Panorama

"Er fragte, wie ich es mag"Amanda Knox klagt an

08.10.2011, 11:07 Uhr

Vier Jahre saß Amanda Knox in einem italienischen Gefängnis. Wenige Tage nach ihrer Freilassung erhebt die die US-Studentin Vorwürfe. In einem TV-Interview berichtet sie, wie sie nicht nur mit dem Alltag in der Zelle zu kämpfen hatte - sie sei von einem hochrangigen Mitarbeiter sexuell belästigt worden.

30ks1117-jpg5664756685594805481
Amanda Knox erhebt Vorwürfe gegen einen JVA-Mitarbeiter. (Foto: dpa)

Die vor wenigen Tagen aus italienischer Haft entlassene US-Studentin Amanda Knox wirft einem Gefängnismitarbeiter sexuelle Belästigung vor. Ein hochrangiger Bediensteter habe sie während ihrer Haftzeit einmal nachts in sein Büro kommen lassen und mit ihr über Sex sprechen wollen, sagte sie dem US-Fernsehsender CBS laut einer Vorabmitteilung. In dem Gespräch habe er wissen wollen, "mit wem ich es getan habe, wie ich es mag und ob ich es mit ihm tun möchte".

Sie habe in der Situation unbedingt das Thema wechseln wollen, sagte Knox der Mitteilung zufolge. Erst später sei ihr aufgegangen, dass der Gefängnismitarbeiter eher "eine Reaktion oder eine Information von mir haben wollte".

Der beschuldigte Vizedirektor des Gefängnis Capanne bei Perugia streitet jedoch alle Vorwürfe ab. "Nichts von all dem entspricht der Wahrheit", erklärte der Mann gegenüber italienischen Medien. Zuvor hatte bereits die britische Boulevardzeitung The Sun behauptet, der Gefängnisangestellte habe zugegeben, Amanda nach der Zahl ihrer Liebhaber ausgefragt zu haben.

Die 24-jährige Knox und ihr italienischer Ex-Freund Raffaele Sollecito waren zu Wochenbeginn aus der Haft entlassen worden, nachdem sie im Berufungsprozess in Perugia von dem Verdacht freigesprochen worden waren, für den gewaltsamen Tod der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher im November 2007 verantwortlich zu sein.

Das Gericht erster Instanz hatte es im Jahr 2009 als erwiesen angesehen, dass Knox und Sollecito die Britin unter Einfluss von Drogen und Alkohol getötet hatten, während ein ebenfalls berauschter Bekannter die Arme des Opfers festhielt. Dieser war nach einem Teilgeständnis zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Im Berufungsverfahren äußerten unabhängige Experten jedoch ernsthafte Zweifel an den DNA-Tests, die zur Verurteilung von Knox und Sollecito geführt hatten. Die beiden Angeklagten beteuerten stets ihre Unschuld. Knox ist inzwischen nach Seattle zurückgekehrt.

Quelle: AFP/dpa