senior der Justiz mit rund 230 Klagen bereits reichlich Arbeit beschert. Vor Prozessbeginn will das Gericht den ehemaligen Sportlehrer aber zunächst auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen und damit die Frage klären, ob er überhaupt schuldfähig ist.

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hatte bereits vor Monaten erneut Anklage gegen "Prozesse-Dieter" erhoben. 32 Mal soll er Richter, Sozialamtsmitarbeiter, Rechtspfleger und auch einen Bürgermeister beleidigt haben. Die Beleidigungen reichten von Titulierungen wie "Abschaum", "Faschisten", "Hunde-Rotte" bis "Doppel-Null". Wegen ähnlicher Beleidigungen hatte er die vergangenen zwölf Monate in Essen hinter Gittern verbracht, bis er in diesem Monat auf freien Fuß gesetzt wurde, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte.

Das Amtsgericht hatte zunächst das Problem, einen unbefangenen Richter zu finden, der noch keine Strafanzeige gegen den Mann gestellt hatte. Inzwischen sei es gelungen, einen geeigneten Juristen ausfindig zu machen, hieß es beim Gericht.

Der selbst ernannte "König der Kläger" hatte sich jahrelang mit Behörden und Justiz angelegt. Versagte ihm das Sozialamt seine Wünsche, zog er regelmäßig vor Gericht und wurde dabei oft auch ausfallend. Der ehemalige Sportlehrer hatte sich so unter anderem eine Klobürste und neue Unterhosen vom Sozialamt erstritten. Im Gerichtssaal war er schon mit einem T-Shirt mit der Aufschrift "Asozial ist geil" erschienen.