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Gottes Wort in exotischen Sprachen Dolmetscher übersetzt die Bibel

Kaum ein Buch ist in so vielen Auflagen erschienen wie die Bibel. Besonders in afrikanischen Ländern steigt die Nachfrage. Der Münchner Fritz Goerling schreibt Bibeln in exotischen Sprachen, für die es keine Schrift gibt.

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Fritz Goerling ist Bibelübersetzer. Vor allem in den afrikanischen Ländern steigt die Nachfrage nach der Bibel.

(Foto: dpa)

Fritz Goerling sitzt an seinem Schreibtisch in München-Solln und bewegt den Mund. Was heraus kommt, liegt vom Klang her irgendwo zwischen Schnalzen und Schmatzen. "Für solche Laute haben wir gar keine Buchstaben", sagt der Bibelübersetzer. In der Sprache der Jula, einer kleinen afrikanischen Volksgruppe, höre man eine solche Aussprache häufiger. Zu lesen gebe es sie nicht.

Also hat Fritz Goerling eine Schrift dafür entwickelt: Mit der Hilfe einiger Jula an der Elfenbeinküste, in Burkina Faso oder Mali hat er zunächst mit Händen und Füßen gelernt, was man wofür sagt in deren Sprache. Dann wurden passende Symbole aus dem internationalen phonetischen Alphabet zusammengesucht und den Menschen am Ort beigebracht. Der Grund für das alles: Die Übersetzung der Bibel. 25 Jahre hat es gedauert.

Die Sprache des Herzens

"Wir wollten die Leute mit der Muttersprache erreichen, da die Muttersprache die Sprache des Herzens ist", sagt der 67-Jährige. Manche Jula kannten zwar die arabische Schrift. In der fehlten aber Vokale für viele gesprochene Worte. Und so etwas wie "Tempel" gebe es als Vokabel gar nicht.

Die Idee, Schriften nur aus einem bestimmten Interesse heraus zu entwickeln, wie etwa zur Verbreitung der Bibel, sieht der Münchner Sprachwissenschaftler Wolfgang Schulze kritisch: "Hiermit greift man in die bestehenden kulturellen Traditionen ein." Um der muslimischen Mehrheit der Jula nichts aufzudrängen, solle man sich an Schriftsprachen anpassen, die ihnen schon vertraut seien. Etwa die offizielle Landessprache Französisch, sagt der Leiter des Instituts für Allgemeine und Typologische Sprachwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Bibel für kleine Minderheiten

Fritz Goerling wollte ein Schriftsystem, das ähnlich, aber einfacher ist als das französische. Er verstehe sich nicht als Missionar. "Wir gehen nicht hin und sagen 'Ihr braucht die Bibel'." Eine Einladung der Christen aus den Volksgruppen sei Voraussetzung. Die kam zum Beispiel von Nomadenstämmen, wie den Tuareg - einer Gruppe von vielen, bei denen Goerling gelebt und übersetzt hat. Sein ganzer Stolz aber ist die Jula-Bibel, die von 2012 an verkauft werden soll.

Getragen wurde das Jula-Projekt von der evangelikalen Bibelübersetzer-Organisation Wycliff. Deren Ziel ist es, die Bibel auch unter kleinen Volks-Minderheiten etwa in China, Indien oder Afrika zu verbreiten.

"Alle Sprachen sind gleich wichtig, egal wie viele Menschen sie sprechen", sagt Florian Theuerkauff von der Deutschen Bibelgesellschaft. In 2508 Sprachen sei die Bibel schon übersetzt worden. Zunehmend kämen jetzt die seltenen Sprachen auf den Plan.

Vorsicht sei aber bei wörtlichen Übersetzungen geboten, warnt Franz Josef Backhaus vom Katholischen Bibelwerk: "Syntax und Wortbedeutung sind in den Sprachen verschieden, und da kann schnell Unsinn passieren."

Das weiß auch Fritz Goerling aus Erfahrung: "In der Tonsprache Jula hat das eine Wort "Ba" zum Beispiel drei verschiedene Bedeutungen, je nachdem in welcher Tonhöhe es ausgesprochen wird." In tiefer Tonlage heiße es "Mutter", in der mittleren "Fluss" und in der hohen "Ziege". Eine Verwechslung könne da böse enden, sagt Goerling.

Quelle: n-tv.de, Joelle Verreet, dpa

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