Panorama

Sachlich unangemessene Äußerung"Alternativlos" ist Unwort 2010

18.01.2011, 11:10 Uhr

Kanzlerin Merkel hat das Unwort des Jahres 2010 geprägt. Sie bezeichnete die Griechenlandhilfe als "alternativlos". Die Unwort-Jury hält dieses Wort für sachlich unangemessen. Es verstärke die Politikverdrossenheit, weil es eine Diskussion ausschließe, heißt es zur Begründung.

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Alternativlos? Angela Merkel! (Foto: dapd)

Das Unwort des Jahres 2010 heißt "alternativlos". Es war der Renner unter den 1123 Vorschlägen. "Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe", sagte der Sprecher der Unwort-Jury, Horst Dieter Schlosser, in Frankfurt. Das Unwort wurde zum 20. Mal gekürt.

"Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken." Das Wort habe Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Begründung der Griechenlandhilfe gebraucht.

"Geschwätz des Augenblicks"

Die Unwort-Jury kritisiert in diesem Jahr außerdem die Formulierung "Integrationsverweigerer". Das von Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Umlauf gebrachte Wort unterstelle, viele Migranten verweigerten ihre Integration. In den Debatten um das Thema werde meist ausgeblendet, dass für eine solche Behauptung eine sichere Datenbasis fehle und der Staat für die Integration noch zu wenig tue.

Auch "Geschwätz des Augenblicks", eine Formulierung des Dekans des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, in der Ostermesse des Papstes, stieß auf Kritik der Sprachjury. Damit sei versucht worden, die massiven Vorwürfe sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche beiseitezuschieben.

Der Jury gehörten außer Schlosser, der aus dem Gremium ausscheidet, drei andere Sprachwissenschaftler, der Autor und Literaturkritiker Hellmuth Karasek sowie die Journalistin Ruth Fühner vom Hessischen Rundfunk an. 2009 hieß das Unwort des Jahres "betriebsratsverseucht", 2008 "notleidende Banken".

"Börsen-Unwort" gewählt

Die Börse Düsseldorf wählte derweil den Begriff "Euro-Rettungsschirm" zum "Börsen-Unwort des Jahres 2010". Es war bereits die zehnte Wahl der Makler, Wertpapierhändler und Analysten. Der Rettungsschirm scheine als Begriff in doppeltem Sinne ungeeignet zu sein, wird die Wahl begründet. Einerseits bezeichne "Rettung" die Beendigung einer Notlage, wovon in diesem Fall aber keine Rede sein könne, denn die Hilfe sei zeitlich begrenzt und sie müsse zurückgezahlt werden. Zudem sei der Begriff "Schirm" schwammig, heißt es weiter. "Einfacher und näher an der Sache wäre es, den "Euro-Rettungsschirm" als Notkreditlinie auf Zeit für bis über die Ohren verschuldete Staaten zu bezeichnen", fordert die Börse Düsseldorf AG.

Quelle: dpa