Panorama
Montag, 06. Oktober 2008

40 Millionen aufs eigene Konto: Betrüger stirbt in Namibia

Der wegen Anlagebetrugs in Millionenhöhe gesuchte Ex-Finanzmakler Hans-Jürgen Koch (58) ist nach Angaben seiner Ehefrau am vergangenen Freitag in Namibia in einem Krankenhaus gestorben. Koch sei am Donnerstag aufgrund "bedenklicher Diabeteswerte" in das Krankenhaus der Ortschaft Tsumeb eingeliefert worden, erklärte Rachael Nathaniel-Koch. "Am Freitag ist er dann in ein Koma gefallen, aus dem er nicht mehr erwacht ist", sagte sie. "Er wollte doch nur in Ruhe und Frieden leben, nachdem er aus dem Gefängnis kam."

Der einstige Finanzmakler wurde von den deutschen Behörden wegen Kapitalanlagen-Betrug, Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung in mehr als 200 Fällen mit Haftbefehl gesucht. In einem Schneeballsystem hatte Koch in den 1990er Jahren Kredite zwischen 350 Landkreisen, Gemeinden und Städten vermittelt. Nachdem die Geschäfte zu Beginn ordnungsgemäß abliefen, soll Koch hohe Beträge aufs eigene Konto umgeleitet haben. Der Schaden wird auf mehr als 40 Millionen Euro beziffert.

Namibia verweigerte Auslieferung

Allein in Baden-Württemberg soll Koch nach Schätzungen des Gemeindetages bis zu 80 Kommunen geschädigt haben. Grenzach-Wyhlen sei landesweit am stärksten betroffen. Im November 2002 hatte die Gemeinde vor dem Bundesgerichtshof einen wichtigen erfolg errungen. Der XI. Zivilsenat hatte entschieden, dass die Kredite zwischen den rund 350 betroffenen Kommunen direkt und inklusive Zinsen zurückgezahlt werden müssen.

Koch hatte sich 1999 auf seine Farm in Namibia abgesetzt und war 2002 nach einem Auslieferungsantrag der deutschen Regierung von den namibischen Behörden dort festgenommen worden. Nach jahrelangem Rechtsstreit gab der Oberste Gerichtshof von Namibia Ende 2006 der Berufung von Kochs Verteidigern gegen das deutsche Auslieferungsbegehren statt.

Quelle: n-tv.de