Panorama

Mysteriöse Explosion Donnerschlag reißt Zyprioten aus dem Schlaf

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Geteilte Insel Zypern: Was genau ging in den Bergen auf türkischer Seite nieder?

(Foto: REUTERS)

Eine heftige Explosion stellt die Behörden auf Zypern vor ein Rätsel: Mitten in der Nacht breitet sich im Nordteil der Insel eine gewaltige Druckwelle aus. Türkische Medien spekulieren über einen möglichen Fehlschuss aus dem syrischen Kriegsgebiet. Die Ermittlungen dauern an.

Eine starke Explosion hat in der Nacht auf der Mittelmeerinsel Zypern Zehntausende Menschen aus dem Schlaf gerissen. Die Explosionen ereigneten sich im türkisch-zyprischen Nordteil am Berg Besparmak in der Nähe des Dorfes Vouno (türkisch: Taskent), berichtete der staatliche zyprische Rundfunk (RIK). Verletzt wurde offenbar niemand.

Über die Ursachen der Explosionen herrschte Unklarheit. Die Behörden vermuten den Absturz einer Drohne oder den Einschlag eines Geschosses oder einer Rakete. "Wir können noch nicht sagen, was genau die Explosion verursachte", sagte der zyprische Verteidigungsminister Savvas Angelides im Staatsfernsehen (RIK).

Möglicherweise sei ein aus Syrien kommendes Objekt auf Zypern eingeschlagen. "Es ist nicht etwas, was von unserem Boden kam", erklärte der Führer der türkischen Zyprer, Mustafa Akinci, im türkisch-zyprischen Rundfunk (BRT). Die Explosion sei allen Anzeichen nach Folge des Krieges in der Region Syrien, hieß es.

Im Netz kursierten Bilder von Wrackteilen einer Luftabwehrrakete, die an der Einschlagstelle aufgenommen worden sein sollen. Dabei könnte es sich Experten zufolge um die Überreste einer S-200-Rakete der syrischen Luftabwehr handeln.

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Drohungen aus Libyen

Beobachter hielten dagegen auch einen möglichen Zusammenhang mit den Kampfhandlungen in Libyen für denkbar. Die Türkei unterstützt die international anerkannte Regierung in Tripolis unter anderem auch mit militärischen Mitteln. Die Truppen des aufständischen General Haftar erklärten daraufhin am Wochenende türkische Schiffe und Flugzeuge zu feindlichen Zielen. Sechs türkische Staatsbürger befinden sich zudem in der Gewalt von "Haftars illegaler Miliz in Libyen", wie es aus dem türkischen Außenministerium hieß.

Gegen diese These spricht allerdings nicht nur die große Entfernung zwischen Nord-Zypern und Libyen, sondern auch der Explosionsort, der in unwegsamem Gelände in einer dünn besiedelten Bergkette nördlich von Nikosia liegt - abseits militärischer oder politisch bedeutsamer Einrichtungen. Die Kriegsgebiete in Libyen befinden sich dagegen gut 1000 Kilometer Richtung Südwesten. Bis zur syrischen Küste sind es dagegen in der Luftlinie rund 210 Kilometer.

Die Explosion war nach Aussagen von Zeugen im Staatsrundfunk "ohrenbetäubend". Die Druckwelle, hieß es, sei in fast allen Teilen der drittgrößten Mittelmeerinsel zu spüren gewesen.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa