Panorama

Brand am Pekinger TVCCCCTV entschuldigt sich

10.02.2009, 13:34 Uhr

Die Pekinger Feuerwehr hat das chinesische Staatsfernsehen CCTV beschuldigt, an dem Brand schuld zu sein, der ein Luxushotel, ein Rechenzentrum und ein Fernsehstudio zerstört hat.

Ein vom chinesischen Staatsfernsehen CCTV unerlaubt gezündetes Feuerwerk hat nach Angaben der Ermittler den spektakulären Großbrand in einem Neubaukomplex ausgelöst. CCTV entschuldigte sich in einem außergewöhnlichen Schritt für das Feuer, bei dem ein Feuerwehrmann ums Leben kam und sechs Menschen verletzt wurden. Ein im Bau befindliches Luxushotel war dabei ausgebrannt.

Warnungen ignoriert

Der Besitzer des Gebäudekomplexes habe den Brand verursacht, "weil er gegen Vorschriften verstoßen und auf der Baustelle ein Feuerwerk entzündet hat", sagte ein Sprecher der Pekinger Stadtverwaltung. Kameraleute von CCTV hatten das Feuerwerk gefilmt. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua wurden dabei besonders starke Feuerwerkskörper eingesetzt, die nicht frei verkäuflich sind. Die Besitzer des Gebäudekomplexes hätten Warnungen der Polizei ignoriert, dass solches Feuerwerk verboten sei, erklärte ein Sprecher der Brandschutzbehörden. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

CCTV tief traurig

CCTV sei "zutiefst traurig darüber, dass das Feuer schwere Verluste von Staatseigentum verursacht hat", hieß es in einer Erklärung auf der Website des Staatsfernsehens. Der Sender entschuldige sich "aufrichtig bei den in der Nachbarschaft lebenden Leuten für die Unannehmlichkeiten und die Verkehrsstaus", die der Brand ausgelöst habe. Rund 1000 Anwohner waren bei Evakuierungen in Sicherheit gebracht worden.

Das Großfeuer hatte ein fast fertiges 30-stöckiges Kulturzentrum teilweise zerstört, in dem ein Luxushotel der Kette Mandarin Oriental, ein Fernsehstudio und ein Rechenzentrum untergebracht werden sollten. Das Gebäude steht nur 200 Meter entfernt vom spektakulären neuen CCTV-Tower, der von dem niederländischen Star-Architekten Rem Koolhaas und seinem deutschen Kollegen Ole Scheeren geplant wurde. Der Turm ähnelt einem riesigen Torbogen und gehört zu den architektonischen Meisterwerken Chinas: Zwei Hochhaustürme knicken am Fuß und am oberen Ende um 90 Grad L-förmig ab und sind am unteren und am oberen Ende über Eck miteinander verbunden. Der Bau gilt bereits als eines der Wahrzeichen der Stadt gilt.

Beide Gebäude sollten im Oktober eröffnet werden. Das Staatsfernsehen machte keine Angaben dazu, inwieweit der Brand diesen Zeitplan gefährdet. Bei dem Brand wurden die Außenmauern des 234 Meter hohen torbogenförmigen CCTV-Towers teilweise geschwärzt, doch erlitten sie laut Stadtverwaltung keine strukturellen Schäden.

Sechs Stunden Kampf gegen das Feuer

Mehr als 200 Feuerwehrleute hatten gegen das Feuer gekämpft, das sechs Stunden lang wütete. Das Hotel-Hochhaus brannte lichterloh wie eine Fackel. "Ich hätte nie gedacht, dass ein Hochhaus so brennen kann", sagte ein Augenzeuge. Das Feuer konnte so lange wüten, da die Feuerschutzeinrichtungen in dem "TVCC" genannten Komplex noch nicht in Betrieb waren, wie die Feuerwehr mitteilte.

Die Löscharbeiten wurden behindert, weil das Wasser aus den Schläuchen nur rund 40 Meter hoch reichte. Da der Innenausbau noch nicht fertig war, hielten sich nur wenige Menschen in dem 30-stöckigen Gebäude auf. Feuerwehrleute mit Atemgeräten retteten zwei Arbeiter im 14. Stock, die über Telefon um Hilfe gerufen hatten. Das Mandarin Oriental Hotel berichtete, alle seine 64 Mitarbeiter seien zum Zeitpunkt des Brandes an einem anderen Ort untergebracht gewesen.

Party geht weiter

Während der Tower brannte, schossen die 17 Millionen Pekinger unvermindert weiter Feuerwerk in die Luft. Erst um Mitternacht endete die Knallerei, weil dann kein Feuerwerk mehr verkauft oder gezündet werden durfte. Das Feuer dürfte die Diskussion über die Gefahren durch Feuerwerk in der Hauptstadt neu anfachen, da es erst vor drei Jahren wieder erlaubt worden war.

In ganz Peking war am Montagabend Feuerwerk abgebrannt worden, um das Ende des Chinesischen Neujahrsfestes zu feiern. Feuerwerke sind in China ein alter Brauch, mit dem Lärm sollen böse Geister vertrieben werden.