Panorama

"Schamlose Luder"Berlusconis Frau wettert

29.04.2009, 16:08 Uhr

Die Leidenschaft des 72-jährigen italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi für schöne Frauen – vor allem blutjunge – ist bekannt. Ehefrau Veronica platzte erneut öffentlich der Kragen.

"Belle Donne" - die Leidenschaft des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi für das weibliche Geschlecht ist bekannt. Nun hat sich der Charmeur mit Macho-Allüren erneut einen öffentlichen Ehekrach eingehandelt: Mit seiner Auswahl der Kandidatinnen, die im Juni für seine neue Rechtspartei "Volk der Freiheit" (PDL) bei den Europawahlen antreten sollen, hat er Ehefrau Veronica Lario vor den Kopf gestoßen.

Drei junge Schönheiten - eine ehemalige TV-Ansagerin und Teilnehmerin mehrerer Miss-Italia-Wettbewerbe, eine Sängerin und eine Fernsehschauspielerin, allesamt unter 30 - benannte der 72-Jährige für die politischen Posten und erntete damit nicht nur Kritik am heimischen Herd, sondern auch im eigenen Parteien-Lager.

"Schamlose Luder"

"Schamlose Luder im Dienst der Macht", entrüstete sich Lario in einer E-Mail an die italienische Nachrichtenagentur Ansa laut Berichten der italienischen Tageszeitung "La Repubblica". Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Gianfranco Fini, hatte bereits zuvor über den zunehmenden "Velinismo" in der Politik geschimpft. Als "Velina" werden in Italien die in zahlreichen TV-Sendungen auftretenden Show-Girls bezeichnet, die zumeist keine weitere Aufgabe haben, als leicht bekleidet auch politische Talkshows "zu dekorieren".

"Ich will eins klarstellen: Ich und meine Kinder unterstützen diese Machenschaften, die einzig und allein der Unterhaltung des Herrschers dienen, nicht. Wir leiden darunter", schäumte die 53 Jahre alte Lario vor Ärger. Berlusconi leide unter einem "Napoleon-Syndrom". Sie stimme dem Urteil der Presse zu, dass es sich dabei um "einen weiteren Spaß für den Kaiser" handle.

"Die Anwesenheit hübscher Frauen in der Politik ist weder ein Nachteil noch ein Vorteil", schrieb die 52-jährige ehemalige Schauspielerin in der E-Mail weiter. Sie warf ihrem Mann allerdings vor, mit seiner "Frechheit" und "mangelnder Zurückhaltung" der Glaubwürdigkeit von Frauen zu schaden. Laut Zeitungsberichten haben einige der PDL-Kandidatinnen für die Europawahl im Juni keinerlei politische Erfahrung.

"Kultivierte Kandidaten"

Berlusconi wies bei einem Besuch in Warschau die Berichte über die Kandidatenaufstellung als Kampagne der linken Presse zurück. Er bedauere, dass sogar seine Frau diese geglaubt habe. Ziel seiner Partei sei es, die Politik durch die Präsenz "kultivierter Kandidaten" zu verändern. Silvio Berlusconi ist seit 1980 mit Veronica Lario liiert und seit 1990 in zweiter Ehe mit ihr verheiratet.

"Beleidigung aller Frauen"

Was die italienische First Lady auf die Palme bringt, ist die auch in die Politik einfließende Don-Giovanni-Manier ihres Mannes, wie sie es nennt. "Die freche und von der Macht gewollte Betonung der weiblichen Kurven und der damit einhergehende Mangel an Respekt ist eine Beleidigung aller Frauen", vor allem derjenigen, die schon immer an der politischen Front für die Gleichstellung kämpften. Signora Berlusconi ist mit ihrer Kritik nicht alleine.

"Die schönste Ministerin der Welt"

Bei seinem Amtsantritt 2008 machten Fotos des ehemaligen Nacktmodells und heutiger Gleichstellungsministerin Mara Carfagna international Furore. Die Brünette aus Berlusconis Partei, gelernte Juristin und einstige TV-Moderatorin, hatte sich zwar einen dezenten Kurzhaarschnitt zugelegt. Im Internet kann aber auch heute noch jeder ihre freizügige Vergangenheit, dokumentiert in einem Erotikkalender, bewundern. Die "Bild"-Zeitung titelte damals: "Mamma mia! Die schönste Ministerin der Welt".

" wenn ich nicht schon verheiratet wäre"

Schon im Januar 2007 hatte Veronica Lario sich an die Öffentlichkeit gewandt, nachdem Berlusconi bei einer Verleihung von Fernsehpreisen heftig flirtend dem Showgirl Carfagna - damals noch nicht seine Ministerin - vor laufender TV-Kamera einen Heiratsantrag gemacht hatte. Ausgerechnet über die linksliberale Zeitung "La Repubblica" forderte Lario eine öffentliche Entschuldigung von ihrem Gatten. Der Medienzar soll dem Nacktmodell zugeflüstert haben: "Ich würde dich sofort heiraten, wenn ich nicht schon verheiratet wäre."

"Berlusconis Harem"

Die Entschuldigung kam - ebenso öffentlich wie die Beschwerde. Kommentatoren sprachen von einem "nie dagewesenen Rosenkrieg". Nur wenige Monate später lichteten "Paparazzi" den Ministerpräsidenten in seiner Luxusvilla auf Sardinien ab - mit fünf jungen Schönen auf dem Schoß. "Berlusconis Harem", titelte die Boulevard-Presse genüsslich.

Schon kurz nach der Vorstellung seines Kabinetts 2008 war der Ministerpräsident von zahlreichen Medien kritisiert worden, nur aufs Äußere zu setzen - für "eine Politik im Fernsehzeitalter". So monierte damals etwa der konservative "Corriere della Sera", Umweltministerin Stefania Prestigiacomo sei zwar als Abgeordnete schon einmal zur "Miss Parlamento" gekürt worden, aber nur "qualifiziert in Schönheit, und nicht in Ökologie".

Quelle: dpa / AFP