Panorama

Schweres BahnunglückDrei Jugendliche getötet

05.12.2007, 07:59 Uhr

Nach dem schweren Bahnunglück bei Germersheim in Rheinland-Pfalz erhoffen sich die Ermittler von den Angehörigen der drei getöteten Jungen Erkenntnisse zur Unfallursache.

Nach dem schweren Bahnunglück bei Germersheim in Rheinland-Pfalz erhoffen sich die Ermittler von den Angehörigen der drei getöteten Jungen Erkenntnisse zur Unfallursache. Die Anhörungen hätten allerdings auf diesen Donnerstag verschoben werden müssen, weil die Familien am Mittwoch "absolut nicht vernehmungsfähig" gewesen seien, sagte Polizeisprecher Franz Blang. Vorerst sei weiter offen, wohin die 11 bis 14 Jahre alten Jungen wollten und weshalb sie sich im Gleisbereich aufgehalten hätten.

Informationen des Mannheimer Senders Radio Regenbogen, wonach die Jungen auf dem Weg zum Fußballtraining waren und über die Gleise abkürzen wollten, bestätigten die Ermittler nicht. Die drei jungen Türken waren am späten Dienstagnachmittag auf der Bahnstrecke Germersheim-Wörth am Eingang zum Germersheimer Ortsteil Sondernheim von einer Regionalbahn erfasst worden, als sie auf oder neben den Gleisen liefen.

"Die Jungen waren alle sofort tot", sagte Polizeisprecher Uwe Becker. Der Älteste hatte am selben Tag seinen 14. Geburtstag gefeiert. Die Angehörigen identifizierten die Toten am Mittwoch. Die Eltern werden nach Blangs Angaben von islamischen Geistlichen und dem Roten Kreuz betreut.

Auch der 28-jährige Lokführer konnte zunächst nicht vernommen werden. Er erlitt einen Schock. Wie der Leiter der Staatsanwaltschaft Landau, Detlef Winter, mitteilte, sollen er und zwei Auszubildende, die mit in der Lokomotive waren, befragt werden. Es gebe keinen konkreten Verdacht gegen irgendeine Person, sagte Winter, der von einem "Unglücksfall" sprach. Es werde aber ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren geführt, um die Ursache zu klären. Mehr Klarheit erhofft sich die Polizei von der Auswertung des Fahrtenschreibers. Auch Luftaufnahmen, mit deren Hilfe eine Skizze vom Unglücksort komplettiert werden soll, wurden angefertigt.

Der 14-Jährige, sein elfjähriger Bruder und ein 13 Jahre alter Freund waren nach Angaben der Ermittler von hinten von dem Zug erfasst worden, der nach Winters Angaben zum Zeitpunkt des Unglücks etwa 100 Kilometer pro Stunde schnell war. Eine Notbremsung half nicht. Die Rettungskräfte mussten die Überreste der Opfer auf einer Strecke von mehr als 100 Metern bergen. Ein Polizeisprecher sagte, die Jungen seien auf oder neben den Gleisen gelaufen, hätten aber nicht auf den Schienen gespielt. Die etwa 90 Fahrgäste blieben unverletzt. Am Unfallort sind die Schienen von hellgrünen Kunststoff- Sichtschutzwänden mit Lücken in regelmäßigen Abständen gesäumt.

"Es passiert oft, dass welche auf den Schienen laufen", sagte am Unglücksort ein 13-Jähriger, der nach eigenen Angaben eines der drei späteren Opfer von der Grundschule her kannte. "Vielleicht wollten sie zum Sportplatz runter."