Panorama

Fall Jaycee Lee DugardAngeklagte bestreiten Schuld

29.08.2009, 09:34 Uhr
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Dem Ehepaar werden Entführung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. (Foto: REUTERS)

In dem Fall der vor 18 Jahren entführten und versteckten Kalifornierin Jaycee Lee Dugard erhebt ein US-Gericht Anklage gegen den mutmaßlichen Kidnapper und dessen Frau. Beide plädieren auf "nicht schuldig".

In dem schockierenden Fall einer vor 18 Jahren entführten und versteckten Kalifornierin hat ein US-Gericht Anklage gegen den mutmaßlichen Kidnapper und dessen Frau erhoben. Dem Ehepaar werden unter anderem Entführung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Die heute 29-jährige Jaycee Lee Dugard war von dem Sex-Täter jahrelang in einem Hof gefangen gehalten und missbraucht worden und bekam zwei Kinder von ihm.

Der 58-jährige Phillip Garrido und seine 54-jährige Frau Nancy plädierten vor dem Gericht im Bezirk El Dorado auf "nicht schuldig". Sie äußerten sich in der Anhörung nicht selbst zu den Vorwürfen, sondern ließen die Erklärung durch ihre Pflichtverteidiger verlesen. Die Ehefrau schluchzte während der Anhörung, ihr Mann zeigte keine Regung. Die Anklageschrift umfasst nach Angaben der Justiz insgesamt 29 Punkte. Eine zweite Anhörung ist für den 14. September angesetzt.

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Jaycee Lee Dugard vor ihrem Martyrium. (Foto: REUTERS)

Garrido, der Dugard jahrelang in einem Hinterhof-Verschlag in Antioch rund 70 Kilometer östlich von San Francisco gefangen gehalten hatte, zeugte mit Dugard zwei Kinder, die heute elf und 15 Jahre alt sind. Bei ihm handelt es sich um einen verurteilten Sexualstraftäter, der nach einer 1971 begangenen Entführung mit Vergewaltigung auf Bewährung frei war.

Prostituierten-Morde im Visier

Lokalen Medienangaben zufolge durchsuchte die Polizei am Freitag das Haus des mutmaßlichen Kidnappers. Dabei werde auch im Zusammenhang mit ungeklärten Morden an zehn Prostituierten gegen Garrido ermittelt, berichtete die Zeitung "The Sacramento Bay" unter Berufung auf Polizeiangaben. Die Leichen der Frauen seien zwischen 1998 und 199 in einem Industriegebiet gefunden worden, in dem Garrido gearbeitet hatte.

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Sie musste teilweise in Zelten hausen. (Foto: AP)

Dugards Stiefvater Carl Probyn, vor dessen Augen die damals Elfjährige 1991 entführt worden war, sagte am Freitag, sie habe mittlerweile ihre Mutter getroffen. Seine Stieftochter fühle sich "schuldig, weil sie eine so enge Verbindung" zu ihrem Entführer aufgebaut habe, sagte Probyn vor seinem Haus in Orange vor Journalisten.

Die Polizei in Kalifornien entschuldigte sich unterdessen, eine Gelegenheit zur Rettung der Entführten verpasst zu haben. Die Polizei hätte nach einem Hinweis im November 2006 "neugieriger" sein sollen, sagte der Sheriff im Bezirk Contra Costa, Warren E. Rupf. Damals hatte die Polizei einen Anruf von Nachbarn bekommen, dass im Hinterhof des polizeibekannten Sex-Täters Phillip Garrido Kinder in Zelten lebten. Der Beamte, der den Anruf entgegen genommen habe, sei aber nicht zum Haus der Garridos gefahren und habe den Hof nicht kontrolliert. Dafür gebe es keine Entschuldigung, sagte Rupf.

Garrido war der Polizei am Dienstag aufgefallen, als er an der Universität von Berkeley religiöse Schriften verteilte. Sein Bewährungshelfer bestellte den Mann daraufhin zu einem Treffen, zu dem dieser eine gewisse "Allissa" mitbrachte. Da der Bewährungshelfer diese in Garridos Haus nie gesehen hatte, ordnete er Ermittlungen an. Dabei stellte sich heraus, dass es sich bei "Allissa" um die seit fast zwei Jahrzehnten vermisste Jaycee Dugard handelte.

Quelle: AFP