Panorama

Missbrauch und VergewaltigungDrei Jungen gestehen

22.07.2010, 16:38 Uhr

Die Misshandlungen von Jugendlichen während einer Ferienfreizeit des Stadtsportbunds Osnabrück werden von der Staatsanwaltschaft inzwischen als klare Sexualdelikte eingestuft: Es geht um Vergewaltigung und schweren sexuellen Kindesmissbrauch. Drei Jungen geben unterdessen zu, jüngere Kinder gequält zu haben. Doch die meisten Täter sind noch nicht ermittelt.

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Ein niederländisches Kamerateam filmt vor dem umgebauten Bauernhof in Buren auf der Westfriesischen Insel Ameland, in dem die Missbrauchsfälle in der Gruppe aus Osnabrück passiert sein sollen. (Foto: dpa)

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei den Misshandlungen von Jugendlichen im Ferienhaus "Silbermöwe" auf der niederländischen Nordseeinsel Ameland um Vergewaltigungen und schweren sexuellen Kindesmissbrauch.

Drei Verdächtige hätten gestanden, während der Ferienfreizeit vor etwa drei bis vier Wochen in einem Schlafsaal mehrere 13-jährige Jungen mit Gegenständen missbraucht und gequält zu haben. Der Kreis der potentiellen Täter sei jedoch größer. Alle aus der Gruppe sollen 13 bis 16 Jahre alt sein.

"Wir gehen davon aus, dass maximal 13 Personen als Beschuldigte in Betracht kommen", sagte der Sprecher der Osnabrücker Staatsanwaltschaft, Alexander Retemeyer. Zuvor hatte die Polizei noch von sechs bis acht Tatverdächtigen gesprochen.

Die mutmaßlichen Übergriffe wurden aufgedeckt, nachdem die Mutter eines der 13-jährigen Opfer Anzeige erstattet hatte. Bei der Osnabrücker Polizei übernahm eine vierköpfige Sonderkommission die Ermittlungen, die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet. Die Beamten befragen derzeit täglich mehrere der Kinder und Jugendlichen, die in dem Schlafsaal untergebracht waren.

Eltern gegen Untersuchung der Kinder

Die mutmaßlichen Täter sollen bei der Ferienfreizeit des Stadtsportbundes Osnabrück zwischen dem 25. Juni und 8. Juli jüngere Kinder gequält haben. Die Opfer seien im Schlafsaal aus den Betten herausgerissen und in die Mitte des Raumes gelegt worden, sagte Retemeyer. Ihnen sei dann die Hose heruntergezogen worden, um ihnen Colaflaschen, Stiele von Kehrschaufeln oder Besen in den After zu stoßen.

Es seien bisher sechs Opfer bekannt, sagte Retemeyer. Zumindest in zwei Fällen hätten die Eltern eine medizinische Untersuchung ihrer Kinder auf Verletzungen abgelehnt. "Wir haben nicht ein Opfer, wo wir bisher sagen könnten, da sind die und die Verletzungen aufgetaucht, die möglicherweise auch heute noch zu sehen wären", sagte Retemeyer.

Von den 39 Jugendlichen in dem Schlafsaal seien bislang 25 vernommen worden. Möglicherweise kämen noch andere Jugendliche aus Nachbarhäusern hinzu. Es müsse geklärt werden, wer was gewusst habe. Die Betreuer seien noch nicht vernommen worden. Das solle nach der Vernehmung aller Jugendlichen geschehen. Das Betreuerteam werde von den Opfern beschuldigt, auf konkrete Bitten um Hilfe nicht reagiert zu haben, sagte Retemeyer.

Bei den Ermittlungen wird deshalb auch der Frage nachgegangen, ob Betreuern irgendwelche Vorwürfe gemacht werden könnten. Nach Angaben des Staatsanwaltssprechers gab es in dieser Hinsicht zunächst keine neuen Erkenntnisse. Aussagen darüber, welche Informationen welchem Betreuern gegebenenfalls vorlagen, könnten erst nach Ende der Befragung der Kinder vorgenommen werden, sagte er. „Das wird noch mehrere Wochen dauern.“

Kritik an Landesregierung

Der niedersächsische SPD-Vize-Fraktionschef Uwe Schwarz kritisierte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die CDU/FDP-Landesregierung habe sich aus der Fort- und Weiterbildung fast komplett zurückgezogen. Er regte an, die Vorlage eines Führungszeugnisses von Jugendleitern zu prüfen. Mehrere Organisationen wiesen darauf hin, dass sie Schulungsmaterialien über Sexualität und Prävention entwickelt hätten.

Während des Ferienlagers ist anscheinend unter den Jugendlichen der Begriff "Fisting" gefallen. Der Ausdruck stammt aus der Schwulen- und Sadomaso-Szene und bezeichnet das Einführen von Fingern und Hand in die Vagina oder den After. Er selber habe diesen Begriff erst nach dem Ferienlager von einem Jugendlichen gehört und habe zunächst damit nichts anfangen können, sagte der Leiter des Feriencamps, Dieter Neuhaus. Das Ehepaar, das das Feriencamp geleitet habe, sei eher älter und gehöre schon seit vielen Jahren zum Betreuerteam.

Quelle: dpa/AFP