Erleichterung in BielAmok-Rentner gefasst
Polizeihund Faro ist der Held des Tages in der Schweiz. Er fasst den Rentner, der in Biel einen Polizisten schwer angeschossen und neun Tage Polizei und Bevölkerung in Atem gehalten hatte.
Das Drama um einen flüchtigen Rentner, der in der Schweiz einen Polizisten angeschossen und schwer verletzt hatte, ist beendet. Ein Polizeihund fasste bei Biel den 67 Jahre alten Mann, den die Polizei seit neun Tagen mit massivem Aufwand gejagt hatte. Außer eines leichten Hundebisses sei der Gesuchte in guter Verfassung, erklärte die Polizei.
Der Rentner war unbewaffnet und leistete keinen Widerstand. Am Mittwoch vergangener Woche hatte er sich wegen der geplanten Versteigerung seines Elternhauses dort verschanzt und mehrmals auf Polizeibeamte geschossen.
Zum Fahndungserfolg führte ein Polizeifoto, auf dem eine Bürgerin den Mann erkannt und dann die Behörden alarmiert hatte. Die Spezialeinheiten entdeckten den Rentner um sechs Uhr morgens auf einer Wiese, ließen den sechsjährigen belgischen Schäferhund Faro los und konnten denn Mann dann festnehmen. Er wird sich wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verantworten müssen.
Suche mit falschem Bild
Dass das Fahndungsfoto Auslöser der Verhaftung war, ist besonders kurios. Denn fünf Tage lang suchte die Polizei den Mann zunächst mit einem falschen Foto - dem Bild seines Vaters. Dass der fast zwei Meter große Täter, der seit Jahren mit den Behörden im Streit lag, überhaupt zweimal den schwer bewaffneten und mit modernsten Geräten ausgerüsteten Spezialeinheiten entkommen konnte, hatte der Polizei scharfe Kritik eingebracht. Die Behörde ließ auch erkennen, dass die gesamte Fahndung nun aufgearbeitet wird.
Eine ganze Region atmet auf, denn die Polizeiaktion hatte das Leben in der Uhrenstadt mit etwa 50 000 Einwohnern völlig auf den Kopf gestellt. Überall patrouillierten schwer bewaffnete Polizisten, Schulen blieben geschlossen.
Waffen und Geld
Bei der Durchsuchungen des Hauses waren zugemauerte Türen, Waffen und Bargeld in Höhe von 50 000 Franken (fast 37 500 Euro) sowie viele Hinweise entdeckt worden, nach denen sich der Mann auf einen bewaffneten Kampf mit der Polizei minuziös vorbereitet hatte. Er soll auch seinen eigenen Tod geplant haben, so dass lange die Vermutung kursierte, er lebe gar nicht mehr.
Die Eskalation löste wohl die wegen eines Erbstreits geplante Versteigerung des Hauses aus. Der Festgenommene wurde in den Medien als ein Mann beschrieben, der sich völlig von der Außenwelt abgesondert hatte. In vielen und langen Briefen an die Behörden fühlte er sich missverstanden und verfolgt. Doch schienen diese nicht sehr erfolgreich gewesen zu sein, mit dem Mathematiker Kontakt aufzunehmen. Experten führten dies auch darauf zurück, dass das strenge Schweizer Datenschutzgesetz eine Abgleichung von Daten unter den Behörden schwierig mache.
In der Bevölkerung und bei den Justizbehörden herrschte vorrangig Erleichterung, dass die Geschichte ohne weiteres Blutvergießen zu Ende ging. Der angeschossene und am Kopf getroffene Polizist ist inzwischen außer Lebensgefahr.