Panorama

Geköpfte Hitler-FigurAttentat war eine Wette

06.07.2008, 11:24 Uhr

Ob und wann die Hitler-Figur wieder bei Madame Tussauds in Berlin zu sehen sein wird, ist nach der Attacke auf die Puppe noch offen. Der Täter erklärter unterdessen, es habe sich um eine Wette gehandelt.

Nach der Attacke auf die Wachsfigur von Adolf Hitler bei Madame Tussauds in Berlin ist noch unklar, ob und wann die Puppe wieder zu sehen ist. Ein Mitarbeiter verwies lediglich auf eine geplante Mitteilung des Museums am Montag.

Am Samstag hatte eine Sprecherin betont, dass eine Rückkehr der Hitler-Figur in die Ausstellung auch "vom Ausmaß des Schadens" abhängt. Wenige Minuten nach der Eröffnung des Wachsfigurenkabinetts hatte der 41-jährige Frank L. am Samstagmorgen den Kopf der umstrittenen Figur abgerissen.

Reparatur würde zwei Monate dauern

Nach Angaben eines Museumsmitarbeiters würde eine Reparatur der Figur bis zu zwei Monate dauern. Zunächst müsse sie aber begutachtet werden. Die Mitarbeiter hätten die Attacke jedenfalls nicht verhindern können. "Das ging zu schnell", betonte er.

Der "Bild am Sonntag" erklärte der 41-Jährige, es habe sich bei der Tat um eine Wette gehandelt. "Ich stehe politisch eher links, bin aber kein Extremist", sagte Frank L. der Zeitung. Laut Medienberichten ist der Täter ein Ex-Polizist. Ein Polizeisprecher wollte dies bislang nicht bestätigen.

Spott für das Attentat

Manche zeigten Verständnis für den Störenfried oder spotteten über die Panne. "Endlich hat ein Hitler-Attentat geklappt", sagte der Publizist Henryk M. Broder. Der Berliner SPD-Abgeordnete Frank Zimmermann begrüßte die Attacke. "Es ist schon eher eine Kunst, Hitler den Kopf abzureißen, und weniger eine Kunst, Hitler überhaupt aufzustellen", sagte Zimmermann. Ein Besucher der Ausstellung scherzte: "Vielleicht wird der Eintritt ja jetzt billiger."

Auch in Hamburg ein Wachs-Hitler

Während die Hitler-Figur bei Madame Tussauds in Berlin für Aufregung sorgt, stört sich im Hamburger Panoptikum seit 60 Jahren kaum jemand an dem wächsernen Diktator. "Die meisten Besucher haben keine Probleme damit", sagte der Chef des ältesten Wachsfigurenkabinetts Deutschlands, Hayo Faerber. Für sie sei Hitler eine Figur der Zeitgeschichte.

"Bei uns hat es noch nie Beschädigungen gegeben", versicherte dagegen der 61-jährige Faerber. Dabei steht die 1941 modellierte Figur Adolf Hitlers bereits seit 1948 in dem Wachsfigurenkabinett an der Reeperbahn. "Anfangs hatte das Propaganda-Ministerium dem Panoptikum verboten, den Hitler aufzustellen. Vermutlich fürchteten sie eine Degradierung ihres Führers." So wurde die Wachspuppe zunächst eingelagert und konnte erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges präsentiert werden.

Die jährlichen Umfragen bei Besuchern zeigen, dass es kaum negative Reaktionen auf den Wachs-Diktator gibt. "Nur ein bis zwei von 1000 Gästen echauffieren sich über das Hitler-Abbild", sagte Faerber. In dem 1879 eröffneten Panoptikum sind auch Figuren anderer NS-Verbrecher wie Joseph Goebbels und Hermann Göring, aber auch von Widerstandskämpfern wie den Geschwistern Scholl zu sehen.