Panorama

Ein Gymnasiallehrer ohne Abitur Die Karriere eines Schwindlers

21210892.jpg

Nicht jeder bekommt derart gute Noten. Die wenigsten kommen deswegen auf die Idee, ihr Zeugnis zu fälschen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sechs Jahre lang arbeitet er als Gymnasiallehrer, obwohl er selbst nie sein Abitur bestanden hat. Er fälscht es genauso wie sein erstes und zweites Staatsexamen. Jetzt bekommt er die Quittung für seinen Schwindel - vom Amtsgerichts Landau.

Die Karriere eines Gymnasiallehrers ist eigentlich eine gradlinige Sache. Nach dem Abitur folgt ein Hochschulstudium. An dessen Ende steht das erste Staatsexamen. Weiter geht es mit dem Referendariat und letztlich dem zweiten Staatsexamen. Viele Prüfungen, viele Noten pflastern so den Weg eines angehenden Paukers, bis er endlich selbst Zeugnisse ausstellen darf. Bei einem heute 43-Jährigen aus Landau in der Pfalz lief es genau anderes herum. Vom Abitur bis zum Staatsexamen schrieb er seine Zeugnisse stets selbst und konnte so jahrelang als Gymnasiallehrer arbeiten - ohne Ausbildung. Jetzt verurteilte ihn das Amtsgericht Landau wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung und 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Die Karriere eines Schwindlers: Schon als Jugendlicher litt der Mann unter Konzentrationsstörungen. Doch seine Eltern beharrten darauf, dass er Abitur macht, studiert. So schilderte es der geständige Schwindler im vergangenen Jahr zumindest der Staatsanwaltschaft. Der Leistungsdruck war immens, also bastelte er sich einen Lebenslauf zusammen, auf den seine Eltern einfach stolz sein mussten.

Keiner stellte seine Qualifikation infrage

Am Anfang stand ein erstklassiges Abitur. Damit bewarb er sich an der Universität Mainz. Laut dem "Pfälzer Tageblatt" studierte er dort einige Jahre. Nur konnte er mit seinen Kommilitonen nicht mithalten. Er musste die Uni verlassen, weil er wiederholt Prüfungsergebnisse fälschte. Im Bewusstsein, dass er das Studium aus eigener Kraft niemals abschließen kann, dass er seine Eltern enttäuschen würde, griff er wieder zur Feder und fälschte sein erstes Staatsexamen. Und wieder stellte keiner seine vermeintliche Qualifikation infrage.

Er arbeitete zunächst vermutlich als Referendar an einer Schule in Baden-Württemberg, bis er sein zweites Staatsexamen ablegte. Das machte er übrigens wirklich. Nur war seine Note einfach zu schlecht. Also schummelte er wieder. Aus einer 3,5 machte er eine 1,5.

Mit dieser Abschlussnote in der Tasche bewarb er sich 2006 erfolgreich als Sport- und Biologielehrer im baden-württembergischen Rastatt. Ein Jahr später ernannte man ihn dort zum Beamten auf Probe. Doch schon 2008 zog es ihn zurück in seine Heimat. Geradezu vor der Haustür seiner Eltern wollte er als Lehrer arbeiten und bekam tatsächlich eine Stelle am Eduard-Spranger-Gymnasium. Doch dieses Mal sollte die Schulleitung die Einstellung schon wenig später bereuen.

Schüler wechselten seinetwegen die Schule

"Seine Leistungen waren nicht mit seinen Zeugnissen in Einklang zu bringen", sagte Direktor Hans Peter Neumann. Nach Angaben des "Pfälzer Tageblatts" besuchten Schüler seinetwegen gar den Sportunterricht anderer Schulen, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten. Patzer, Unsicherheiten - allein sein Ruf, gute Noten zu geben und den Unterricht nicht allzu ernst zu nehmen, hielten ihm die Schüler zugute.

Um sich die desolaten Leistungen seines Lehrers zu erklären, fing Neumann an zu recherchieren, stieß auf die gefälschten Prüfungen und Examina. Im September 2011 zog er Konsequenzen und entließ ihn fristlos. Erst nach mehr als sechs Jahren endete so die Karriere des falschen Lehrers - und die eines erstaunlich erfolgreichen Schwindlers.

Quelle: ntv.de, ieh