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Aufräumen in den Flutgebieten Das Hochwasser geht, die Hilfe bleibt

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Helfer reinigen in der Altstadt von Meißen das Straßenpflaster.

dpa

Zahlreiche junge Leute fassen in den Hochwassergebieten mit an. In Meißen verteilen Pfadfinder freiwillige Helfer auf die Stadt, in Deggendorf haben Studenten die Koordination der Nothilfe komplett von der Stadt übernommen. Die Tage sind lang. "Aber für mich ist es das Beste, was ich seit Jahren gemacht habe", sagt einer der Helfer.

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Nicht spektakulär, muss aber gemacht werden: In Deggendorf entfernen Helfer einen Fußboden.

(Foto: dpa)

Längst sind die "Welle der Solidarität" und die "Flut an Freiwilligen" sprichwörtlich geworden. Und dennoch kann man ein "Wahnsinn" nicht unterdrücken, wenn man mit Helfern in den Hochwassergebieten an Donau und Elbe telefoniert. Zahlreiche Initiativen haben sich dort gebildet, die die Freiwilligen koordinieren. Denn Koordination tut dringend Not. "Wir haben unglaublich viele Hilfsangebote aus der Region und auch darüber hinaus bekommen", sagt etwa Katharina Reso, die Sprecherin der Stadt Meißen.

Die Porzellanstadt an der Elbe hat eine Hotline für Helfer eingerichtet. Angst, dass deren Engagement nachlassen könnte, hat Reso nicht: "Wir haben so viele Freiwillige, die konnten wir noch gar nicht alle anrufen." Auffällig sei, dass unter jenen, die Tag für Tag von morgens bis abends mit anfassen, viele junge Leute sind.

"Mal gucken, wann wir fertig sind!"

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Zum Beispiel Liv Toasterm von den Meißener Pfadfindern. Die Studentin sitzt in der Altstadt von Meißen und schickt Helfer zu Betroffenen. "Fluthilfe betreiben wir seit dem letzten Montag, seit Beginn der Flut", erzählt sie. "Am Anfang haben wir Häuser abgedichtet und Sandsäcke gestapelt, jetzt geht es darum, wieder aufzuräumen. Moment mal eben!" Sie unterbricht das Telefonat und spricht mit einem Freiwilligen. "Da muss ein Teppich raus, und da muss Sperrmüll rausgetragen werden, und das Klavierhaus Trobisch braucht auch ein paar Leute. Habt ihr Hammer? Da muss Putz von der Wand gekloppt werden."

Auf Facebook haben die Pfadfinder eine Seite eingerichtet, auf der Freiwillige sich melden können, "Fliegende Helfer Hochwasser Meißen". Zugleich sitzen junge Leute wie Liv an zwei Stützpunkten in der Stadt, die Anfragen entgegennehmen und Leute rausschicken. Wie lange sie das noch macht? Die 18-Jährige lacht. "Na, da müssen wir mal gucken, wann wir fertig sind." Ihr Studium hat sie kurzfristig unterbrochen, Probleme mit ihrer Uni in Dresden gebe es nicht. "Die sind nett und lassen mich meine Hausarbeiten später abgeben."

"Wir kümmern uns darum"

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Schlange stehen für die Hilfe: 3500 Freiwillige haben sich in Deggendorf registrieren lassen.

(Foto: Deggendorf räumt auf / Facebook)

Im bayerischen Deggendorf haben Studenten die Koordination der Freiwilligen gleich komplett von der Stadt übernommen. Auch hier fing alles mit Sandsäcken an. Von Montag bis Mittwoch füllte Dominik Fischer zusammen mit anderen Studenten Sandsäcke ab. "Dann wurde deutlich, dass die Feuerwehr nicht mehr dazu kommt, die freiwilligen Helfer zu koordinieren - einfach, weil die so viel tun haben", erzählt der 23-Jährige, der normalerweise an der Technischen Hochschule in Deggendorf studiert.

Am Donnerstag habe sich eine Handvoll Studenten getroffen, berichtet Fischer. "Eine Stunde später stand fest, dass wir 'Deggendorf räumt auf' gründen. Nochmals eine Stunde später waren wir die offizielle Anlaufstelle der Stadt Deggendorf für alle freiwilligen Helfer."

Vorbild für die Deggendorfer war eine Initiative ein paar Kilometer flussaufwärts, "Passau räumt auf". Auch hier engagieren sich Studenten für ihre Stadt. Wie diese richteten Fischer und seine Mitstreiter eine Facebook-Seite ein und machten sich an die Arbeit. Sie schicken "Koordinatoren" und "Späher" raus, vermitteln Notunterkünfte und Helfer. Wenn sich jetzt die Feuerwehr bei ihnen meldet und 500 Helfer im schwer getroffenen Stadtteil Fischerdorf benötigt, ist das kein Problem. "Wir kümmern uns darum", sagt Fischer nur.

"Das Beste, was ich seit Jahren gemacht habe"

Ihr Büro konnten die Studenten an der Hochschule beziehen, deren Präsident Peter Sperber stehe "voll hinter ihnen", sagt Fischer. In ihrer Datenbank haben die Studenten 3500 registrierte Helfer, sie selbst arbeiten 14 Stunden am Tag. Normalerweise. "Gestern war ein Notfall, da hatten wir einen 17-Stunden-Tag."

Ist er müde? Auch Fischer muss kurz lachen. "Die Tage sind schon sehr lang. Aber für mich ist es trotzdem das Beste, was ich seit Jahren gemacht habe, und das gilt wahrscheinlich für das ganze Team. Da ist die körperliche Belastung nicht so wichtig."

Ein paar Tage noch wollen sie durchhalten. "Wenn sich die Lage nicht wieder durch neuen Regen verschlechtert, sind wir am Sonntag fertig", sagt Fischer. Das Schlimmste sei dann erledigt, die Studierenden würden sich dann wieder um ihre Prüfungen kümmern. Aber er weiß auch: "Die Betroffenen werden wahrscheinlich so schnell keinen Alltag mehr haben."

Quelle: n-tv.de

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