Panorama

Fehlende Menschenscheu Braunbären streifen durch Alpen

31211210.jpg

Durch Schüsse versuchen die Schweizer den Bären von den Menschen fernzuhalten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Erinnerungen an Bruno werden wach: Zwei Jungbären streifen durch das österreichisch-schweizerische Grenzgebiet. Einer von ihnen hat so wenig Angst vor Menschen, dass er zum Problem werden könnte. Dann droht die tödliche Kugel.

Sie sind Einzelgänger mit scharfen Krallen und wiegen mehr als 120 Kilo. Wissenschaftlich heißen sie "Ursus arctos arctos", aber zur Unterscheidung tragen die beiden jungen Braunbären wenig fantasievolle Bezeichnungen: M12 und M13. Zu ihrer Lieblingsnahrung zählt Honig, was einige Bienenvölker in den Alpen leidvoll erfahren mussten. Auch eine Ziege überlebte die Begegnung mit M13 nicht. Seit Wochen ziehen die Bären durch das österreichisch-schweizerische Grenzgebiet und sorgen für Aufregung und Zorn bei Imkern und Viehzüchtern.

Bislang besteht Hoffnung, dass der zwei Jahre alte Bär M13 kein gefährlicher "Problembär" wird wie sein Vorgänger "Bruno", der 2006 in Bayern abgeschossen werden musste. Anfang April wurde M13 zum ersten Mal in den Schweizer Alpen gesehen. Er stammt aus einem Wiederansiedelungsprojekt im italienischen Trentino. Eigentlich sollen die unter Artenschutz stehenden Tiere in unbesiedelten Bergregionen leben. Doch die jungen Bären suchen häufig eigene Reviere. Weil sie neugierig sind und wenig Angst haben, bleiben Konflikte mit den Menschen nicht aus.

"Mist. Ein Bär"

Der Tübinger Grünen-Lokalpolitiker Gerd Hickmann berichtete einer Zeitung von einem Spaziergang mit seinem 12-jährigen Sohn im Osterurlaub im Kanton Graubünden. "Mist. Ein Bär, sagte mein Bub zu mir", erzählte Hickmann. "Das Tier stand mitten auf der Straße, etwa 50 Meter entfernt."

Solche für die menschliche Seite überraschenden Begegnungen sollten eigentlich ausbleiben. Viele Bären tragen ein Halsband mit einem GPS-Sender, der den Aufenthaltsort aufzeichnet und mehrfach täglich verschickt. Vor einigen Monaten verlor M13 das Band. Die Schweizer Behörden reagierten schnell. Vor drei Wochen betäubten Wildhüter das Tier und verpassten ihm einen neuen Sender.

Bärenbruder bislang unauffällig

Nun greift das eigens erstellte "Konzept Bär". Der als "auffällig" eingestufte M13 wird eng überwacht. Sollte er Menschen gefährden, wird er abgeschossen. Fast täglich berichten die Medien von den Wanderungen des Braunbären, dem Staatsgrenzen wenig bedeuten. "Bär wieder in Tirol", verkündeten stolz österreichische Zeitungen. Ein zweiter Bär tauchte auf. Schnell wurde er als M12, Bruder von M13, identifiziert, blieb aber unauffällig.

Die High-Tech-Observierung schützte bislang die Menschen vor den Bären. Umgekehrt funktioniert der Schutz nicht. Im italienischen Südtirol lief M14, ein weiterer Bär aus dem Drillingswurf, vor ein Auto und verendete. M13 wurde bei seinen Streifzügen von der Lokomotive einer Bergbahn angefahren, aber nicht "schwerwiegend verletzt", so ein Schweizer Jagdinspektor.

Gleiches Schicksal wie Bruno?

Der Schweizer Regierungsrat Mario Cavigelli sagte einer Zeitung: "Es zeigt sich eben, dass wir uns in einem dicht besiedelten Raum befinden, der für Großraubtiere wenig geeignet ist."

Die kommenden Wochen entscheiden über das Schicksal des auffälligen Bären. M13 muss laut den Jagdbehörden deutlich mehr Scheu vor den Menschen beigebracht werden. Die Schweizer feuerten mit Gummischrot, um ihm Respekt einzubläuen. Man will verhindern, dass er Gärten und Mülltonnen plündert und das Schicksal von Bruno erleidet. Nachdem diverse Versuche, den "Problembären" lebend zu fangen, scheiterten, war JJ1 im Juni 2006 erlegt worden.

Ob Deutschland wirklich mit einem neuen Bruno rechnen muss, ist unklar. Zwischen den beiden Richtung Norden ziehenden Jungbären liegen das dicht besiedelte Inntal, der Fluss Inn und eine Autobahn. "Es kommt drauf an, ob sie in Wanderlaune sind. Aber 30 Kilometer am Tag sind kein Problem", sagte eine Sprecherin der Landesregierung Tirol. Vom Engadin bis in bayerische Alpenregionen sind es 100 Kilometer Luftlinie.

Quelle: n-tv.de, Andreas Rabenstein, dpa

Mehr zum Thema