Panorama

Nach 28 Jahren mit "Opfer" verheiratetChinese für Umarmung verhaftet

14.10.2011, 12:07 Uhr
2011-10-14T080919Z-01-PEK302-RTRMDNP-3-CHINA-POLITICS-JPG4624462303046272880
Die Polizei in China will nicht so einfach den Fall aufgeben. (Foto: REUTERS)

Bizarre Strafverfolgung: In China wird ein Mann festgenommen, weil er vor 28 Jahren eine Frau angeblich gegen ihren Willen umarmt haben soll. Inzwischen ist der Straftatbestand abgeschafft, der Mann mit seinem Opfer verheiratet und das Paar hat auch noch Kinder. Die Polizei bleibt trotzdem am Fall dran, der Mann sitzt in Haft.

Späte und kuriose Strafverfolgung: 28 Jahre, nachdem ein Chinese eine Arbeitskollegin gegen ihren Willen umarmt hatte, ist der wegen Rowdytums gesuchte Mann festgenommen worden. Obwohl der Tatbestand längst abgeschafft und der Beschuldigte inzwischen mit der Frau verheiratet ist, will die Polizei den Fall weiter verfolgen.

"Wir befolgen nur das Gesetz", sagte Direktor Ou Zhezhong von der Polizei in Wanning auf der südchinesischen Insel Hainan. Eine Freilassung wegen der besonderen Umstände komme nicht infrage, dementierte der Polizeidirektor entsprechende chinesische Presseberichte.

Auch dass Rowdytum als Anklage 1997 abgeschafft wurde, zähle nicht, weil jetzt andere Tatbestände geltend gemacht werden könnten. "Die Polizei diskutiert den Fall mit der Staatsanwaltschaft und dem Gericht, um zu sehen, was er vor 28 Jahren getan hat und welche Straftat nach heutigem Gesetz vorliegt", sagte der Polizeidirektor.

Verheiratet und Kinder

Nach der Umarmung seiner Kollegin hatten die Eltern damals Anzeige erstattet. Daraufhin war der junge Mann in seine Heimat in der Nachbarprovinz Guangdong geflüchtet. Sein mutmaßliches Opfer folgte ihm allerdings über mehr als tausend Kilometer und heiratete ihn schließlich. Das Paar hat heute drei Kinder - zwei Söhne und eine Tochter - und führt ein Großhandelsgeschäft.

Der inzwischen mehr als 50 Jahre alte Mann sitzt jetzt in einer Zelle im Gefängnis. Seine Festnahme am 3. Oktober wurde in der chinesischen Zeitung "Nanfang Dushibao" als "erfolgreiches Beispiel" in der bis Jahresende laufenden landesweiten Kampagne beschrieben, alte Ermittlungsfälle endlich aufzuklären.

Quelle: dpa