Panorama

Tief "Vincent" Die Kälte geht, der Schnee bleibt

Die gute Nachricht: Das zeitweise blanke Chaos des Wochenendes ist vorbei. Die schlechte: Noch immer stecken allein in Deutschland tausende Menschen fest. Am Flughafen Düsseldorf ist nur eingeschränkter Betrieb möglich, bei der Bahn fallen Züge aus.

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Schnee und Regen machen die Straßen weiter gefährlich.

Nach dem Schnee- und Eis-Chaos am vierten Adventswochenende hat sich die Verkehrssituation in weiten Teilen Deutschlands etwas entspannt. Die Autofahrer hätten sich mittlerweile an das Wetter gewöhnt, hieß es gleichlautend aus vielen Polizeidienststellen. In zahlreichen Städten verzeichnete die Polizei nicht mehr Unfälle als bei normalem Wetter. Nach fast zwölfstündiger Sperre wegen heftiger Schneefälle nahm auch der Düsseldorfer Flughafen am Sonntagabend den Betrieb zum Teil wieder auf.

"Autofahrer und Streudienste sind gut vorbereitet", sagte ein Polizeisprecher in Würzburg. "Die Leute verhalten sich recht vernünftig", ergänzte ein Sprecher in Oldenburg. Lediglich in Teilen Nordrhein-Westfalens und Bayerns häuften sich die Unfälle. Es blieb jedoch überwiegend bei Blechschäden. Bei der Bahn kam es bis in die Nacht zu Verspätungen und Zugausfällen. "Wir haben Probleme mit den Weichen", sagte ein Sprecher der Bahn in NRW am frühen Montagmorgen.

"Autobahnen machen Sorgen"

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In Düsseldorf wurden Viele Flüge verschoben.

(Foto: dpa)

Auf den Autobahnen verursachten liegengebliebene Autos und Lastwagen vielerorts massive Verkehrsbehinderungen. Die Autobahnen 1 und 45 im schwer eingeschneiten Nordrhein-Westfalen wurden stellenweise wegen Glätte vorübergehend gesperrt. Es kam zu kilometerlangen Staus. "Die Autobahnen machen uns nach wie vor Sorgen", sagte ein Sprecher des Lagezentrums im Düsseldorfer Innenministerium. Nach der Kollision eines Autos mit einem Laster auf der Autobahn 30 bei Osnabrück blieb die Fahrbahn Richtung Rheine zunächst gesperrt. Das Auto brannte völlig aus, der Autofahrer kam mit leichten Verletzungen davon.

Die Feuerwehren mussten häufiger wegen geplatzter Wasserrohre ausrücken. In Düsseldorf standen Bühnen des Schauspielhauses unter Wasser, im saarländischen Neunkirchen lief der Modemarkt eines Einkaufszentrums voll. Die klirrende Kälte erschwerte außerdem die Löscharbeiten der Feuerwehren. "Jeder Tropfen Wasser war sofort Eis", sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr im schlewig-holsteinischen Wedel bei Hamburg nach einem Einsatz.

Tausende sitzen in Düsseldorf fest

Obwohl am Abend die ersten Flieger wieder auf dem drittgrößten deutschen Flughafen starten konnten, kamen einige tausend Passagiere nicht mehr aus Düsseldorf weg. Sie wurden von den Airlines in umliegenden Hotels untergebracht oder hatten den Flughafen bereits verlassen. Inzwischne läuft der Verkehr "den Wetterverhältnissen entsprechend gut". Es gebe aber nur einen eingeschränkten Flugplan. Nur eine der zwei Startbahnen kann bislang genutzt werden. Bei der Bahn kam es bis in die Nacht zu Verspätungen und Zugausfällen. "Wir haben Probleme mit den Weichen", sagte ein Sprecher der Bahn in NRW am frühen Montagmorgen.

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Gähnende Leere: Kein Passagierverkehr unter dem Ärmelkanal.

(Foto: dpa)

In Thüringen hatten Spaziergänger am Sonntag die Leiche eines 81-Jährigen entdeckt. Er war erfroren, nachdem er sich vermutlich verlaufen hatte. In Mannheim erfror ein 46 Jahre alter Obdachloser, der im Freien schlief. In Reilingen, ebenfalls in Baden-Württemberg, stürzte ein 73-Jähriger auf schneebedeckter Fahrbahn mit seinem Fahrrad und schlug tödlich mit dem Kopf auf. Weitere Tote gab es bei Unfällen auf glatten Straßen etwa in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen.

Eurostar steht weiter still

Im Bahntunnel zwischen Frankreich und England gibt es weiter keinen geregelten Zugverkehr. Die bisherigen Tests der Eurostar-Züge hätten ergeben, dass der Schneeschutz an den Triebwagen verbessert werden müsse, um die elektrischen Anlagen zu schützen. Wegen der heftigen Schneefälle in Nordfrankreich hätten die Schilde, die die elektrischen Anlagen vor dem Eindringen von Schnee schützen sollten, versagt. Mit Umrüstungen der Wagen sei bereits begonnen worden.

Dutzende Menschen kamen durch witterungsbedingte Unfälle ums Leben oder starben an Unterkühlung. Allein in Polen wurden bis Sonntagabend 29 Tote gezählt. Die meisten Opfer waren nach Polizeiangaben obdachlose und alkoholisierte Männer. Auch in Deutschland starben mindestens sechs Menschen.

Schulen in USA bleiben geschlossen

In der Hauptstadt Washington türmte sich die weiße Pracht stellenweise noch bis zu 60 Zentimeter. Behörden und Schulen sollten deshalb vorerst geschlossen bleiben. Im Nordosten der USA waren die Bundesstaaten Virginia und Maryland besonders vom Wintereinbruch betroffen. Nach 24-stündigem Schneefall ging zunächst nichts mehr. Tausende Autofahrer strandeten auf den Straßen und mussten von Rettungsmannschaften in Notunterkünfte gebracht werden, der Flugverkehr brach am Wochenende weitgehend zusammen.

Für Washington, Virginia, West Virginia, Delaware, Philadelphia (Pennsylvania) und Boston (Massachusetts) wurde der Schneenotstand ausgerufen. Nach Medienberichten gab es tausende Unfälle auf glatten Straßen. Bis zu 1000 Nationalgardisten halfen dabei, Menschen aus ihren steckengebliebenen Fahrzeugen zu befreien. New York City kam mit einem blauen Auge davon. Trotz Schneehöhen von bis zu 40 Zentimeter stellten die U-Bahnen, Busse und Vorortzüge ihren Verkehr nicht ein.

Quelle: n-tv.de, dpa

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