Panorama

Ballas "Vater" Erik Neutsch ist totAutor von "Spur der Steine" gestorben

21.08.2013, 16:59 Uhr
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Der Schriftsteller Erik Neutsch ist tot. (Foto: picture alliance / dpa)

Erik Neutsch zählt zu den prominentesten Autoren der DDR. Für seine Werke wird der mehrfach ausgezeichnet. Als bekannteste Arbeit gilt der Roman "Spur der Steine". Dessen Verflimung mit Manfred Krug wird unmittelbar nach der Premiere verboten und findet erst nach dem Fall der Mauer den Weg zurück in die Kinos. Zu dieser Zeit ist für den Schrifsteller mit der Wende bereits eine Welt zusammengebrochen.

Erik Neutsch ist tot. Der Autor von "Spur der Steine" ist bereits am Dienstag im Alter von 82 Jahren in seiner Wohnung in Halle gestorben, wie die die Erik-Neutsch-Stiftung mitteilte. Er gilt als einer der erfolgreichsten Autoren der DDR. Seine Bücher waren vor dem Fall der Mauer Bestseller. An seinem Werk "Der Friede im Osten" (ab 1974) arbeitete Neutsch eigentlich sein ganzes Leben lang. Dieser ursprünglich auf sechs Bände ausgelegte Roman-Zyklus und das Buch "Auf der Suche nach Gatt" (1973) galten als Standardwerke des sozialistischen Realismus.

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Manfred Krug als Brigadeleiter und Zimmermann Hannes Balla in einer Szene des Films "Spur der Steine" von 1966. (Foto: picture alliance / dpa)

Neutsch wurde 1931 in Schönebeck bei Magdeburg geboren. Sein bekanntestes Werk indes ist wohl der Roman "Spur der Steine" von 1964, mit dem er Literaturgeschichte schrieb. Das Buch wurde vor mehr als 40 Jahren mit Manfred Krug in der Hauptrolle als Brigadeleiter Balla verfilmt. Nach der Premiere wurde der Film wegen seiner kritischen Sichtweise auf die DDR aber abgesetzt und erst nach dem Fall der Mauer wieder gezeigt.

Arbeit als Journalist

Bereits 1949 war der Arbeitersohn in die Jugendorganisation FDJ und die SED eingetreten. Nach dem Studium der Philosophie und Publizistik arbeitete er ab 1953 bei der Zeitung "Freiheit" in Halle. Seine ersten schriftstellerischen Arbeiten werden 1960 veröffentlich. Im selben Jahr wird Neutsch Mitglied im Schriftstellerverband der DDR. In den folgenden Jahren erhält er mehrfach den Literaturpreis des Gewerkschaftsbundes FDGB. Er ist zudem zweifacher Träger des Nationalpreises. Ab 1974 war er Mitglied der Akademie der Künste der DDR.

Nach der Wende trat der Autor der PDS sowie dem Verband deutscher Schriftsteller bei. 1994 veröffentlichte er mit "Totschlag" seinen ersten Roman nach dem Ende der DDR. Darin geht es um ungelöste Eigentumsprobleme und deren Folgen für die Wiedervereinigung.

Wende als Zusammenbruch einer Welt

In den vergangenen Jahren war es dann ruhig um ihn geworden. Er hatte sich in ein Haus am Waldrand in Halle an der Saale zurückgezogen. Große öffentliche Auftritte ließ seine schwer angeschlagene Gesundheit wohl auch nicht mehr zu.

Mit der Wende war für Neutsch beruflich eine Welt zusammengebrochen. "Autoren meines Geistes sind auch nicht willkommen in diesem Land", sagte Neutsch einmal bei einer Lesung in der Willi-Sitte-Galerie in Merseburg bei Halle aus seinem 2003 erschienenen Buch "Nach dem großen Aufstand".

Er nannte Sitte einen Freund. Der Maler war am 8. Juni dieses Jahres im Alter von 92 Jahren nach langer Krankheit in Halle gestorben. Sitte galt als einer der großen Gegenwartskünstler der DDR - und zugleich als einer der umstrittensten aufgrund seiner Vergangenheit als DDR-Kulturfunktionär.

Tiefe Trauer nach Tod der Frau

"Ich will weiterschreiben", sagte Neutsch 2006 vor Publikum. "Ich weiß aber nicht, ob jemand das verlegen wird." Die Arbeit an einem sozialkritischen Werk unmittelbar nach 1990 hatte er beiseitegelegt. "Die Wirklichkeit sieht viel schlimmer aus, als ich mir das ausdenken kann", sagte er.

In dem Erzählband "Verdämmerung" (2003) schrieb er sich nach dem Tod seiner Ehefrau, mit der er über 50 Jahre verheiratet war, den Schmerz von der Seele. Der Leser konnte nur erahnen, wie tief die Wunde des Verlustes war. Über die späteren Familienverhältnisse wurde kaum etwas bekannt.

Der Fraktionschef der Linke in Sachsen-Anhalts, Wulf Gallert, zeigte sich betroffen. "Die Nachricht vom Tod Erik Neutschs erfüllt uns mit Trauer." Neutsch zähle zu den "bedeutenden deutschsprachigen Schriftstellern und ist stets als engagierter Streiter für eine bessere Welt eingetreten". Er sprach den Angehörigen die Anteilnahme und tiefe Trauer der Fraktion aus. "Sein Werk wird nicht in Vergessenheit geraten."

Quelle: ntv.de, jwu/dpa