Panorama

Immer älter, immer wenigerDer Osten entvölkert sich

22.05.2007, 14:04 Uhr

Die Bevölkerung in Ostdeutschland wird bis 2050 mehr als doppelt so schnell schrumpfen wie Westen.

Die Bevölkerung in Ostdeutschland wird bis 2050 mehr als doppelt so schnell schrumpfen wie im Westen. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes gehen von einem Rückgang von 31 Prozent auf nur noch 9,1 Millionen Menschen aus. Für Westdeutschland wird ein Minus von 14 Prozent auf 54,4 Millionen erwartet.

In den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg werden mit 5,2 Millionen rund zehn Prozent weniger Menschen leben als 2006. Auch die zunehmende Alterung treffe den Osten stärker, hieß es. Darunter wird dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zufolge vor allem die Innovationsfähigkeit der ostdeutschen Unternehmen leiden.

Abwanderung in den Westen

Die Statistiker sprachen von einer "zunehmenden Kluft in der Bevölkerungsentwicklung zwischen den neuen und alten Ländern". Eine Ursache dafür ist die anhaltende Abwanderung in den Westen, auch wenn diese bis 2010 auf 8.000 jährlich zurückgehen sollte. 2005 war sie mit 49.000 noch sechs Mal so stark. Gleichzeitig dürfte sich die Geburtenrate dem niedrigeren Westniveau anpassen.

Auch bei der Alterung wird für den Osten eine dramatischere Entwicklung vorhergesagt. Kommen derzeit noch 35 Senioren auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 65 Jahren, so werden es 2050 bereits 80 sein. Im Westen könnte der so genannte Altenquotient von 32 auf 62 klettern.

Spürbare Folgen hat der Bevölkerungsschwund für den Arbeitsmarkt. Der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter dürfte im Osten auf 47 Prozent sinken und damit unter dem Niveau des Westens von 52 Prozent liegen. Derzeit sind im Osten noch 62 Prozent der Bevölkerung im Erwerbsalter, in Westdeutschland 60 Prozent.

Eine Belastung für die ostdeutsche Wirtschaft sieht das IWH vor allem durch die fortschreitende Vergreisung. "Junge Menschen sind kreativer und produktiver als ältere", sagte IWH-Konjunkturchef Udo Ludwig. Jüngere kämen mit dem hohen Innovationstempo und dem schnellen Wandel der Arbeitswelt besser zurecht. Einen massiven Arbeitskräftemangel befürchtet das IWH aber nicht. Die drohende Lücke könne durch eine steigende Beschäftigung von Frauen oder die Wiedereingliederung von Arbeitslosen verringert werden.

Kein "langsamer Tod Ostdeutschlands"

Den von einigen Ökonomen erwarteten "langsamen Tod Ostdeutschlands" durch den Bevölkerungsrückgang sieht Ludwig nicht. "Sachsen etwa hat seit den neunziger Jahren sehr viele Einwohner verloren und war 2006 trotzdem das Bundesland mit dem stärksten Wachstum", sagte der Ökonom. Vor allem die ostdeutsche Industrie werde weiter kräftig wachsen. "Dieser Aufholprozess dürfte weiter laufen", sagte Ludwig.