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Untersagte Hilfeleistung?Bericht: Amazon-Arbeiter mussten um toten Kollegen herumarbeiten

16.04.2026, 12:29 Uhr
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Der 46-jährige Arbeiter war als "Tote Runner" beschäftigt - und transportierte vorwiegend gelbe Kunststoffbehälter in der Lagerhalle. (Foto: IMAGO/ZUMA Wire)

Das Logistikzentrum in der US-Stadt Troutdale zählt seit Langem zu den gefährlichsten Betriebsstandorten Amazons. Ein Todesfall wirft nun ein schlechtes Licht auf Arbeitsbedingungen und das Sicherheitskonzept. Mitarbeiter wurden einem Bericht zufolge angewiesen "wegzuschauen und weiterzumachen".

Ein kurioser Todesfall beschäftigt die US-Stadt Troutdale im US-Bundesstaat Oregon. In dem Amazon-Logistikzentrum nahe Portland ist ein Mitarbeiter laut Medienberichten während seiner Schicht ums Leben gekommen. Nach Angaben von Mitarbeitern der Einrichtung, die mit dem Investigativportal "Western Edge" sprachen, hätten Vorgesetzte sie angewiesen, mehr als eine Stunde lang nach seinem Zusammenbruch weiterzuarbeiten, während die Leiche noch vor Ort lag. Der Vorfall ereignete sich bereits am 6. April, die Umstände wurden aber erst jetzt öffentlich.

Der 46-jährige Arbeiter war als "Tote Runner" beschäftigt. Seine Aufgabe lag darin, Stapel gelber Kunststoffbehälter einzusammeln, sie auf einen Wagen zu laden und sie durch die Lagerhallen zu transportieren, damit andere Arbeiter sie befüllen konnten. Wie "Western Edge" berichtete, hatte das Unternehmen kürzlich die Zahl der "Tote Runner" reduziert, wodurch die körperliche Belastung für die verbliebenen Mitarbeiter erhöht wurde.

Der 46-Jährige brach in der Nähe der Laderampe zusammen. In einem Notruf schilderte ein Mitarbeiter, dass der Mann am Kopf geblutet habe und "sehr bläulich" aussah. Ein zweiter Anrufer bat beim Notruf um Anweisungen zur Bedienung eines Defibrillators. Die Hilfe kam nicht nur zu spät, sondern wurde laut Bericht zudem von Vorgesetzten untersagt.

Eine nicht namentlich genannte Mitarbeiterin, die über eine Ersthelfer-Ausbildung verfügt hatte, habe darum gebeten, einer Mitarbeiterin zu helfen, die bereits dabei war, eine Herz-Rhythmus-Massage durchzuführen. Der Vorgesetzte lehnte dies ab. "Das muss entweder die Geschäftsleitung oder das Sicherheitsteam übernehmen", bekam die Mitarbeiterin als Antwort. "Bitte machen Sie weiter mit Ihrer Arbeit." Auf weiteres Drängen habe der Vorgesetzte gesagt: "Drehen Sie sich einfach um und schauen Sie weg. Machen wir weiter mit der Arbeit."

Amazon hatte in der Folge sein Bedauern über den Vorfall zum Ausdruck gebracht und der Familie der betroffenen Person ihr Beileid ausgesprochen. Das Unternehmen verwies allerdings darauf , dass die Behörde für Arbeitssicherheit OSHA diesen Vorfall nicht als arbeitsbedingten Unfall eingestuft hat. 

Dabei zählt die Amazon-Anlage in Troutdale seit langem zu den gefährlichsten Betriebsstandorten. Eine Untersuchung des Medienportals "Reveal" aus dem Jahr 2019 ergab, dass dieser Standort die höchste Verletzungsrate unter 23 untersuchten großen Verteilzentren aufwies. Im Jahr 2018 war mehr als ein Viertel aller Beschäftigten an diesem Standort in einen Arbeitsunfall verwickelt.

Quelle: ntv.de, mba

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