200.000 Menschen betroffenColi-Bakterien verseuchen Wasser

In einer Routinekontrolle entdecken Arbeiter eines Berliner Wasserwerks gesundheitsgefährdende Keime im Trinkwasser. 200.000 Menschen im Bezirk Spandau sind davon betroffen - so viele wie noch nie in der Hauptstadt. Die Behörden raten: Wasser abkochen.
Das Berliner Trinkwasser gilt als sehr sauber und nährstoffreich. Umso überraschender sind bei einer Routinekontrolle in einem Wasserwerk im Bezirk Spandau Coli-Bakterien im Trinkwasser nachgewiesen worden, und zwar in einer nicht unerheblichen Menge. Das verseuchte Wasser enthält gesundheitsgefährdende Keime, die bei Menschen zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen können. Die Keime weisen auf eine fäkale Verunreinigung im Trinkwasser hin, die für rund 200.000 Berliner Folgen hat – für so viele wie noch nie in der Hauptstadt.
Die Wasserbetriebe, die am Tag bis zu 650.000 Kubikmeter Wasser ins Berliner Netz einspeichern, beriefen einen Krisenstab ein. Nach Absprache mit den lokalen Gesundheitsbehörden und der Berliner Senatsverwaltung entschied der Stab: Die Bewohner der betroffenen Haushalte müssen bis zum Samstag ihr Wasser 20 Minuten lang abkochen. Das gilt fürs Zähneputzen oder das Wasser für die Kaffeemaschine.
Tierkot als Ursache?
Der Grenzwert für sogenannte coliforme Keime liegt bei null. Sie gelangen von außen ins Trinkwasser und überleben wegen der niedrigen Temperaturen maximal zwei Wochen. Die Ursache für das verseuchte Wasser ist noch unklar. Es könnten Bauarbeiten oder Tierkot gewesen sein. Möglich wäre auch, dass das Grundwasser kontaminiert wurde, weil es aufgrund der häufigen Regenfälle in der letzten Zeit stark gestiegen und in oberflächennahe Erdbereiche gelangt sei.
Die Wasserbetriebe reagierten jedenfalls sofort, desinfizierten den betroffenen Wasserbehälter und nahmen einen Brunnen vorübergehend vom Netz. So kann kein verunreinigtes Wasser mehr ins Trinkwassernetz gelangen, sagte André Beck, Sprecher der Berliner Wasserwerke.
Nachdem die Nachricht publik wurde, eilten viele Spandauer in Getränkeläden und Supermärkte, um sich mit Wasser einzudecken.