Billig heißt manchmal auch gefährlichBulgarien erleidet Image-Schaden

Tödlicher Unfall im illegalen Hotelpool, abgelaufene Lebensmittel im All-Inclusive-Angebot - derzeit gibt es viele negative Schlagzeilen für den bulgarischen Tourismus. Ursachen sind "das Chaos bei der Verwaltung", der Baumboom, mangelndes Personal - und sicher auch der Versuch, Billig-Preise anzubieten.
Für das Urlaubsland Bulgarien könnte es mitten in der sommerlichen Hauptsaison kaum schlimmer kommen. Ein deutsches Mädchen verunglückt tödlich in einem illegalen Hotelpool an der Schwarzmeerküste. 39 Kinder aus Russland und der Ukraine liegen mit Vergiftungen im Krankenhaus. Verbraucherschützer weisen auf abgelaufene Lebensmittel in All-Inclusive-Paketen großer Hotels hin.
Solche schweren Mängel setzen dem Ruf des bulgarischen Tourismus zu. "Das Hauptproblem eines Großteils der Ferienorte am Schwarzen Meer oder im Gebirge ist das Chaos bei der Verwaltung", kritisiert der Experte Rumen Draganow in einem Beitrag für die Zeitung "24 Tschassa". Vor wenigen Tagen war das 13 Jahre alte Mädchen aus Sachsen-Anhalt in einem nicht zugelassenen Swimmingpool des Hotels mit dem Namen "Berlin" in Slatni Pjassazi (Goldstrand) tödlich verunglückt.
Öffnung ohne Genehmigung
Nach dem Bauboom der vergangenen Jahre ist es in dem neuen EU-Land fast zur Regel geworden, Anlagen für Touristen zu öffnen, obwohl sie noch nicht von den Behörden freigegeben sind. Drei Viertel der 240 Schwimmbecken im Raum Warna haben nach amtlichen Angaben noch keine Betriebsgenehmigung. Ebenso wie andere Missstände wird diese riskante Praxis häufig damit erklärt, dass den Behörden Personal fehlt.
Das Hotel "Berlin" hatte nach Medienberichten die für den Betrieb des Innenpools notwendige Zulassung am 24. Juni beantragt. Sarah verunglückte am 11. Juli. Dabei hätten die Behörden innerhalb von 14 Tagen entscheiden müssen, ob der Pool in Ordnung ist.
Abgerutschtes Schutzgitter
Die 13-Jährige wurde von einem Rohr der Filteranlage angesaugt, offensichtlich weil das Schutzgitter abgerutscht war. Bis die Pumpe abgeschaltet wurde, sollen nach Medienberichten etwa 20 Minuten vergangen sein. Bei einem ähnlichen Unfall in dem Städtchen Rasgrad im Nordosten war vor zwei Jahren ein 13-jähriges bulgarisches Mädchen ums Leben gekommen.
39 Kinder aus Russland und der Ukraine erlitten während ihres Bulgarien-Urlaubs vor wenigen Tagen eine Vergiftung. Das Wasser in einem Pool in ihrem Ferienort Kiten sowie das Leitungswasser ihres Hotels lösten Magen- und Darmbeschwerden aus. Es soll zu viel Chlor, Mangan und Ammoniak enthalten haben.
Reiseveranstalter streicht Anlage
In dem Hotel "Berlin Golden Beach", in dem das deutsche Mädchen gestorben war, hat es vor zwei Jahren einen ähnlichen Vorfall gegeben. Der deutsche Reiseveranstalter ITS strich die Anlage nun aus seinem Programm. "Gäste, die einen Aufenthalt in dem Hotel gebucht haben, können umbuchen", sagte ein ITS-Sprecher.
ITS hält "menschliches Versagen" für die Ursache der Unfälle. Nach den bisherigen Erkenntnissen sei der Pool auch diesmal nicht gesperrt gewesen, als das Wasser abgelassen wurde. Nach dem ersten Unfall sei der Hotelbetreiber noch einmal nachdrücklich auf seine Pflichten bei der Sicherheit hingewiesen worden, sagte der Sprecher. Weil er offensichtlich daraus keine Lehren zog, habe ITS die Geschäftsbeziehungen abgebrochen. Das Hotel könne nicht mehr über ITS gebucht werden.
Das Hotel nahm zunächst keine Stellung zu dem Fall. Nach Angaben des ITS-Sprechers soll die Hotelchefin nach dem Unglück entlassen worden sein.
Strengere Kontrollen
Um den Image-Schaden zu begrenzen, versprach das Ministerium für Wirtschaft und Tourismus nun strengere Kontrollen. Verbraucherschützer begannen damit, in den südlichen Badeorten Lebensmittel zu testen. Alarmiert wurden sie durch Berichte, wonach große Hotels abgelaufene Lebensmittel für ihre All-Inclusive-Pakete billig eingekauft haben sollen.
Der Tourismus steuert mehr als zehn Prozent der Wirtschaftsleistung in Bulgarien bei. Für die diesjährige Sommer-Saison wurden nach den Unruhen in Nordafrika satte Zuwächse erwartet. Bis zu 14 Prozent mehr Ausländer sollten kommen. Die Deutschen zählen mit fast einer halben Million Urlauber zu den wichtigsten Feriengästen.