Panorama

Virus-Krise schöngerechnet Analyse widerlegt Trumps Test-Behauptung

133467668.jpg

Lange Schlagen an dieser Teststelle in Los Angeles.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die vielen Tests sind nach Ansicht von US-Präsident Trump der Grund für die vielen Corona-Fälle in den USA. Aber die Entwicklung der Testzahlen und der täglichen Neuinfektionen passt nicht zusammen. Das belegen Journalisten der "New York Times" in einer Analyse.

Als die Infektionszahlen in den USA nach oben schnellen, meint Präsident Donald Trump, den Grund dafür zu kennen: In den Vereinigten Staaten werde einfach mehr als anderswo getestet, erzählt er immer wieder. Deshalb gebe es auch mehr positive Fälle. Eine Analyse der "New York Times" kommt zu einem anderen Ergebnis: Die Fallzahlen seien viel schneller angestiegen als die Testzahlen, schreiben die Reporter in ihrem Beitrag.

Demnach sind Anfang Juni täglich etwa 21.000 neue Infektionsfälle gemeldet worden. Die Rate positiver Tests habe damals bei 4,8 Prozent gelegen, heißt es in der Analyse. Wäre Trumps Behauptung richtig, hätte die Rate positiver Ergebnisse mit steigenden Testzahlen sinken oder zumindest gleich bleiben müssen. Stattdessen habe sie sich annähernd verdoppelt. Mittlerweile melden die USA mehr als 66.000 neue Fälle pro Tag.

Nach Angaben der "New York Times" ist die Zahl der täglich durchgeführten Tests seit Anfang Juni um 80 Prozent auf im Schnitt 780.000 gestiegen. Die Zahl täglicher Neuinfektionen stieg im gleichen Zeitraum um 215 Prozent. Besonders hohe Raten positiver Tests weisen demnach die Bundesstaaten Florida, Kalifornien und Texas auf. Gerade im Nordosten des Landes, der das Coronavirus vorerst unter Kontrolle gebracht zu haben scheint, sei die Zahl der Tests dagegen sehr viel schneller gestiegen als die der Neuinfektionen, heißt es.

Luxemburg ist Test-König

Die USA haben insgesamt bereits mehr als 50 Millionen Tests durchgeführt und damit so viele wie kein anderes Land auf der Welt. Pro Kopf liegen angesichts einer Bevölkerung von knapp 320 Millionen Menschen jedoch andere Staaten deutlich vorn: Demnach ist das Großherzogtum Luxemburg mit 591,9 Testungen per 1000 Einwohner Test-Spitzenreiter vor dem arabischen Königreich Bahrain mit 437,6 Tests. Die USA kommen je 1000 Einwohner auf 152,1 Tests, Deutschland nur auf 88,5.

Allerdings ist die Vergleichbarkeit eingeschränkt: Ist die Virus-Lage, wie in Deutschland, unter Kontrolle, muss deutlich weniger getestet werden als in einem Krisengebiet wie den USA. Experten sagen außerdem, dass es für die Erfassung und Bekämpfung von Infektionsketten wichtiger ist, welche Personen wann und wieso getestet werden als die reine Anzahl der Tests. In Deutschland spricht das Robert-Koch-Institut in diesem Zusammenhang zum Beispiel von zielgerichteten Test-Strategien, bei denen es darum gehen müsse, mögliche Überträger des Virus und deren Kontaktpersonen ausfindig zu machen.

*Datenschutz

Von einer effektiven Eindämmung des Erregers sind die Vereinigten Staaten derzeit noch meilenweit entfernt: Hohe Testquoten deuten darauf hin, dass es längst zu massenhaften Ansteckungen innerhalb der Bevölkerung kommt. Die Pandemie-Lage in den USA ist buchstäblich außer Kontrolle geraten.

Diese Einsicht scheint sich inzwischen auch beim US-Präsidenten durchzusetzen: Er war zuletzt angesichts miserabler Umfragewerte von seinem Kurs abgewichen und erstmals öffentlich mit einer Maske aufgetreten. Bei seiner ersten Pressekonferenz zum Coronavirus seit mehr als zwei Monaten warnte er die Bevölkerung außerdem, dass es "wahrscheinlich leider schlimmer werden wird, bevor es besser wird". Zuvor hatte er die Ausbruch-Gefahr monatelang heruntergespielt und mehrfach erklärt, dass das Virus schnell verschwinden werde, um die Wirtschaft hochzufahren.

Quelle: ntv.de, chr